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Die unglaublichen Abenteuer und extraordinairen Reisen des verwegenen Piraten Lab. Teil 12 – Fast zum Helden geboren

10. November 2015

Krieg war nur von außen betrachtet immer unterschiedlich. Es gab verschiedene Motive, die „gerechte Sache“, die „Notwendigkeiten“ oder auch „Reinigung“, „Wachstum“ und natürlich den Klassiker „präventive Verteidigung“. Steckte man hingegen mittendrin ging es nur darum, die Fanatiker, die Hasenfüße, die Rückgratlosen und all´ die anderen Geschmacksrichtungen von Soldaten davon abzuhalten, einen – oder, falls man ein echter Held(TM) war, andere Leute – zu töten.

Lab hatte sich nie als echten Helden gesehen. Aber er war ein Experte darin, Krieg aus dem Weg zu gehen und dabei seiner Umgebung zu helfen, das ebenfalls zu tun.

Dumm nur, dass dieser Krieg anders war. Tatsächlich anders. Von außen wie von innen. Republik und Imperium waren immer schon damit beschäftigt gewesen, sich gegenseitig an der Gurgel zu hängen. Selbst zu Zeiten des Vertrages von Coruscant. Die beiden Großmächte waren wunderbar berechenbar in ihrem Verhalten und ließen rund um sich gerade durch den Krieg eine üppige Biosphäre aus allerlei lichtscheuem Gesindel bis hoch zum Kartell und nahezu staatlichen Organisationen wie der Exchange gedeihen. Im Schatten der großen zwei lebte es sich gemütlich, wenn man wusste, wann man dem Ganzen besser aus dem Weg ging. Die Sith mochten sich unberechenbar, launisch geben – aber aus der Sicht der kriminellen Unterwelt musste man nur ein paar Regeln beachten und bekam ein hübsches Stück vom Kuchen ab.

Aber das hier … das war, wie gesagt, anders. Von den ersten Gerüchten bis zur Erkenntnis, das nichts mehr ging, hatte es keine drei Monate gedauert. Und mit diesem Gegner ließ es sich nicht listig argumentieren, man konnte ihn nicht schwindelig quatschen und es fanden sich einfach keine Ansatzpunkte. Die wenigen menschlichen Gegner schienen auf eine kalte Art noch fanatischer als die Sith und die Droidenarmee war strikter unter Kontrolle als jeder Astromech der Galaxis. Kurz: Diese Invasoren flößten Lab in ihrer leidenschaftslosen Effizienz eine Höllenangst ein.

Dennoch musste etwas getan werden. Weshalb der Captain nun zu einem Treffen diverser ehemaliger und aktueller Führer von unabhängigen Piratenbanden über Nar Shaddaa eingetroffen war. Er ignorierte das ungute Gefühl, das in seinem Magen rumorte und in seinem Hinterkopf in den höchsten Tönen schrie, dockte die Blue Fire an dem großen Huttenkreuzer, der als Versammlungsort dienen sollte, an und schlenderte betont unbesorgt durch die Luftschleuse hinüber.

Weit unter den Transparisteelfenstern erstreckte sich die lichtpunktübersäte Weite des Schmugglermondes. Noch weiter weg die brütend grüne Masse von Nal Hutta.

Seit acht Wochen hatte er nichts mehr von Illjana gehört. Er erlaubte sich nicht darüber nachzudenken, was das bedeutete. Sicher, die Navy des Imperiums bestand zum großen Teil aus rauchenden Trümmern und im All treibenden gefrorenen Leichen … aber Illjana hatte bisher immer einen bemerkenswerten Überlebensinstinkt bewiesen, weshalb es keine Grund gab zu glauben, dass irgendeiner der schneeweißen Droiden sie erwischt haben könnte. Nein, sie beide waren unsterblich, was man daran erkennen konnte, dass sie bisher noch nicht gestorben waren. Und das würde auch so bleiben.

Noch ein letzter Blick auf die anderen Schiffe, die sich um den Kreuzer scharten. Kampfgegerbte fliegende Resterampen neben bunt lackierten Luxusgondeln. Piraten gab es in allen Farben und Formen. Und erst diese neue Bedrohung brachte sie nun alle an einen Tisch. Die Kommandanten von Banden in Flottenstärke und die unabhängigen … Unternehmer (ja, viel besser als Con-Man konnte man ihn kaum beschreiben) wie Lab. Die schlaueren Hutten und die besorgteren Mobster. Es hatte fast etwas theatralisches.

Der Blick des Mirialaners streifte mit liebevollem Stolz die Blue Fire, deren gerade erneuerte Thruster das Licht von Nar Shaddaa grundfalsch spiegelten. Vielleicht hätte er etwas erhebenderes als „Ich muss echt mal den Mynockschiss von der Heckscheibe putzen“ gedacht, wenn er gewusst hätte, dass dies sein letzter Blick auf sein Schiff sein würde. Aber was hätte das geändert?

Lab wendete sich ab und machte sich auf den Weg zum Konferenzsaal. Ein Schritt, zwei Schritte. Er kratzte sich am Ohrläppchen und überlegte, ob der Rodianer, der gerade aus einer anderen Luftschleuse trat, ihm Geld schuldete.

Der Ruck, mit dem sich das fremde Schiff einfach direkt auf der Blue Fire parkte, sie vom Docking abriss und in einem nach innen saugenden Explosionspilz in die Hülle des Huttenkreuzers trieb, riss Lab von den Füßen. Der Rodianer schoss durch das Loch, das die Hecksektion des Schrotthaufens, der vor drei Sekunden noch Labs Schiff gewesen war, in die Hülle gerissen hatte, ins Nichts hinaus, bevor mit einem schrillen Warnheulen die Notfallversiegelung griff und ein Kraftfeld vor dem Bruch erzeugte.

Noch bevor Lab sich ganz in den nächsten Durchgang geworfen und das Gewehr vom Rücken gerissen hatte, erbebte der ganze Kreuzer unter den Aufschlägen von Enterkapseln.

Wer tat so etwas? Direkt über Nar Shaddaa!

Dumme Frage, offensichtliche Antwort. Imperium und Republik waren fast am Ende, nun waren die Hutten und all´ die unorganisierten Kriminellen dran. Keine halben Sachen. Durch die Reste des Schotts, das eben noch zur Blue Fire geführt hatte, strömten diese unheimlichen weißen Droiden mit ihrem seltsam menschlichen Aussehen, das sie noch viel furcht erregender machte. Dämonen aus pädagogisch nicht wertvollen Kindergeschichten.

Lab war augenblicklich klar, dass er nur eine Chance hatte – unwichtig sein, ungesehen sein. Und dann laufen wie die Hölle. Hier konnte er niemanden retten (nicht, dass er das gewollt hätte, aber manchmal hatte er seltsame Anwandlungen von heroischem Irrsinn) … mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht einmal sich selbst, wenn er nicht scharf aufpasste.

Er liess sich zu Boden fallen, zog ein Stück Schrott über sich. Tot stellen funktionierte bei Droiden nicht – aber mit Glück (und auf etwas anderes als Glück konnte man hier nicht vertrauen) wähnten sie ihn kampfunfähig und ließen ihn liegen.

Er hörte gleichförmige Schritte näherstampfen. Noch näher. Er sah die geriffelten Fußerweiterungen der weißen Monster direkt vor seinem kleinen Refugium auftauchen. Augen schließen, an nichts denken. Ein Kinderreim. Die Monster können dich nicht sehen, wenn du sie nicht siehst. Lauf, kleiner Mirialaner, lauf. Nein, lieg still. Ganz still.

Noch ein metallischer Schritt. Lab hörte das Rauschen des Blutes in seinen Ohren so laut, dass die Droiden doch eigentlich davon taub werden müssten … noch … ein … Schritt.

Blasterfeuer von weiter hinten im Durchgang. Geschrei auf Huttese. Der Droide wendete sich ab. Marschierte den Gang hinunter. Lab konnte das Surren hören, als sich sein Gewehr auflud.

Warten. Geduld haben. Auch wenn jede Faser seines Körpers ihn wild brüllend zum Aufspringen und panisch Wegrennen aufforderte. Warten. Zehn Herzschläge, zwanzig. Keine Droiden mehr zu hören. Mehr Blasterfeuer. Schmerzensschreie. Wutgebrüll.

Jetzt oder nie.

Lab warf das Schrottstück von sich, rappelte sich auf und rannte den Gang hinunter. Vorbei an einer langen Reihe leerer Enterkapseln, deren Hydraulik noch leise murmelte und zischte. Endloser Gang, das. Einfach immer weiter. Und jeder Schritt brachte ihn noch mehr in Gefahr, diesen Angreifern in die Hände zu laufen. Aber das Glück der Unehrlichen hielt. Die Energie der Hecksektion versagte schon, die Kälte des Alls kroch durch die Haut des verwundeten Kreuzers, als Lab im Rot der Notbeleuchtung einen Cluster von drei Rettungskapseln fand. Eine gezündet, eine offenbar defekt und eine unbenutzt – ein stummer Dank an alle Mächte, Ahnen und Götter!

Hektisch öffnete er die Luke, sprang hinein und startete den Entkopplungsvorgang. Durch das kleine, runde Fenster an der Front sah er noch andere Kapseln das Schiff verlassen, wie die kleinen Propellersamen den alderaanischen Löwenzahn im Frühsommer. Keine wurde beschossen. Den Angreifern waren sie völlig egal. Und das machte alles irgendwie noch viel schrecklicher. Es ging ihnen also darum, Zeugen zu hinterlassen, die das Entsetzen weitertragen konnten. Und das bedeutete, dass diese Droiden und ihre goldgerüsteten Herren nicht auf einem kurzen Raubzug waren. Nein, sie waren gekommen, um zu bleiben. Und wollten ihre neuen Untertanen von Anfang an so mit Furcht erfüllen, dass niemand an Widerstand denken würde.

Lab setzte den rudimentären Autopiloten der Kapsel auf Kurs direkt nach unten, nach Nar Shaddaa. Im Dschungel des Stadtmondes war vielleicht noch irgendetwas möglich … irgendetwas.

Als das Fenster sich im taumelnden Sinkflug langsam wieder nach oben drehte, konnte Lab beobachten, wie der Huttenkreuzer auseinanderbrach. Die angedockten kleineren Schiffe wurden von der lautlosen Explosion erfasst und zerrissen zeitlupenlangsam. Über dem Himmel von Nar Shaddaa brannte alles, was noch unabhängig und frei gewesen war.

Als ihm bewusst wurde, dass der nutzlose, lästige Echsenaffe noch an Bord der Blue Fire gewesen war, spürte Lab Tränen des Zorns seine Wangen hinunterlaufen.

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