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Companiongate. Oder: Es gibt hier keine Mittelwege!

19. November 2015

Das schönste an Bioware ist zweifellos ihre Berechenbarkeit. Zwar suchen sie noch weniger Kommunikation mit den Spielern als Blizzard (und das will nun wirklich etwas heißen!) aber man kann sich darauf verlassen, dass sie immer ein wohlwollend offenes Ohr für die Nöte einer lautstark heulenden Minderheit haben. Besonders gern hören sie auf die PvP-Hempel, aber auch die „I want challenge nao!“-Trottel finden immer wieder einen Platz auf dem Schoß und werden gestreichelt. Und wenn sie sich dann zum Handeln entschließen, bleibt kein Stein auf dem anderen. Da wird nicht mit dem Florett gefochten, da schlägt die Streitaxt zu. „To the groooooouuuund!!“ ist das immer wieder gern genommene Motto. Denn – wozu sich die Mühe machen und fein zu justieren, wenn man das Kind nicht nur mit Schwung samt Wasser ausschütten, sondern am Besten auch gleich noch die Badewanne zertrümmern und das Haus anzünden kann?

Mit 4.0 bekamen die Companions einen gewaltigen Boost. Vor der Erweiterung waren Tank-Companions eher so mittel bis nutzlos (meine nicht best in slot-ausgerüsteten DDs hatten in jedem Kampf fast permanent Aggro, egal wie sehr ich aufgepasst habe), DD-Companions ganz okay aber langsam und von Heil-Companions habe ich keine Ahnung, da ich sie nie verwenden musste. Aber dann kam KOTFE und ich staunte. Talos Drellik konnte Sherku Aggro abziehen, so übel schoss der kleine Reclamation Service Angestellte um sich. Und Akk-Dog Slagathor hielt gegen Khalbs Blaster nicht nur Aggro – er (sie) war auch fast unkaputtbar!

Zugegeben – es war fast ein wenig langweilig.

Aber dann geschah das, was in SWTOR immer passiert. Die „früher, als wir zu Fuß in Holzschuhen durch den Schnee zum Brunnen mussten – bergauf!“-Schreier sammelten sich und fingen an, gegen die Über-Companions zu quaken. Ganz verstanden habe ich es nicht. In den wirklich herausfordernden Sachen wie Operations oder Hardmode-Flashpoints hat man sowieso keine Companions dabei, warum also die Aufregung? Und wer meint, dass Heroics früher besonders schwer gewesen seien, hat den Schuss einfach nicht gehört. Dank der Companion-Heroics waren die alten Planeten so belebt wie schon lange nicht mehr und auch die Weltbosse (wieder etwas, bei dem man Companions dank der Mechanik nicht verwenden kann) wurden wieder regelmäßig angegangen. Klingt doch alles prima! Warum also anderen Leuten vorschreiben, wie die spielen sollen? Naja, weil man es eben kann. Und warum hört Bioware auf eine Minderheit (ja, sie haben Polls gestartet und es war tatsächlich eine Minderheit)? Da kann man nur vermuten. Saturn im dritten Haus, die Knochen sagen es, die Pythia hat gesprochen. Oder so.

Ja, man hätte ohne großen Verlust ein Viertel der Leistung der Companions wieder wegnehmen können. Wäre kein Ding gewesen. Aber – es ist ja Bioware. Also haben sie nicht UM ein Viertel sondern AUF ein Viertel reduziert. Zum Glück anscheinend nur die Heilung, denn mein DD-Lokin war zwar ein wenig langsamer und deutlich zerbrechlicher, aber es war weiterhin recht einfach, Heroics zu machen. Selbes Spiel mit Khalb und seinem Tank-Dog. Alles machbar. Man muss hin und wieder das Hirn einschalten und als DD recht regelmäßig seine Defs zünden – aber das bringt mich auch nicht um.

Jedoch bin ich in meiner Meinung da wohl ebenfalls nicht mehrheitsfähig. Denn nun ging´s im offiziellen Forum in die andere Richtung. Es wäre völlig unmöglich geworden, H2s allein zu machen, jeder Companion fiele sofort um, Gruppen mit einem Gold-, einem Silberelite und vier Normalmobs wären nicht mehr zu schaffen und überhaupt alles schlimm.

Ich betrachte mich als Casual-Player. Oder betrachtete. Denn wenn man die Tiraden im Forum so liest, bin ich mit meiner Spielweise wohl mittlerweile Hardcore-Pro. Ja, ich habe fast alle Datacrons. Ja, ich habe vollen Präsenzbonus. Aber das sind Dinge, die man schon lange und im Laufe des Spiels nebenher auch als Super-Casual erreichen konnte. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass gerade die Datacrons innerhalb weniger Spielabende komplett gesammelt werden können (auch wenn es wehtut. Da Horror! Nie wieder!). Und so ein Hexenwerk ist effektives Spielen nun auch nicht. Ich bin kein Theorycrafter und meine Rotations sind mehr aus dem Lesen der Tooltips und im Austausch mit anderen (nochmal danke an Eria für den Tipp mit der Tracer Missile! Hätte nie gedacht, dass das so viel bringt, die als Filler zu nutzen, auch wenn man dann etwas unbeweglicher wird!) entstanden, denn aus der Lektüre seitenlanger Traktate. Ganz davon ab, dass sich zwar mein PvE-Main Sherku recht zügig einer im Ganzen guten Ausrüstung annähert, aber die anderen Chars nur mit Markenzeug herumspringen. Und immer noch bin ich hauptsächlich wegen des RPs in SWTOR, für das ich jeden Hardmode liegen lasse. Ich habe also durchaus Grund zur Annahme, dass ich garantiert nicht zu den Pros gehöre. Und trotzdem kam ich auch gestern nach der Nerf-Keule bei den Heroics nicht ins Schwimmen. Meine Companions starben kein einziges Mal, nur einmal fiel mir Slagathor auf ein Drittel Leben, als uns bei „Jawa Trade“ mitten im Kampf mit einer großen Gruppe auch noch eine Patrouille erwischte.

Aber dennoch werde ich jetzt nicht ins Forum springen und „Nerf is fine, L2P, nubs!“ brüllen. Denn meine Erfahrung ist nicht repräsentativ und meine Spielweise nicht auf jeden übertragbar. Wer neu zum Spiel kommt kann nicht wissen, dass der Influence-Level die Effektivität eines Companions unglaublich beeinflusst (meine Hauptcompanions haben alle so um die 20 bis 30 von maximal 50, bewegen sich also im mittleren Nützlichkeitsfeld), hat wohl kaum alle Datacrons und garantiert keinen vollen Präsenzbonus. Und auch wenn SWTOR danach streben sollte, nicht die Entwicklung des „MMO on training-wheels“ (so wurde WoW mittlerweile betitelt) nachzumachen, so ist es doch keine gute Sache, Neuanfängern direkt maximale Frustmomente um die Ohren zu hauen.

Es wäre also schön, wenn Bioware sich ein wenig weiter entwickeln und ihrem Soooopa-Nöööörf diesmal eine etwas nüchternere Anpassung folgen lassen würden. Das haben sie zwar noch nie getan, aber man kann ja hoffen! Nicht für mich, aber für die weitere positive Entwicklung des Spiels. KOTFE hat so viele neue Spieler dazu- und alte zurückgebracht, Heroics haben die Weeklies wunderbar und für mich sehr, sehr nett ersetzt – warum dann nicht in diesem schönen Fahrwasser bleiben? Herausforderungen findet man im Endgame, nicht bei Weeklies.

Ich hoffe das Beste.

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  1. KendrickMcMillan
    23. November 2015 um 1:14 pm

    Das ist doch typisch für die Amis, ganz oder gar nicht, Brust oder Keule und zuhören nur mit halben Arsch. Wobei die meisten amerikanischen Spieleschmieden wahrscheinlich nicht mal wissen was eine Community ist. Die Osteuropäer mit ihren Spielen sind da schon eine Ecke weiter, die lauschen den Spielern und versuchen einen Mittelweg zu finden, recht machen kann man es eh keinem.

    Hab mir nu aber auch mal wieder die Ehre gegeben in SWTOR rein zu schauen. K.A. was da gerade so läuft, aber schön wenn man nach längerem on kommt und das Inventory voller Klamotten der Begleiter ist, die wiederum halb nackt in den Wohnsitzen stehen und auch sonst wieder alles ganz anders aussieht…..pausieren darf man bei SWTOR auf keinen Fall, 1 Jahr Pause und man erkennt nix mehr wieder.

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