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Es ist leichter, gehorchen, als befehlen zu lernen

9. August 2015

Nicht textrelevantes Bild eines RP-Ereignisses zu Dekorationszwecken.

Eine Autoritätsfigur im RP darzustellen ist solange recht einfach machbar, wie sich das Setting nicht allzu weit von der uns vertrauten Konsenskultur entfernt. Wir alle wissen, wie Meetings in flachen Hierarchien ablaufen, wir können uns im Normalfall erlauben, mit unseren Chefs Witzchen auszutauschen und müssen nicht befürchten, für eine Plastikfigur auf dem Monitor ins Lager geschickt zu werden. Alles normale Ebene.

Aber wie sieht es in autoritären, wenn nicht sogar faschistischen Systemen aus? Mit Anführern, die sich gottgleich wähnen, die nichts, was sie tun, hinterfragen, und die ihre Untergebenen zwar ähnlich zynisch und abwertend betrachten, wie es in kapitalistischen Systemen wie unserer heutigen Welt Usus ist, dies aber nicht aus Public Relations-Gründen in Zuckerguss hüllen wollen?

Wie stellt man rein über Worte eine Person dar, die Unbehagen verursacht? Deren Erscheinen so ungern gesehen wird, dass jeder sie sofort wieder loswerden möchte, sich dies aber nie zu sagen trauen würde? Kurz: Wie spricht/verhält sich eigentlich so ein mieser Lord der Sith?

Ich behaupte nicht, dass meine Version die einzig mögliche ist. Es geht immer auch anders. Aber als Grundgerüst ist es sicher brauchbar.

Fangen wir also an!

Als erstes sollte man sich klarmachen, ob man so etwas überhaupt spielen möchte. Es hört sich spaßig an, Leute herumzuscheuchen und das letzte Wort zu haben, selbst wenn man völligen Quatsch verkündet. Aber der alte Spiderman-Satz von der Verantwortung bei großer Macht trifft auch hier zu. Spielt man einen Lord muss man sich bewusst sein, dass man nicht nur das eigene RP im Blick haben sollte, sondern auch das der Sith und Machtblinden, die den Weg kreuzen und systemimmanent gezwungen sind, auf das zu hören, was der Lord so absondert.

Das verwandelt jeden Lord in einen Quasi-NSC. Man kann sich ein virtuelles Dreieck über die Rübe pappen, denn man ist ein Questgeber. Man kann Dinge anstoßen, Leute zusammenbringen und RP erzeugen. Und wenn man das nutzt, kann es sehr viel Spaß für alle Seiten bringen.

Gleichzeitig schränkt das aber auch ein. Von einem Lord wird eine gewisse Präsenz und ein gewisses Verhalten erwartet.

Und damit komme ich zum Kern. Dem groben Grundgerüst eines „How to“, das man dann in das Fleisch des Charakters einbetten kann.

Punkt 1 – Verhalten

Die wenigsten Lords sind psychopathische Irre. Und selbst wenn sie es sind, Dosieren sie ihr Verhalten, denn jeder Lord, der seinen Schuss Pulver wert ist, ist ein verflixt guter Empath, der nicht nur mit der Macht in seinem Gegenüber lesen und es manipulieren kann. In World of Darkness-Begriffen haben Lords etliche Dots in Manipulation, Vortrag, Laedership und Empathie.

Im Auftreten kann man das mit Emotes unterstreichen. Mit einer beängstigenden Höflichkeit verbunden mit einer sehr kühlen Arroganz. Ein direkter Fokus auf das Gegenüber bei gleichzeitiger emotionaler Distanz gibt das „Ameise unter Vergrösserungsglas“-Feeling. Dies mit Emotes erzeugt, unterstreicht alles, was man dann sagt.

Herumbrüllen oder Wutausbrüche sollte man unglaublich sparsam einsetzen, da sich der Schockeffekt sonst abnutzt und man nur noch als Choleriker wahrgenommen wird. Ich habe Rednelak bisher genau einmal Force Choke benutzen und ihn einmal Wut zeigen lassen – letzteres nicht einmal direkt sondern über kleinere Ereignisse der Zerstörung im Umfeld (splitterndes Glas neben ihm, während er völlig ruhig scheint).

Punkt 2 – Sprache

Hier einfach eine kleine Liste, aus der man sich Anstöße herauspicken kann:

  • Kurze, prägnante Sätze. Hauptsatz, maximal ein Nebensatz. Das wirkt zielstrebig.
  • Konjunktive vermeiden. Damit beugt man vor, als unsicher wahrgenommen zu werden.
  • Aufgaben so verteilen, dass man nicht nachfragt, sondern Tatsachen feststellt.
  • Den Adressaten des Satzes in einem Emote erwähnen, damit man einen Fokus erzeugt.
  • Die Zukunft „formen“, in dem man in der Gegenwart durch eine Aussage festlegt, wie der Lord es haben will.
  • Durch Aussprechen von Tatsachen Realitäten schaffen.
  • Höflichkeit und Aufmerksamkeit erzeugen Souveränität. Keine Servilität, sondern das ruhige Bewusstsein, sich das leisten zu können.

Letztendlich läuft also alles darauf hinaus, dass man das Bewusstsein seines Charakters darstellt, dass sein Wille die Umgebung formt. Dass es kein „vielleicht“ oder „könnte sein“ gibt, sondern dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann der Befehl Realität wird.

Einen Lord darzustellen ist also nicht zwingend einfacher, als wenn man mit einem ganz kleinen Licht am Ende der Nahrungskette Problemen aus dem Weg gehen muss.

Es kann eine erstrebenswerte und befriedigende Rolle sein – aber man sollte sich von Anfang an klar sein (oder es sehr schnell werden), ob man Spaß auch trotz der Einschränkungen haben kann.

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