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Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 10 – Doktorspiele

26. Juni 2015

Wenn man erst einmal eine ganze Rotation in der „Privatklinik Professor Doktor Horatius Hondark“ verbracht hatte, schälte sich ein gewisser Rhythmus heraus: Wann die Schichten der Pfleger wechselten (neun Stunden, davon eine Stunde irgendwie parallel), wie die Ärzte ihre Runden gingen (oft im Rudel, immer laut und wichtig) und wann die Putzkolonne anrückte (nicht laut aber mit netten Sprüchen). Natürlich mit gewissen Varianzen. Und weil dies Nar Shaddaa war auch mit einem gelegentlichen Herumschreien und Schusswechseln in der Lobby. Alles ganz gewöhnlich. Alles harmlos.

Trotzdem blieb Khalb an der Seite der tief im Heilkoma dämmernden Illjana. Weil man nie wissen konnte. Weil bestimmt irgendwelche Kidnapper entkommen waren. Weil überhaupt.

Gelegentlich erschien Garrm, brachte zu süßen Caf in zu schlecht isolierten Styroporbechern vorbei, wechselte ein paar Sätze mit ihm und verschwand dann wieder, um seine Jagd auf die Unterwäsche der Alor fortzusetzen (Khalb hätte den neuen Netzwerfer auf die Fruchtlosigkeit dieser Aktion verwettet).

Ansonsten war nur Stille. Und Halbdunkel. Gelegentlich schnelle Schritte auf Gummisohlen im Gang. Immer die Reflexionen der vorbeirasenden Speeder auf dem Shaddaa-Expressway-05 vor dem Fenster, die über die Lamellen der Jalousien hüpften wie gelbrote Käfer.

Khalb kippelte auf dem Besucherhocker und bewegte vorsichtig seine langsam weniger schmerzende, sehr schön vor sich hinheilende Schulter. Standardzeit 2 Uhr. Die Visite war eine Viertelstunde überfällig. Das war schon zweimal vorgekommen. Nicht ungewöhnlich. Khalb gähnte.

Schritte auf dem Gang. Wie immer in diesem zuversichtlich-ungeduldigen Bewegungsmuster, das alle Angestellten der Klinik sich zugelegt hatten. Die Tür öffnete sich. Ein Mann in einem hellblauen Kittel, in der Hand ein Datapad. Nichts, was eines zweiten Blickes bedurft hätte.

Trotzdem stellten sich Khalbs Nackenhaare auf. Irgendetwas … Was? Anders. Falsch? Seine Hand sank nach unten, legte sich auf den Blastergriff. Der Doktor schaltete das Licht am Kopfende des Bettes ein.

Khalb sprang auf. Er war es! Mit einem Schritt war er bei diesem „Doktor“, den Blaster direkt zwischen dessen Augen gerichtet, dorthin, wo die Tätowierungen des Mirialaners einen nach oben gerichteten Diamanten formten. „Du! Raumschiffdieb! Was willst du hier! Ich leg´ dich um!“ Das übliche, unterbewusste Wahrnehmen – unbewaffnet, bis auf ein Messer in einem und einen kleinen Blaster im anderen Stiefelschaft. Ungefährlich, wenn er sich nicht bewegte. Eine scheuchende Bewegung mit der Waffe „Geh von ihr weg!“

Der Mirialaner hob beschwichtigend die Hände. „Ruhig, Brauner! Ich will ihr nichts Böses. Normalerweise trüge sie in so einer Situation ein knappes Schwesternoutfit und wäre wach ..“ Khalbs mörderischer Blick ließ ihn innehalten. „Gut, keine Witze. Ich dachte, Mandalorianer hätten Humor …“

Bei Khalb war derzeit kein Humor zu erkennen. Der Grünhäutige ließ ganz langsam die Hände sinken, wedelte mit dem Datapad. „Keine Ahnung, ob du´s weißt, Junge. Aber irgendjemand – wie es aussieht ihre Arbeitgeber – hat unsere blonde Freundin hier verwanzt. Und zwar tiefgehend.“ – „Woher willst du das denn wissen?!“ – „Weil ich mir gestern die Pink Turtle genauer angesehen habe. Etwas, das eigentlich ausgeschaltet sein sollte, hat empfangen. Jemand hat sehr hübsch in der Hydraulikflüssigkeitsüberwachung einen Verstärker platziert, der ein Signal von außen auffängt. Jemand, der immer im Bilde sein will, wo sich Illjana befindet.“

Der Mirialaner legte das Datapad auf die Decke. Musterte kurz Illjanas Gesicht. Khalb war im Halbdunkel nicht ganz sicher, glaubte aber zu erkennen, dass sich ein harter Zug um den Mund des Mannes grub, als er ihre aufgesprungenen Lippen und eingefallen-dunklen Augenhöhlen betrachtete. Er drehte den Kopf. Seine roten Augen fanden Khalbs Blick. „Wirst du mir im Weg stehen, wenn ich ihr dieses Ding raushole?“

Kopfschütteln. Erst zögernd, dann sicherer. „Sie is´ meine Vod. Es is´ falsch, dass die Imperialen ihr das angetan ham. Sie is ´ne Piratin und muss frei sein.“

Fast ein Lächeln seines Gegenüber. „Dann sind wir uns ja einig.“

„Warum tus´ du das? Du has` ihr Schiff geklaut. Warum kümmert´s dich, wie´s ihr geht?“ – „Das mit dem Schiff geht nur sie und mich etwas an. Ich habe nicht vor, es zu behalten. Und es kümmert mich, wie es dieser Frau geht, weil sie nach all´ den Jahren immer noch eine offene Wunde in meinem Herzen ist. Jetzt mach´ schon Platz, Krieger. Ich muss die ID-Card von …“ ein kurzer Blick auf den Clip an seinem Kittel „… Doktor Shin-a nutzen, so lange er den Schlaf des drogenselig-Gerechten schläft.“

Er beugte sich zu der leise piependen Medieinheit neben dem Bett, über deren Monitore die langsamen Meereswellen von Illjanas Herzschlag wanderten. „Und ganz nebenbei möchte ich selbstverständlich auch nicht, dass eine ganze Horde ihrer uniformtragenden Kumpels mit auf der Matte steht, wenn sie sich ihr Schiff zurücktauschen kommt. Also alles nur Eigennutz.“

Khalb nickte. „Ja, is´ klar.“ Und glaubte natürlich kein Wort.

Der Mirialaner steckte den ID-Chip in den Droiden, der mit einem launigen Gurren aus dem Standby kam. Eine blecherne Stimme fragte: „Guten Abend, Doktor Shin-a! Wie kann Ihnen Einheit MD-20-Percival zu Diensten sein?“

„Patientin Karamasowa muss auf einen Ganzkörper-Tiefenscan vorbereitet werden. Fremdkörperabtastung und nötigenfalls temporäre Entfernung.“

Wieder ein Gurren und der Droide fuhr einen Teleskoparm aus, der langsam von oben nach unten über Illjanas Körper wanderte, unter sich eine dünne Lichtspur.

Khalb und der Fremde schwiegen. Warteten.

Auf Hüfthöhe hielt der Arm des Droiden an, wackelte noch etwas hin und her. „Fremdkörperabtastung positiv. Identifiziert als Sendechip der Klasse Besh-17. Nicht-letal, nicht lebenserhaltend. Entfernung gewünscht, Dr. Shin-a? Ja – Nein?“

Kurze Stille.

„Ja“ – „Deaktivierung bei Entfernung gewünscht? Ja – Nein?“ – „Nein“

Khalb atmete tief ein. Beobachtete den Droiden.

Ein weiterer Teleskoparm wuchs aus dem tonnenförmigen Torso der Medieinheit, hob Illjanas Nachthemd an und schaltete sterilisierende Stahlen ein. Eine Sonde klappte sich an zwei Gelenken elegant in Richtung der tief schlafenden Patientin. Direkt über dem Hüftknochen setzte sie auf. Die Haut wölbte sich nach innen, wurde mit einem knappen Laserschnitt geöffnet und der Sondenkopf drang in Fleisch und Muskeln ein. Blieb nicht lange. Kam wieder zum Vorschein, auf seinem Weg zurück zum Licht das Gewebe hinter sich wieder schließend. An der Spitze der Sonde saß nun ein nicht einmal fingernagelgroßer Chip, glänzte hellrot von Blut und Flüssigkeit.

Der Mirialaner nahm den Chip und reichte ihn Khalb „Lass das Ding in ihrer Nähe, damit niemand Verdacht schöpft. Gib es ihr, sobald sie aufwacht. Dann kann sie damit tun, was sie will.“

Er wandte sich dem Droiden zu. Steckte die ID-Karte noch einmal in das Lesegerät. Tippte auf der Eingabekonsole. Khalb legte fragend den Kopf schief. Der Mirialaner hatte ihn nicht sehen können, sagte aber trotzdem: „Kurzzeit-Memorywipe. Die Kameras bekommen auch eine Bildschleife verpasst. Man muss es den Imperialen ja nicht auch noch auf dem Silbertablett servieren.“

Er zog die Chipkarte aus dem Droiden, der mit einem tiefer werdenden Piepen zurück in die Regungslosigkeit sank.

„Und jetzt gehe ich wieder. Einfach so. Und du wirst nicht versuchen, mich zu verfolgen, was ich sehr zu schätzen weiß.“ – „Woher willste das denn wissen, dass ich nich´ hinterhergeh´?“ – „Weil ihr Mandalorianer die größten Ehrpussel überhaupt seid und ich grad deiner Freundin hier einen monströsen Gefallen getan habe, was dich in meine Schuld bringt. Außerdem wirst du dich nicht einmischen, weil Illjana sowieso schon ganz genau weiß, wo ich auf sie warte.“

Khalb öffnete den Mund für eine Erwiderung, musste aber einsehen, dass – wenn auch nicht ganz so formuliert wie er das getan hätte – der Mirialaner recht hatte. Also nickte er nur stumm und steckte den Chip in eine Gürteltasche.

Der Grünhäutige nickte ihm zu, ließ ein schmales Grinsen aufblitzen.

Und dann war er weg. Schritte verhallten auf dem Gang, so energisch-zielgerichtet wie bei jedem Doktor.

Khalb setzte sich wieder auf den Besucherhocker. Alles war seltsam irreal. Nichts war geschehen, oder? Nur ein Chip.

Auf dem Gang rumpelte der Droide der Putzkolonne heran. Wie immer.

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