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Lord Rednelak – in unbekanntem Terrain

10. Juli 2015

Mit einer knappen Geste sorgte er dafür, dass alle Bediensteten und Sith das Labor verließen, kaum dass er es betreten hatte. Er brauchte Ruhe, um sich in dieses neue Konzept hineinzudenken. Seine Schülerin wäre als Gegenpart für ein Gedankenspiel willkommen gewesen, doch hatte er ihre Präsenz nur entfernt wahrgenommen, irgendwo in Ginyus Räumen zusammen mit der buntschillernden Aura seine Neffen.

Rednelak ging zum Regal mit den Holocrons. Einige davon reagierten auf seine Anwesenheit, wendeten ihm ihre Vorderseiten zu, öffneten sich oder ließen ihre metallischen Außenseiten zu scharfen Kanten werden. Das waren die Ungefährlichen. Die Problematischen saßen einfach nur unter ihren Transparisteel-Kuppeln und versuchten in seinen Geist zu gelangen, um ihn zu töten. Die Bibliothek eines Sith-Lord enthielt keine Unterhaltungsliteratur.

Er griff nach einer durchsichtigen Halbkugel auf einem Holzsockel. Der Holocron darin war eine einfache vierseitige Pyramide, die Außenhaut auridiumbelegt und mit den eleganten Schriftzeichen der alten Sith verziert. Schwerer in der Hand, als er sein dürfte, kälter als es das gut temperierte Labor gestatten sollte. Als sei das Vakuum des leeren Raumes vor dem Fenster auf einen Besuch vorbeigekommen und der Holocron hätte es gefressen.

Der Lord nahm die Schutzhülle ab. Die anderen Holocrons auf ihren Regalböden schienen knapp unter der Hörschwelle zu wispern, sich von ihm wegzubewegen, ohne ihre Position zu verändern. Dunkelheit fiel in Spinnenfäden aus der Decke des Raumes, hüllte die Bibliothekssektion ein.

Noch kein Angriff. Er war heute anscheinend geduldig. Oder gut gelaunt, wer konnte das bei einem Stück Metall schon sagen.

Rednelak ging zum Schreibtisch. Positionierte den Holocron in der Mitte und ließ sich auf den Stuhl sinken. Dann löste er seinen mentalen Panzer und wartete auf den Angriff.

Bei manchen der aggressiveren Holocrons musste man offensiv vorgehen. Durfte ihnen keine Zeit lassen, sich zu formieren. Aber hier war es besser, das, was darin wohnte, sich müde kämpfen zu lassen, bevor man zuschlug.

Der erste Schlag kam, als der Lord die Augen schloss und den Atemzug am Anfang der Meditation in seine Lungen fließen liess.

Ein Schreien in seinem Kopf, rote Wut, kalter Zorn. „Schwächling! Kleiner Sith! Blut aus Wasser! Ich zerstöre dich, ich nähre mich an deinem kümmerlichen Geist. Komm´ zu mir, gib gleich auf, deine Chancen sind die eines Insekts unter der Kralle des Rancor!“

Rednelak blieb unbewegt. Seine Projektion innerhalb des Geistraumes hob die Hand. Die immateriellen Kristalle zogen sich um seinen Arm, bildeten einen Schutzkreis. Wie sie es vorhin schon im Inneren der Zabrak getan hatten … weshalb er hier war. Lösungen suchen, sich im Kopf Anderer zu bewegen …

Er sah sich mit nicht fleischlichen Augen um. In diesem Holocron war es schmerzhaft hell. Das Weiß liess keine Schatten und damit keine Kanten zu. Es war keine Projektion zu sehen. Nur die Stimme, die weiter in der alten Sprache ihren ekstatischen Zorn herausschrie: „Ich gebe dir nichts, ich nehme! Ich füge dich hinzu! Du wirst mir dienen!“

Geist-Rednelak machte eine herrische Geste, Macht ballte sich um ihn, zog einen Mantel mit einer Schleppe wie ein Ballkleid um seine Schultern. Er legte die Handflächen vor der Brust aneinander, atmete in nicht existente Lungen, griff die Fäden der Macht, die alles verbanden und riss daran, tauchte sie in Dunkel, das aus ihm herausfloss. Sprach ruhig und kalt wie blaues Gletschereis. „Zeige mir, was es zu finden gibt … über Verletzungen des Ich, das sich teilt und an sich selbst nagt.“

Wieder nur Hass und Geschrei. „Nichts! Gar nichts! Du bist schwach!“ Und dann eine plötzliche Manifestation. Direkt vor Rednelak – ein Sith, alt und deutlich näher an den Ursprüngen. Noch keine fünf Finger an jeder Hand und die Knochenstacheln groß wie ein elegantes Geweih – der Holocron zeigte sein Alter. Die Augen der Projektion brannten in weißem Feuer. Hob die Hände, spreizte die schmalgliedrigen Finger. Blitze sammelten sich. Wurden mit einem wortlosen, sich hochschraubenden Schrei in Richtung des Eindringlings geworfen, ein Fächer aus Blau in einer weißen Welt.

Rednelak wehrte ab. Stand still und lenkte den Sturm um sich herum. Nahm die folgende Machtwoge, teilte sie und ließ sie zu seinen Füßen versickern. Noch mehr Blitze, Griffe nach Kehle und Organen. Der Wille, Blut zu kochen und Haut zu schmelzen.

Der Lord hüllte sich in emotionslose Ruhe.

Die Wut der Projektion dauerte an … Minuten, Tage, Epochen. Zu wissen, wann man zuschlug, war Teil des Geheimnisses.

Jetzt.

Rednelak bewegte sich plötzlich, unterlief einen Schlag aus reiner Energie, griff nach dem Hals der Projektion, der so wenig echt war, wie die Finger, die sich darum schlossen. Es war der Wille, bedingungslos und hart, der sich manifestierte. Sich aufzwang und den alten Sith auf die knochigen Knie drückte. Ein Ringen, das inmitten der Geistwelt irreale Muskeln sich unter nicht vorhandener Haut winden ließ wie Schlangen.

Die Stimme des Lords war bar jeden Gefühls, legte sich kalt über das Fauchen und Spucken des gestaltgewordenen Holocron. „Zeige mir, was es zu finden gibt … über Verletzungen des Ich, das sich teilt und an sich selbst nagt“, wiederholte er.

Keine Antwort, nur unartikuliertes Knurren. Rednelak drückte zu, fühlte Sehnen und Knochen unter Fingern, die nur Vorstellung waren. Der Holocron würgte, zuckte noch einmal und gab dann auf. Wurde still und regungslos.

Rednelak ließ los, trat einen Schritt zurück.

Wieder. „Zeige mir, was es zu finden gibt, über Verletzungen des Ich, das sich teilt und an sich selbst nagt“

Der richtige Zeitpunkt. Die Manifestation stand vor ihm, als wäre nichts geschehen. Ruhig, entspannt. In eine glänzende Robe gehüllt. Neugier und List in den Augen. Nickte. „Gib mir mehr Details, junger Sith. Die Windungen des in-uns sind weit wie die Arme der Galaxis.“

Rednelak atmete ein, sortierte sich. „Ein Band, machtinduziert, in einer Machtblinden. Jetzt gerissen, die Wurzeln haben Zerstörung hinterlassen.“

Der Holocron griff in die Luft, zwischen seinen Händen spannten sich Bänder aus Macht und Wissen. „Mehr … Details … Alles …“

Rednelak verschränkte die Arme hinter dem Rücken, wanderte ein paar Schritte ins Nichts, kam wieder zurück.

„Eine Zabrak, Kultur der Mandalorianer …“

Wissen wurde gegeben, genommen.

Stunden, Tage, Zeiteinheiten vergingen.

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OOC: Derzeit hat sich ein unerwarteter Nebenplot für Lord Rednelak ergeben. Eria hat ein Machtband herausgerissen bekommen, Tilda und Borraa taten ihr Bestes, die Folgen abzumildern – aber dank der üblichen Rivalitäten zwischen Sith ging die Mandalorianerin dabei fast drauf. Red ist nun ziemlich zornig, da er eine Beschädigung von Darth Akiratis „Asset“ eigentlich kategorisch verboten hatte. Jetzt ist der Lord dabei, die Risse in Erias Geist zu flicken und zu überlegen, wie er mit den beiden Hexen weiter vorgeht.

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