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Rednelak – Schwarze Gedanken 2

6. August 2015

Die Harrower trieb in der Schwärze; ein Wal, der sich langsam auf die Seite dreht, kaum Aktivität so tief in der künstlichen Nacht. Hin und wieder Schritte auf den Gängen, Ablösung der minimalen Brückenmannschaft, mehr nicht.

Und auf der Ebene der Labore nicht einmal das.

Die Tür zum Raum der Kristallforschung war versiegelt. Die Kameras ausgeschaltet und vor den Luftschächten Energiefelder. Er durfte kein Risiko eingehen. Es durfte nicht entkommen, wenn er begann, es zu untersuchen.

Er hatte keine Zweifel, dass es nicht begeistert darüber sein würde, betrachtet zu werden. Und er hoffte, dass es einen guten Kampf liefern würde. Und am Ende, nachdem er alles herausgezogen hatte, was er zu wissen wünschte, würde er es langsam töten. Sich eine kleine Rache dafür gönnen, dass es ihn hatte Schwäche zeigen lassen.

Ein Schritt nach dem anderen.

Rednelak öffnete die Schnallen der Armschiene mit den Schutzkristallen, legte das Metallband auf die Werkbank und griff nach einer Pinzette. Dann atmete er tief und ruhig ein und baute einen mentalen Wall. Lenkte die Strömung der Macht um sich und den kleinen Bereich des Labors, in dem er gerade arbeitete, herum.

Der korrumpierte Kristall war gut zu erkennen. Seine Brüder strahlten ärgerlich, versuchten sich selbst und ihren Herrn vor der Verschmutzung zu bewahren. Wer Ohren hatte zu hören, konnte das hochfrequente Kreischen wahrnehmen, als Energie über mikroskopische Brüche in den Strukturen glitt.

Der Lord zog den stumpfen Kristall mit der Pinzette aus der Halterung, ließ ihn dann frei und hielt ihn schwebend auf Augenhöhe. Im Inneren drehte und wand sich die winzige Schlange aus reiner Dunkelheit. Fast nicht sichtbar, kaum so breit wie ein Haar und nicht einmal so lang wie das letzte Glied seines kleinen Fingers. Rednelak konzentrierte sich, fokussierte seinen Geist und sorgte gleichzeitig dafür, dass all´ seine eigenen Gedanken hinter einer gläsernen Mauer blieben, damit die Dunkelheit nicht ihr Gesicht annehmen und sich verfälschen konnte.

Die seltsame Schwärze hatte ihn vor nicht einmal fünf Stunden auf dem Schiff der Mandalorianerin angefallen. Hatte zugebissen und machtblutige Stücke aus seiner Panzerung gerissen. Fast wäre sie in sein Innerstes vorgedrungen, aber dazu war sie nicht groß genug. Er hatte sie gegriffen und seine Kristalle von der Leine gelassen wie das Rudel Tuk´ata zu hause auf dem Anwesen. Die grünglitzernden Wachhunde hatten ihre Beute gestellt und ein Stück davon verzehrt, bevor er den Rest in Fetzen riss und im Feuer seines Zorns verbrannte.

Rednelak drehte den Kristall, beobachtete den schwarzen Hauch darin, spürte dessen Aufmerksamkeit. Es war nur ein Echo, dessen war er sich sicher. Jemand hatte einen Teil des Angriffs, der einer anderen Person gegolten hatte, auf ihn umgelenkt. Weil dieser jemand spürte, dass er stärker war, als das ursprüngliche Ziel. Interessant. Sehr interessant.

Er öffnete sich. Liess zu, dass der letzte Rest der größeren Dunkelheit wieder angreifen konnte. Hirnlos, instinktgetrieben. Ein Stück Schwärze ohne lenkende Absicht dahinter. Es ergriff die Chance, als sie geboten wurde. Sprang wie ein Hai aus der Welle in Rednelaks Geist, biss um sich, schäumte und wütete.

Aber es hatte nicht mehr den Vorteil der Überraschung. Und war viel zu gering geworden. Nur noch ein Abglanz einstigen Potentials. Rednelak ging in seinem Geist-Raum um die schwarze Masse herum, zog an Fäden, griff hinein, reizte und wartete auf Reaktionen. Er wollte noch einmal alles sehen.

Ja … da war es wieder. Der Geruch nach Dschungel. Nicht Dromund Kaas. Anders. Alt, moossatt und mit der rauen Bröckeligkeit bearbeiteten Steins. Dazu der Stich einer zu nahe stehenden Sonne. Von dort kam es. Nein … dort saß derjenige, dem der Angriff wirklich gegolten hatte. Rednelak ermahnte sich selbst. Keine Vermutungen. Beobachtungen. Er konzentrierte sich weiter. Aus dem Durcheinander der Geräusche im Inneren der Schwärze – Schreie, Unartikuliertes – schälte sich ein Name. Wieder nur ein Echo. Aber er bestätigte, was ihm sein Gefühl direkt gesagt hatte.

Keine fremde Stimme. Er wusste, wer schrie. Kam aber nicht darauf. Kein Gesicht dazu. Er hatte schon Worte aus diesem Mund vernommen. Aber wo?

Weniger rätselhaft der Name, den diese Stimme brüllte.

Ghurab.

Was sollte er aus diesen Mosaiksteinchen machen? Ein Ort, unbekannt und ohne Anhaltspunkt. Dazu sein jüngster Sohn, der sich ihm seit Jahren entfremdet hatte. Wie er der Mandalorianerin erklärt hatte: Sie waren sich zu ähnlich. Weshalb die Unterschiede schwerer wogen, zu Klüften wuchsen, die niemand überspringen konnte.

Warum also jetzt das? Und wer war in der Lage, die unsichtbaren Bande des Blutes zu finden und entlangzureisen, um Rednelaks Stärke zu nutzen? Er hatte einen Verdacht. Bei den Karaz waren Begabungen im Bereich der geistigen Manipulation nicht selten. Borraa hatte darin zweifellos das größte Talent. Aber auch Rednelak selbst war ein geübter Beeinflusser. Es konnte also sein, dass …

Nein. Ein unschöner Gedanke. Nichtsdestotrotz musste er verfolgt werden. Es blieben nicht viele Möglichkeiten. Entweder die fremd-vertraute Stimme (wenn ihm nur einfiele, wann er schon einmal mit dem Besitzer eben dieser Stimme gesprochen hatte!) oder …. es.

Ein Griff um die sich windende Schwärze – hier in der Geistwelt so groß wie er selbst – und ein Zudrücken mit der Macht. Die fremde Dunkelheit zappelte, schrie die Tonleiter hinauf und warf ihm alles entgegen, das sie hatte. Viel zu wenig. Sein Zorn, sorgfältig im Geschirr gehend, wie er ihn seit Jahrzehnten abgerichtet hatte, wurde von der Leine gelassen. Sprang, verbiss sich im Eindringling. Zerreissen, Töten. Bis an die letzte Grenze gehen. Keine Gnade, denn Gnade war eine Beleidigung für den der sie gab und den der sie empfing.

Fast war der Eindringling zerstört … fast. Und dann war es da. Das Gesicht. Das, was die fremde Dunkelheit zu ihm geschickt hatte.

Rednelak mochte es nicht, in diesem Fall Recht zu haben.

Wie konnte etwas so Unreines so vertraut aussehen? Als blickten ihn Borraas Augen an. Als sähe er Chufashs elegante Kinnlinie. Dabburs schmale Nase.

Die Haarfarbe war ihm unvertraut. Ebenso der Schnitt der Wangenknochen.

Sein Zorn zerriss die Zügel und tötete das fremde Dunkel.

Rednelak trat aus seinem Geist und ballte die Faust. Es brauchte zwei Atemzüge dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Das Puzzle mochte ihm nicht gefallen, aber die Teile lagen gut sichtbar auf dem Tisch.

Er musste herausfinden, wem die fremd-vertraute Stimme gehörte.

Dann könnte er sich daran machen, das Unreine zu finden.

Ruhig machte er sich daran, die Armschiene wieder mit einem neuen Kristall zu bestücken.

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