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Elder Scrolls Online – die Diebesgilden-Erweiterung, völlig blauäugig angegangen

9. März 2016

Cabinet_Card_Fe_Geburtstag_Clayton

Zunächst jedoch rein zur Dekoration ein Bild, das auf den ersten Blick unpassend erscheinen mag. Aber wenn man weiß, dass Clayton unser Ragabash und damit der Schleicher, Spion und Scout vor dem Herrn (bzw. vor Gaia) ist, passt es wieder.

Ich habe in letzter Zeit Spaß daran gefunden, Bilder im Stil der um 1890 sehr populären Cabinet Cards zu basteln. Diese Karten waren zum Teil sehr opulent mit Goldschnitt verzierte Kartons, auf die Fotografien im Format 10×15 aufgezogen waren. Damals waren die Trägermaterialien für Fotos noch nicht so stabil wie heute, so dass es aus Gründen der Haltbarkeit geraten war, sie etwas zu verstärken. Und weil sich die Ateliers recht stolz als Kunsthandwerker begriffen, wurde unter dem Bild und auf der Rückseite des Kartons aufwändig darauf hingewiesen, in welchem Studio die Aufnahme angefertigt wurde und wo man noch zusätzliche Abzüge bestellen konnte. Der Name des oder der Abgelichteten war dann meist eher klein und unscheinbar aufgedruckt – wenn überhaupt!

Aber nach diesem Ausflug ins Viktorianische zurück nach Nirn, genauer Tamriel, noch genauer Hammerfell und ganz genau in die Handelsstadt Abbah´s Landing auf der Halbinsel Hew´s Bane.

Bei TESO gibt es viermal im Jahr eine Erweiterung. Diese sind unterschiedlich groß und unterschiedlich thematisiert. Die erste war PvP-zentriert, die nächsten beiden boten jetzt PvE-Content. Das Schöne dabei ist, dass sie völlig optional sind. Man kann sie kaufen (sie kosten so um die zehn Euro; mit exklusivem Reittier, Pet und Klamotten dann etwa zwanzig) oder es lassen, ohne im Hauptspiel etwas davon zu merken. Wenn man nun bedenkt, dass man schon nahezu ohne Einschränkungen das Spiel an sich (bis auf die Grundanschaffung) kostenfrei spielen kann, kommt einem SWTORs doch sehr restriktives Modell irgendwie ein wenig schäbig und gierig vor. Von WoWs „Kauf die Erweiterung, du Lurch, oder spiele gar nichts mehr! Und monatliche Gebühren, hopp, hopp!“ mal gar nicht zu reden.

Ich jedenfalls hatte bisher noch nicht das Bedürfnis, mir eine der TESO-Erweiterungen anzuschaffen und hatte keinerlei Nachteile dadurch. Aber nun gibt es die Diebesgilde. Nicht nur ein absoluter Fixpunkt in allen Elder Scrolls Spielen, sondern noch dazu nach Hammerfell gesetzt. Und da ich sehr auf Wüstensettings abfahre („… but I do like saying Tatooine ..“), stand die Anschaffung fest.

Gar nicht zu reden davon, dass die Luxusvariante des DLC („Downloadable Content„, eine optionale Erweiterung eben) ein Kamel und ein Drachenkröten-Pet beinhaltet. Sofortige Kaufargumente also. Hey – das Kamel hat als Leertasten-Anmation ein akustisch wundervoll untermaltes grün-in-die-Gegend-rotzen – wer könnte da widerstehen?

Also – angeschafft, gefreut und gestern losgezogen, um sich in die Quests zu stürzen.

Das Level spielt übrigens keine Rolle. Es gibt Battle-Leveling – soll heißen, jeder wird auf Höchstlevel (V16) gepusht. Man kann die Erweiterungen ab Level 10 (glaube ich … kann auch Level 3 sein) angehen und ich habe weder mit Thalab (der 45 ist) noch mit Red (V2) Probleme mit Mobs bekommen.

Normalerweise ist Lord Karaz ja nicht eben sehr diebisch unterwegs, die Alor genausowenig – aber das ist schließlich nicht IC, da darf man Ausnahmen zum Zwecke des Spaßes machen.

Besonders weit sind wir mit der Hauptquest wohl nicht gekommen, dazu lagen zu viele Verlockungen am Wegesrand. Die Stadt selbst ist sehr groß und vor allem unglaublich verwinkelt und verschachtelt. Man hat dreiviertel der Zeit nicht die geringste Ahnung, wo man sich befindet. Da ich mich Minimap-Addons verweigere (wo bliebe der Spaß?), haben wir uns mit Wonne verirrt, brauchten manchmal zehn Minuten, um einen Questgeber zu finden oder den Übergang über eine Straße zu planen, weil man dazu erst in ein Haus ganz am anderen Ende des Viertels, von dort aufs Dach, dann über Planken, Gärten und durch Toreinfahrten musste. Ja, ich hatte Freude daran.

Und natürlich war auch die Umgebung von Abbah´s Landing sehr spannend! Wir haben beide Weltbosse gefunden und besiegt. Aber, alter Falter, die haben es in sich! Da braucht man deutlich mehr als nur die sonst üblichen zwei Leute. Und der Lamiae-Boss hat mich trotz Riesengruppe aus den Latschen geworfen, weil ich dummerweise davon ausging „den Cleave kannste wegblocken!“ und dann doch entsetzt zusehen musste, wie mein Lebensbalken schneller schrumpfte, als ich Breath of Life wirken konnte. (Hätte ja mal einer der anwesenden Heiler statt Dämmätsch zu fahren den Tank heilen können, der da vorne den Kasper gegeben hat. Aber vermutlich waren sie zu überrascht davon, in freier Wildbahn einen Sword-´n-Board-Träger zu sehen, um eins und eins zusammenzuzählen. Ja, in TESO wird man als Tank nicht gerade verwöhnt.)

Auch die beiden kleinen Dungeons haben wir besucht, weil uns zwei Dailies dort hinein geführt haben. Sehr schön gemacht, da man auch dort überall Dachpassagen mit Planken und Übergängen hat. Einmal ein „äpyptisch/phönizischer-Tempel“-Setting und einmal ein „Piratendorf“-Setting.

Zwei neue Setschmieden gibt es auch. Die eine hat wohl sieben, acht oder gar neun Traits – jedenfalls mehr, als ich derzeit schon kann – ich bin erst bei sechs, weil sich das Eichhörnchen nunmal mühsam nährt. Weshalb ich noch nicht weiß, was das Set tun wird. Die andere ist für ein Fünf-Traits-Stamina-DD-Set und gar nicht so schlecht. Mal sehen, ob ich Eria damit dann ihr V4–Set – oder zumindest die Hälfte davon – basteln werde, da sie ja derzeit Hybrid Magica/Stamina spielt.

Es wäre schön, wenn die Auswahl an Tanksets mal etwas größer würde. Irgendwie behandelt Zenimax einen da reichlich stiefmütterlich.

Über das Umgebungsdesign und die Texturen muss man wie immer nicht viel sagen. Genial, sehr liebevoll gemacht. Schöne Details und viel zu entdecken. Von der lehmverputzten Strohwand im Armenviertel über versteckte Wandteile mit Geheimgängen, prachtvollem Geschirr der Kamele und interessant gestalteten neuen Kleidungsstilen bei NSCs bis hin zu grandios überhängenden Sandsteinfelsen, durch Sonnenstrahlen erhellte unterirdische Tempelkammern und flachen Wadis.

Die Fauna hält Amüsantes bereit. Lustige Emuvögel, wütende Schildkröten groß genug, dass Niederländer darin in Urlaub fahren würden („Volde-torts!!“), Reiher und kleine geflügelte Schlangen. Dazu natürlich Löwen, Kamele und seltsame Insektentiere, die in jedem Fantasy-MMO einfach dazugehören.

Entdeckungsmäßig sind wir jedenfalls noch nicht durch, obwohl diese Erweiterung eine der kleineren ist. Mindestens eine Skyshard sollte zum Beispiel noch fehlen, da wir den Erfolg für „finde alle Skyshards in Hew´s Bane“ noch nicht bekommen haben. Und die Hauptquests ist ebenfalls noch nicht fertig.

Liegt auch daran, dass wir beide das Herumschleichen, vor Wachen flüchten und Klauen als sehr schwierig und anstrengend empfinden und deshalb lieber erst einmal entspannt und gepflegt Dinge verdreschen gegangen sind.

Denn natürlich geht es in einer Diebesgilden-Erweiterung auch um illegale Aktivitäten, die mit neuen Mechanismen und Skills unterfüttert werden. Es gibt nun auch Dailies, für die man auf der ganzen Welt Leute bestehlen muss, Wertkassetten knacken oder sich unbefugt in Gebäuden bewegen muss. Sehr sneaky und – zumindest für mich – auch sehr herausfordernd. Auf jeden Fall MMO-untypisch.

Zusammengefasst – ein sehr guter erster Eindruck. Und wenn Orsinium (der andere PvE-DLC) auch so gut ist, werde ich mir den wohl auch noch holen. Das soll angeblich auch größer sein. Die ganzen Erweiterungen sind größenmäßig in etwa so, als würde SWTOR immer abwechselnd neue Planeten in entweder Rishi- oder Yavingröße herausbringen (Diebesgilde entspräche dann Yavin. Also kleiner). Fände ich ehrlich gesagt gar nicht so schlecht. Regelmäßig neue Planeten statt dieser Railroading-Sache mit KOTFE, bei der man kaum etwas frei erkunden darf und es praktisch keine Sidequests und kaum Gruppencontent gibt.

Tja. Und über dem fröhlichen Dächerhoppsen ging ganz unter, dass auch SWTOR neue Inhalte hat. Das nächste KOTFE-Kapitel ist raus. Ich habe es zwar schon geladen, gestern aber mehr Lust auf heißen Sand unter den Füßen gehabt als darauf, wahrscheinlich schon wieder Dutzende von Skytroopern („Überraschung!“) zu verprügeln. Das reicht auch heute abend noch. Oder morgen, da ich heute Reds Kristallraum im Gildenschiff umziehen wollte. Schade, wie wenig mich das PvE in SWTOR noch begeistern kann. Aber mit dem superlinearen Storytelling in KOTFE hat Bioware für meinen Geschmack einen echt kapitalen Bock geschossen. Das ist reines Fastfood. Auf dem Bild hübscher als in der Realität, viel Soße und nach einer halben Stunde hat man wieder Hunger.

Da hoffe ich doch mal, dass es bei TESO länger dauert, das Ende der Motivationsfahnenstange zu erreichen.

Zum Glück hat SWTOR noch RP.

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