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Yo-ho-ho and a rottle of bum.

26. August 2015

Ich bin derzeit unkreativ. Ich hätte genug Plot und Ereignisse, um darüber zu schreiben oder etwas dazu zu zeichnen. Aber irgendwie kommt nichts. Statt dessen pussle ich an einem Logo für des Generals Yara Squad herum, erwerbe wichtige neue Kulturfertigkeiten (eine Prepaid-Kreditkarte) und baue an meinem nächsten Tattoo – wieder stilistisch irgendwo zwischen Hallstadt-West und den Etruskern herumgurkend und ein Ziegen/Steinbocktier mit einer Bireme (ja, ein paar Jährchen danach …) kombinierend. Ich mag antike Schiffe (wenig überraschende Aussage des Tages). Ich mag Schiffe generell. Ich mag Piraten …

… und deshalb ist es ein wenig verwunderlich, dass ich erst vor kurzem auf die Serie Black Sails gestoßen bin. Zum Glück versicherte mir fast jeder (TM), dass sie gar nicht mal so gut sei, ohne ins Detail zu gehen, warum.

Denn wenn ich von genug Menschen meines Umfeldes gehört habe (kritische Kritiker-Masse sozusagen), dass eine Serie/ein Buch nicht gut sei, dauert es nie lange, bis ich mir das Ganze unbedingt anschauen muss. Umgekehrt hält mich allgemeines Lob auf Jahre hinaus davon ab, mir etwas anzusehen. Was bedeutet, dass „Once Upon A Time“ noch eine lange Zeit ungeschaut bleiben wird, obwohl ich die Fables-Comics sehr mag.

So kam ich also zu Black Sails.

Sah den Vorspann.

Und damit war alles zu spät. Wer sich dieses CGI-Kunstwerk, eine Hommage an die opulenten Tafelaufsätze des Spätbarock, ansehen kann ohne „Whoa!“ zu sagen, isst vermutlich auch kleine Hunde mit Messer und Gabel.

Ein umwerfender Vorspann macht noch keine gute Serie. Aber in diesem Fall ist er ein Indikator. Sich entwickelnde Charaktere (man mag Flint, man betrachtet Flint skeptisch, man hasst Flint, man versteht Flint, man mag Flint, man betrachtet Flint skeptisch …), keine nur-Guten oder nur-Bösen, nachvollziehbare Motivationen und ein Metaplot, der Zeit hat, sich zu entwickeln und zu reifen.

Und zu allem Überfluss besteht Black Sails jeden Test auf Repräsentation. Die niedrigste Hürde, der Bechdel-Test. Sehr einfach zu schaffen, wird aber dennoch von locker 80% aller Filme und Serien gerissen. „Gibt es zwei benannte weibliche Charaktere, die miteinander über etwas anderes als einen Mann sprechen?“ Auch Black Sails schafft das nicht immer – aber in 2/3 aller Folgen auf jeden Fall. Besonders seit Max und Anne mehr miteinander agieren. Nächster Test: „Sexy Lamp“. „Gibt es keine Frau, deren Rolle ohne Qualitätsverlust durch eine Lampe (gemeint ist hier die beinförmige Lampe aus „A Christmas Story“, aber das ist nur Trivia) ersetzt werden kann?“ Auch hier – nicht einmal die Huren sind nur Gerettet-werden-Material. Jetzt wird es schwieriger: Der „Mako-Mori-Test“. Benannt nach dem Charakter Mako aus „Pacific Rim“ geht es darum, ob ein weiblicher Charakter eine völlig vom Plot der männlichen Darsteller unabhängige Story nur für sich hat. Jap, auch das gibt es. Natürlich recht einfach, wenn man jemanden wie Miss Guthrie als Hauptfigur hat. Oder eine Mrs. Barlow dabei. Oder Max. Oder Annie. Und der letzte Test – der „Furiosa“, benannt nach der Hauptfigur von „Fury Road“. „Macht eine Plotentwicklung oder ein Charakter etliche Männerrechtler so wütend, dass sie sich laut beschweren und die Serie/den Film boykottieren?“ Auch das hat Black Sails geschafft. Mittels der Bisexualität eines als sehr hart und cool dargestellten Hauptcharakters.

Definitiv alles Gründe, diese Serie zu lieben. Überall Lieblingscharaktere (in meinem Fall ganz vorne: Charles Vane und Billie … mittlerweile holt Silver, den ich anfangs ob seiner Wieseligkeit gar nicht leiden konnte, auf).

Man erwarte keine historische Vollkorrektheit – wie auch, wenn fröhlich und offen geschichtlich gut belegte Figuren wie Calico Jack und Anne Bonnie auf Romanfiguren wie John Silver und Captain Flint treffen! – aber es wird sich bemüht. Keine Hochglanzpiraten, keine Papageien auf der Schulter und es wird Rücksicht auf wichtige Elemente wie die Proto-Demokratie an Bord eines Piratenschiffes genommen.

Einziger Nachteil der Serie: Es gibt erst zwei Staffeln. Staffel drei und vier sind zwar schon bestätigt, aber die Dreharbeiten beginnen irgendwann diesen Winter. Was soll ich nur so lange machen?

Ich habe versucht, mir die Serie Crossbones als Methadon anzusehen. Immerhin hat sie John Malkovich. Aber das war´s dann auch schon. Ebenso wie Black Sails im Goldenen Zeitalter der Piraterie angesiedelt, kann sie dieser nicht einmal einen Fingerhut voll Wasser reichen. Wurde auch nach nicht ganz einer vollen Staffel eingestellt. Zu recht. Disney-bunt voll immer sauber angezogener Menschen mit guten Manieren, aufgezwungener Repräsentation und einem John Malkovich dem man zu deutlich anmerkt, dass er das Geld gebraucht hat. Dagegen war Pirates of the Caribbean Realismus pur.

Schade drum. Dann muss ich eben bis 2016 ausharren.

Bis dahin schaue ich mir Constantine an, das gar nicht so schlecht ist, wie viele behaupten. Auch das hat nur eine Staffel erlebt – was aber vermutlich eher an der stilistischen Nähe zum Comic liegt als an irgend etwas anderem. Der Hauptdarsteller ist wirklich sehr dicht an der Vorlage!

Was hingegen bisher nicht an mich geht ist Vikings. Ich dachte zuerst, dass es daran liegt, dass ich mir die erste Folge auf Deutsch angesehen habe, was ein so krasser Fehler war, dass sich mir jetzt noch die Fußnägel rollen. So eine schlechte Synchro kam mir das letzte Mal in den Neunzigern bei einer Anime-Fandub unter! Irgendjemand dachte, dass es eine prima Idee wäre, die Theater-AG der Mittelstufe einer Brennpunktschule Dialoge vom Blatt lesen zu lassen und damit Vikings zu synchronisieren. Himmel, Ragnar klingt, als hätte er mehr Pickel als Haare am Sack und Polypen bis in den Rachen!

Ich habe meinen Fehler schnell korrigiert und auf Englisch weitergeschaut. Half aber nur bedingt. Die Originalstimmen sind auch eher WASP-Suburbia als Wikinger-Ghetto. Und dafür, dass so ein Gewese gemacht wird, wie „historisch korrekt“ die Serie doch sei, fallen einem auch als in dieser Epoche nicht sehr beschlagenem Zuschauer schon in den ersten Minuten ziemlich viele … Problemstellen auf. Nicht auf Da Vinci´s Demons-wir-haben-vielleicht-mal-von-der-Renaissance-gehört-aber-mehr-nicht-Niveau, natürlich.

Aber vielleicht gibt sich das noch. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Folgen ansehen. Und wer weiß – vielleicht mausern sich die Wikinger ja noch zu einem schönen Serien-Zwischenspiel, bis die Piraten wieder über mein Laptop hüpfen.

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  1. Daanta
    28. August 2015 um 9:24 pm

    Mit „Piraten“ verbinde ich unweigerlich Johhny Depp oder vlt noch Captain Hook.
    Erfrischenderweise geht Black Sails auf eine ganz andere Weise an diese klischeeüberhäufte Zeit heran. Piraten bzw Freibeuter als Wirtschaftsmacht und Expansionsverbündete mit eigenem Verwaltungsgebiet à la Monaco.
    Ich finde die Serie auch absolut sehenswert und freue mich schon auf die 3. Staffel.
    Meine Lieblingscharaktere sind Max und Vane 😉

    lg
    Daanta

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