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Ghurab und Rednelak – Zwei Seiten der Münze

13. August 2015

Natürlich bin ich Onkel Ginyu dankbar. Der Frachtcontainer, in dem er uns untergebracht hat, wird normalerweise dazu genutzt, seine machtbegabten Funde zu transportieren. Unberechenbare Bestien, die mit unsichtbaren Klauen aus reiner Macht zuschlagen oder mit ihrer Hilfe das Licht um sich biegen und unsichtbar werden. Gefährlich. Deshalb dämpft das ganze Konstrukt alles, was mit der Macht zusammenhängt. Ich gehe in den acht Metern Durastahl mit jeder Menge Technik und nicht-Technik darum hin und her und fühle diese Dämpfung wie einen Kokon aus Watte, der mich verlangsamt und auslaugt. Alles ist farblos, geruchlos, ohne Geschmack. Die Welt ist schal und abgestanden. Ich könnte versuchen, meinem ohnmächtigen Zorn Ausdruck zu verleihen – aber nicht einmal das wäre wirklich echt. Ich sitze in einem Würfel aus grauem Gelee, acht mal drei Meter.

Tannan ist schlecht gelaunt. Sie versteht nicht, was geschieht. Vermutlich hat sie gespürt, dass ihre Mutter in der Nähe ist. Und jetzt kann sie dank unserer Unterbringung nicht einmal im Geist zu ihr. Das passt dem Zwerg nicht und sie mäkelt herum.

Aber es ist besser so. Wir sind so tief in Feindesland, dass uns nichts bleibt, als uns zu verbergen.

Mein Bladeborn-Schiff, die Destiny´s Edge, steht im Hangar dieser monströsen Harrower und ist mit ihrem bunten Runen-Überzug, den altertümlichen Bildern auf den Schwingen, so fehl am Platz wie ich selbst. Wir sollten nicht hier sein. Sollten uns nicht ausliefern müssen. Ich muss den Drang niederkämpfen, Tannan zu nehmen, mir den Weg zur Krankenstation freizukämpfen, Borraas halb-freundlich lächelndem Verlobten das Grinsen aus dem Gesicht zu schneiden, den Meister aus diesem Tank zu ziehen und zu verschwinden.

Ich kann nicht rennen.

Nicht laufen.

Sie hat mich an Vaters Leine gelegt. Borraa …

Wäre Onkel Ginyu nicht, dessen besonnene Art selbst in maximalem Zorn noch nüchtern-wissenschaftlich sein Handeln bestimmt … wäre nicht das Wissen, dass Skaara hier irgendwo im Bauch dieses Schiffes seinem Auftrag nach geht und den ich nicht in die Schusslinie bringen darf … ich hätte zugeschlagen. Borraa mit bloßen Händen getötet. Die Hexe ausgelöscht.

Die Ironie, dass alle, die mir etwas bedeuten, für deren Leben ich immer und immer wieder kämpfe, nun hier sind – mitten unter all´ denen, auf die mein Zorn sich schon so lange richtet, dass er ein eigenständiges Leben entwickelt zu haben scheint. Es brennt mir ein Loch in die Brust.

Ich sehe noch einmal zu Tannan, die missmutig ihren Gummi-Akk-Hund herumwirft. Ich kann es nicht weiter vor mir herschieben. Meine Ehre ist mein Leben und ich habe mein Wort gegeben, im Austausch für die Freiheit – die Macht wird mich befreien … – des Meisters vor Vater das Knie zu beugen.

Die Schleuse an der Tür des Containers zischt. Die Hydraulik hebt die schweren Torflügel. Ich kann die Macht wieder in mir fühlen.

Ich tue es für sie.

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Einige Stunden später.

Lord Rednelak lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Legte die Finger vor seinen Lippen zusammen. Runzelte die Stirn. Er betrachtete die Tür des Labors, durch die sein Sohn gerade verschwunden war, seinen mühsam gezügelten Zorn wie eine Schleppe hinter sich herziehend.

Es war eine sehr liebevolle Geste von Borraa. Nur für das Beste der Familie hatte seine Prinzessin diesen Nudarah einmal mehr an der Nase herumgeführt und sich einen Köder verschafft, der Ghurab angelockt hatte wie Honig einen Echsenaffen.

Es wäre eine Beleidigung des Intellekts seiner hochbegabten Tochter davon auszugehen, dass dies die einzige Motivation gewesen war. Sie versprach sich noch andere Dinge. Natürlich das Mischlingskind. Aber auch das schien in den Hintergrund gerückt.

Nun, er würde es erfahren. Jetzt galt es erst einmal die Situation zu analysieren.

Das Treffen war überraschend friedlich verlaufen. Die Menschenfrau hatte seinen Sohn wohl zumindest ein wenig gelehrt, sich zu beherrschen. Seine Wut zu verschließen und tief in sich zu schüren.

Rednelak glaubte nicht daran, Ghurabs Willen brechen zu können – er wäre im Gegenteil sehr enttäuscht, wenn ihm das gelänge – aber es war nicht erforderlich, dass sich Einsicht oder Fügsamkeit einstellen würden. Alles, was Ghurab tun sollte, könnte auch abgepresst werden.

Zunächst wollte der Lord das Bastardkind sehen. Sich ein Bild machen, zu was es in der Lage war und wie man es benutzen konnte. Und natürlich den Ursprung des Angriffs herausfinden, den der Bastard auf ihn umgelenkt hatte. Das Kind könnte das Potential haben, ein zweiter, verbesserter Nauras zu werden: Ein unfreier Leibwächter für Dabburs kleinen Sohn; mit diesem aufwachsen, Geschwister werden und damit immer bereit, das Leben zu opfern. Dummerweise war der Bastard ein Jahr jünger als Dabburs Junge – aber dieses Problem würde sich mit der Zeit verwachsen.

Noch einmal rief er sich das Bild in den Kopf. Ghurab, die Augen vor Hass goldmünzendunkel, der vor ihm auf die Knie sank. Die Runen an seiner Schwerthand in ohnmächtigem Zorn so sehr glühend, dass sich die Knochenstruktur auf der anderen Seite als dunkle Schatten auf der Handrückseite abbildete. Die knappen Worte; dahinter ein Zischen, als müsse Ghurab jede Silbe mit der Peitsche zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen heraustreiben.

Auf der Geistebene, die Ghurab nicht bewusst wahrnahm, standen sich der riesige Drache und der rotgoldene Reek gegenüber, dessen Nacken zum Angriff gesenkt war, von dessen Lefzen Schaum tropfte und um den fadendünne Ketten verhinderten, dass er losstürmte.

Rednelak schätze es, dass sein Sohn sich nicht die Mühe machte, auch nur einen Herzschlag lang zu schauspielern. Das machte vieles einfacher.

Ghurab musste sich erst an das Halsband gewöhnen, dazu würde ihn Rednelak ein paar Tage einfach laufenlassen, damit das Gewicht im Nacken zur zweiten Natur werden konnte.

Nun zu anderen Dingen.  Wo war eigentlich Sith Bahjia? Die Arbeit mit den Schwingungen im hörbaren Bereich machte Fortschritte und er wollte sehen, was Bahjia mit ihren Schutzkristallen erreicht hatte. Aber irgendwie war seine Schülerin in den letzten Tagen noch unsichtbarer als sonst.

Er würde herausfinden, was sie trieb.

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