Ghurab – Reparaturen

12. Oktober 2015

Meine Augen sind geschlossen, ich nehme wahr, was ich höre, rieche, fühle. Ich fühle die raue Decke, die zwischen mir und den blanken Steinen liegt. Kälte filtert langsam hindurch; jetzt, wo ich mich nicht mehr bewege. Ich muss irgendwann aufstehen und mich anziehen. Aber nicht jetzt. Ich muss noch hören, riechen, fühlen.

Ich rieche ihren Duft an mir. So verdammt vertraut und normal, als hätten wir uns nicht monatelang nicht gesehen. Nein … wir haben uns gesehen. Durch gewölbtes Transparisteel, verzerrt, froschartig, aufgeschwemmte Haut … nicht sie selbst. Sie selbst. Jetzt rieche ich sie. Gesund, herb, wundervoll.

Wenn ich tief einatme kommt mit ihrem Geruch auch die Feuchtigkeit des Dschungels von draußen herein. Wir sind auf einem vergessenen Hochplateau auf Dromund Kaas. Ein Anwesen, das seit Jahrzehnten sich selbst überlassen war. Sie will es wieder instant setzen. Die politische Hauptwelt des Imperiums ist kein guter Ort, um Tannan aus der Akademie herauszuhalten. Aber noch ist das kein Thema. Ein paar Jahre können ins Land gehen, bevor wir verschwinden müssen.

Ich schiebe die Gedanken an die Zukunft zur Seite. Konzentriere mich wieder auf meine Sinne und das Rot an der Innenseite meiner Lider.

Ich höre …

Sie ist gerade erst aufgestanden. Die Wärme ihres Körpers ist noch an mir. Ich räkle mich zufrieden und höre ihre nackten Füße auf den Steinplatten. Sie wird zum Generator gehen. Eigentlich wollten wir ihn schon vorhin wieder in Stand setzen. Aber dann haben wir doch erst gekämpft. Und weil bei uns jeder Trainingskampf Vorspiel ist, mussten wir aus Decken ein Bett improvisieren.

Aber jetzt ist sie wieder ganz beim Wiederaufbau der Ruine.

Ich muss nun doch die Augen öffnen. Da leises Gebrabbel und rutschende Geräusche verraten, dass Tannan aufgewacht ist und nun entweder vorhat, sich energisch vom Plateau zu stürzen oder die Schaufeln des Wassergenerators näher zu untersuchen. Ich setzte mich auf, lehne mich hinüber und schaffe es noch, den Zwerg zu packen, bevor sie sich auf ihre epische Quest begeben kann. Zuerst ist sie damit nicht einverstanden und quäkt, aber dann kann ich sie davon überzeugen, dass ihr Gummi-Akk ein akzeptabler Ersatz ist und sie gibt Ruhe.

Ich gähne, strecke mich und Meister Concabille dreht sich um, um mich mit einer hochgezogenen Augenbraue und sehr süffisant anzusehen. Sie grinst. Ich grinse zurück. Ist wieder alles in Ordnung?

Zwischen uns war nie etwas nicht in Ordnung. Aber die ganze verdammte Galaxis ist für uns absolut nicht in Ordnung.

Wie wird es also weitergehen?

Sie will diese Ruine wieder aufbauen. Und was will ich? Ich dachte, es würde mir reichen, frei zu sein. Frei bin ich jetzt. Freier als ich je war. Ich hänge nicht mehr an meiner Familie fest und niemand versucht mich für seine Zwecke als Werkzeug zu benutzen. Ich bin nur den anderen Bladeborn verpflichtet. Ich kann den Konflikt der Macht leben. Ich sollte zufrieden sein.

Aber ich musste feststellen, dass mein Blut die Dinge anders sieht. Mir keine Ruhe lässt. Ich bin Sith. Alles an mir ist Ehrgeiz, Streben, unbedingter Wille. Und tief in mir weiß ich, dass ich im Schatten des Meisters stehe. Ich bin ihr im Kampf mittlerweile mindestens ebenbürtig, habe sie schon mehr als einmal geschlagen. Das ist es also nicht. Der Schüler tötet den Meister oder stirbt bei dem Versuch, so ist schon immer gewesen.

Ich will sie nicht töten.

Dennoch muss ich einen Weg finden, der mich meinen Ehrgeiz befriedigen lässt. Ich muss mir einen Namen machen. Und das kann ich nicht, so lange ich für jeden nur „der Schüler“ bin. Wie kann ich das ändern? Die Bladeborn agieren still und aus dem Hintergrund. Wir sind archaisch und unser Platz ist außerhalb der Hierarchie. Und trotzdem kann ich die Stimme der Gier nach Anerkennung in mir nicht zum Schweigen bringen.

Wenn ich gehe, muss ich nicht nur den Meister und Tannan zurücklassen. Auch Skaara wird natürlich bei meiner Tochter bleiben. Ich werde allein sein. Zum ersten Mal völlig ohne Gefährten.

Ich bin unsicher, wohin ich mich wenden werde. Etwas in mir brennt, muss gehen, sonst würde ich zu Asche. Aber ich habe kein Ziel für meine Unruhe.

Vielleicht ist Zeit der Faktor. Vielleicht helfen die nächsten Wochen, Klarheit zu finden.

Sicher ist, dass ich einen Weg brauche und ein Ziel. Mehr als Luft zum Atmen. Es muss sein.

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