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Ghurab – Verpflichtungen

13. April 2016

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Ich gebe die Koordinaten von Hand ein. Der Speicher des Navcomputers ist so leer wie immer seit bald fünf Jahren. Niemand, dem dieses Schiff mit seiner neolithischen Bemalung, die es wirken lässt, als hätten die ersten Sith es als eine Jagdgottheit verehrt, unbefugt in die Hände fällt, kann seine Wege zurückverfolgen. Eine unnötige Vorsichtsmaßnahme? Vielleicht. Immerhin gibt es die Bladeborn offiziell schon lange nicht mehr. Ausgelöscht von den unendlichen Wellen der Zakuulaner. Verschwunden von jeder Karte. Nicht einmal das Imperium weiß noch, dass wir existieren.

Aber wir sind da. Dort, wo wir immer waren. Auf unserem Mond. Mitten unter den Planeten und Systemen der braven Schafe, die sich unterworfen haben. Und tun das, was wir schon immer getan haben – den Kampf zum Feind tragen. Mit der Gewalt der Jahrtausende, archaisch und ein Blick zurück auf das, was die Zivilisation uns genommen hat.

Der Feind …

Es gab Diskussionen in unseren Reihen. Was ist der Feind? Natürlich die Jedi. Die, die schon immer versucht haben, uns auszulöschen.

Aber nun ist da auch der andere Feind. Der Feind, der die Jedi so mühelos vor sich hertreibt. Der Feind, der nichts ist als eine gesichtslose Maschine. Dessen entpersonalisierte Kriegsführung alles versinnbildlicht, was wir hassen. Dem Ehre fremd ist.

Also haben wir unsere Ziele vorübergehend angepasst. Niemand wird die Jedi auslöschen außer uns. Deshalb greifen wir nun die zakuulanischen Ritter an. Immer noch im Kampf Mann gegen Mann. Einzeln und zu unseren Bedingungen. Bis dieses blinde neue Imperium zu Boden gezwungen ist und wir uns wieder dem richtigen Krieg widmen können.

Wir arbeiten nun völlig unabhängig von jedem staatlichen Konstrukt. Der kümmerliche Rest des Sith Empire hat uns vergessen, hält uns für tot. Und das ist uns nicht unrecht.

Ich will nicht behaupten, dass der Kampf gut liefe. Wir haben viele Krieger verloren. Der Orden ist zusammengeschmolzen wie ein Schneefleck im Frühling. Aber es ist nicht das erste Mal in der Geschichte des Ordens, dass wir von einer sehr ungünstigen Position aus angreifen. Und wir sind nicht die einzigen, die sich gegen die Zakuulaner auflehnen. Hoffnung ist ein zu starkes Wort. Entschlossenheit passt besser.

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Und neben meinem Job als Racheengel bin ich im Moment auch Babysitter.

In diesen Zeiten ist Tannan genau an zwei Orten sicher: Bei mir oder bei Meister Concabille. Wir sind beide recht paranoid, was sie angeht. Ihre Fähigkeiten wachsen mit jeder Woche, die vergeht und es wird immer deutlicher, dass das, was sie im Moment ihrer Geburt so besonders gemacht hat, beginnt, die Flügel auszubreiten. Wir müssen sie schützen. Also ist sie entweder dort, wo immer der schrullige Arbeitgeber des Meisters sie hinbeordert, oder sie kommt mit mir. An vorderster Front sucht niemand nach einem Kind auf der silbernen Linie zwischen Licht und Dunkelheit. Und niemand kann sie beschützen, wie ich es tue.

Schnelle Schritte, sie stürzt neben mich, umfasst mich an der Hüfte und strahlt nach oben. „Das ist soooo toll! Ich freu mich totaaal auf Atla!“

Ich blinzle einen Moment reptilhaft-verwirrt. Was …-

Das Com beginnt monoton zu piepen. Nur sehr, sehr wenige können mich hier erreichen. Die Frequenz macht mich zornig, sobald ich sie sehe. Die Voidwalker. Vater. Tannan hampelt begeistert neben mir herum. Anscheinend hat sie wieder Gedankenfetzen ihres Großvaters aufgefangen. Sie weiß, dass sie das nicht darf und irgendwann wird der große Drache sich umdrehen und den Kolibri mit einem Klauenschlag zerquetschen. Aber im Moment scheint er sie zu tolerieren. Warum auch immer.

Ich werde sie später disziplinieren. Jetzt bekommt sie nur einen strengen Blick, bevor ich den Comkanal öffne.

Das blaue Bild, das sich ins Leben zittert zeigt nicht Vater. Kein riesiger Schatten mit der kalten Präsenz eines Gletschers. Statt dessen – Nauras! Ich entspanne mich, lasse die emotionale Mauer fallen, die ich mir für die stetige Konfrontation schon aufgebaut hatte. Ich bekomme ein Lächeln. Niemand unserer Familie, der er so hingebungsvoll und bis zum letzten Blutstropfen loyal dient, hat ihn je lächeln sehen. Nur ich. Ich erwidere die Herzlichkeit. „Brolin …“ Bruder. Wir waren immer Brüder. Er neigt kurz den Kopf. „Bruder, du weisst, dass ich deine Sicherheit nicht ohne Grund mit einem Höflichkeitsanruf gefährden würde.“

Ich nicke. Auf den Punkt wie immer. „Schon klar. Vater schickt dich vor?“ – „Der Lord bittet dich darum, dass du die Herrin Borraa suchst. Sie ist … unerwartet verschwunden.“

Ich hebe überrascht einen Brauenwulst. Natürlich hat Vater Nauras gegenüber keinerlei Höflichkeiten verschwendet. Er hat angewiesen und der Rattataki packt diese Befehle in freundliche Worte. „Soll heißen ..?“ – „Niemand weiß warum und wohin. Aber ihr Schiff hat einen Tracker. Ich übermittle dir die Frequenz.“

Ah, man geht also schon davon aus, dass ich praktisch auf dem Weg bin. Diese Familie ist manchmal viel zu berechenbar. Aber ich bin neugierig. Und hätte nichts zu tun, als zur Basis zurückzukehren. Also gut, schlucke ich den Köder. Womöglich bietet sich auch die Chance, meine geliebte Schwester in Schwierigkeiten zu sehen, was immer eine Reise wert ist.

„Gehen wir einmal davon aus, dass ich sie tatsächlich suche … was soll ich tun, wenn ich sie gefunden habe?“ – „Herausfinden, was mit ihr los ist, denke ich.“

Ich muss lachen. „Sicher. Wir setzen uns zusammen, trinken Tee und betreiben Geschwisterbindung. Unsere Paradedisziplin!“

Auch von ihm ein leises, zurückhaltendes Lachen. „Das meine ich nicht. Ich glaube, der Lord ist davon überzeugt, dass eure Rivalität mehr zu Tage fördern kann als jede Empathie.“ – „Na großartig. Ich wollte schon immer Borraas Therapeut sein. Aber vielleicht ist es ja ganz amüsant, sie einmal mit Vaters Segen zur Weißglut zu bringen. Für das höhere Wohl, versteht sich.“

Er grinst mit schief gelegtem Kopf. „Das höhere Wohl … ja genau“

Neben mir flüstert Tannan durchdringend „Wir müssen noch Atla abholen.“

Nauras hebt die haarlosen Brauen. Dann schüttelt er den Kopf, auch er hat schon ein paar Mal Tannans Fertigkeiten in Aktion erleben dürfen. „Ja, Tannan. Du hast recht. Der Lord wünscht, dass ihr die Erbin mitnehmt. Ich treffe euch mit der Rememberance.“

Irgendwie ist wieder einmal schon alles klar. Wie so oft, wenn das Oberhaupt der Karaz etwas plant. Es geschieht dann einfach. Es macht mich jedes Mal zornig, aber derzeit bin ich nicht in der Position, diese ganze Sippe anzugehen. Also spiele ich mit. Und Borraas vermutete Schwierigkeiten sind natürlich ein gar zu süßes Bonbon.

Also nicke ich. „Wir sind auf dem Weg.“

Hinter mir rennt Tannan los, um im Schiff herumzupoltern und aus voller Kehle „Wir treffen Atla! Wir treffen Atla!“ zu singen.

Nauras lächelt wieder, als wir uns verabschieden.

Wieder einmal werde ich in das undurchdringliche dunkle Netz gehen, das Borraa um sich aufspannt. Ich werde wachsam bleiben.

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  1. KendrickMcMillan
    13. April 2016 um 11:42 am

    Liest sich mal wieder sehr gut…..irgendwie juckts mich ja nu auch in die Fingers, so ein bischen was zu schreiben…..nicht viel….1000 Seiten oder so…..😀

    • 13. April 2016 um 11:48 am

      Das ist nur ein Auftakt-Text für ein RP am Freitag. Damit ich reinkomme.🙂
      Na, hättest Du nicht auch Lust auf einen Bladeborn? Die letzten Aufrechten, ganz ohne Lichtschwerter, nur mit mörderischen Masterblades.🙂 Bekannt aus Funk und Fernsehen. Oder eher KOTOR.

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