Die neue Zartheit im RP

25. April 2016
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Zur Bebilderung: Saqr auf seinem Weg durch KOTFE. Durchgehend wütend guckend. Passt.

Das wird kein Rant (fies gelogen. Es wird ein passend zum Thema ganz sanfter Rant). Ich werde möglichst unspezifisch bleiben, da ich niemanden bloß stellen möchte, der für sich ein RP-Konzept gewählt hat, das nicht mit meinem konform gehen kann.

So viel als Disclaimer. Also – „asking for a friend“ …

Gehen wir mal davon aus, dass es eine recht stringent imperial spielende Sithgilde gibt. An diese Sithgilde tritt jemand IC mit einem Anliegen heran, das sich recht schnell als problematisch erweist. Problematisch genug, um als Verrat an einem Darth zu gelten. Und das bedeutet im Imperium was? Genau, ab mit dem Kopf! Da die Sithgilde seit dem Angriff des Eternal Empire ohne Darth ist und deshalb tunlichst vermeidet, sich mit den wenigen noch überlebenden Darths schlecht zu stellen (wir erinnern uns: Vom Dark Council ist genau eine Person noch am Leben/auffindbar, also wird es darunter nicht viel besser aussehen), wenden sie sich an eine offizielle Institution, die IC mit solchen Verrätern befasst ist. Diese Institution ist per se nur dazu da, durch Sith an Sith verübte Verbrechen aufzuklären und zu ahnden. Das ist im Konzept so tief verankert, dass es keine verschiedenen Interpretationen geben kann. Echt nicht. Das wäre als würde man bestreiten, dass der KGB Regimegegner verfolgt hätte.

Die Sithgilde ist also ganz brav imperial, hält den Dienstweg ein und übergibt einer Delegation dieser Institution diesen Verräter (Verblüffung beim frisch Gefangenen). Damit hat man seine Schuldigkeit getan, hat sich wieder ein wenig Freiheit erkauft und kann das alles hinter sich lassen.

Soweit der IC-Teil, der die Sithgilde betrifft.

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’scuse me, you wot mate?

Aber nun erfährt man OOC, dass der Verräter mit einem „aber nie wieder machen, gell?!“ einfach frei gelassen wird. Weil. Halt so. (Okay, das war dramatization. Sie haben ihm gesagt, dass sie ihn „ab jetzt im Auge behalten werden“)

Und dann fragt man sich, ob man das selbe Imperium bespielt.

Und ob überhaupt noch jemand bereit ist, Konsequenzen auszuspielen. Wobei ich nicht weiß, von wem diese vorauseilende Vorsicht ausging. Ob von der Institution, die Angst haben, dass jemand OOC auf sie böse sein könnte, wenn sie ihr Konzept imperial ausspielen oder vom Verräter, der nicht wollte, dass sein Charakter Nachteile hat oder sogar drauf geht.

Ich finde es recht ermüdend. Dieses ganze „wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“ zieht sich durch fast alle Online-RPs. Seien es die Prinzessinnen-Kajirae auf Gor, die herumblöken wollen aber schon ein „kein Haare ab!“-Limit im Profil stehen haben oder eben die superbösen Sith, die jeden betrügen aber dann Angst bekommen, wenn der Rest der Welt konsequent mit ein wenig IC-Ablehnung (nicht zu verwechseln mit OOC-Ablehnung!) reagiert.

Ich weiß es einfach nicht.

Vielleicht interpretiere ich auch alles falsch oder das, was ich über zwei Ecken gehört habe (eine Ecke, um genau zu sein. Aber eben immer noch nicht direkt) hat irgendwelche wesentlichen Teile verloren, bis es zu mir kam. Aber an und für sich ist es einfach verschenktes Potential. Man kann das Imperium hart, kalt und gemein spielen. Weil es nunmal per Star-Wars-definitionem die Ultrabösen sind. Die Ultrabösen, bei denen es kein in dubio pro reo gibt. Und man kann das sogar tun, ohne das Gegenüber zu töten. Es gibt genug kybernetische Prothesen. Dann verliert der Gefangene eben ein Körperteil, kann im letzten Moment am Rande des Todes entkommen und lebt fortan als Rächer/Cagefighter/Rebell/verbitterter Barkeeper im Untergrund oder muss sich einen sehr, sehr mächtigen Beschützer suchen – das hat doch verdammtes Potenzial! Charaktere wachsen an Leidenssituationen.

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Der Tag wird nicht besser.

Aber es ist nicht mein Recht oder meine Aufgabe anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie ihr RP zu gestalten haben. Ich kann nur aus Begegnungen lernen. Lernen, ob ich meine RP-Freizeit mit jemandem verbringen möchte, dessen Ansichten zu weit von meinen entfernt sind oder nicht.

Your choice matters oder so.

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  1. 25. April 2016 um 11:38 am

    Ich würde wetten, dass dieses ‚lieber zart als hart‘ schlichtweg auch eine Folge dessen ist, wie allgemein in RP-Communities mit Konsequenzen umgegangen wird. Zwei Fraktionen steigern sich in einen Konflikt herein, bis kurz vor einen Krieg? Passiert immer wieder. Aber eben auch, dass dann eine Fraktion einen Rückzieher macht, weil man ja was verlieren könnte.
    Hat man oft genug mit Leuten zu tun, die zwar unglaublich gut darin sind, das Maul aufzureißen und die falschen Leute zu provozieren, aber dann nicht mit den möglichen Folgen klarkommen wollen, gibt man die Sache irgendwann auf. Auch, weil sich diese Diskussionen erschreckend ähneln und Einsicht meist Mangelware ist.

    Inzwischen muss ich sagen, ist mir diese Sache recht müßig geworden und ich beschränke mein Konflikt-RP nur noch auf Leute, bei denen ich weiss, dass Konsequenzen für beide Seiten kein Problem sind. Ansonsten verschwendet man einfach viel Zeit mit dieser sich selbst bedingenden ‚lieber nicht‘ Schraube, die sich mit steigender negativer Erfahrung der RPler miteinander immer weiter anzieht.

    • 25. April 2016 um 11:45 am

      In diesem speziellen Fall hat der nicht genannte alte Lord der nicht genannten Sithgilde ja mit allen anderen Spaß im RP gehabt. Aber hätte er gewusst, dass das nur wieder in eine Tüte gebrüllt ist, weil alles sowieso wieder im Sande verläuft, hätte er an diesem Abend vielleicht lieber ein gutes Glas Wein getrunken.🙂
      Klar ist das alles Besitzstandswahrung. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Schere immer weiter auseinanderklafft. Auf der einen Seite die, die immer Konflikt bis aufs Messer und mit möglichst blutigen Konsequenzen für ihren Charakter haben wollen (unter Kastration tun sie’s nicht. Echt, so Spezis hatte ich schon) und auf der anderen Seite die Harmonieheimer, die Angst haben, dass man OOC auf sie böse sein könnte, wenn ihr Charakter IC mal nicht ganz so höflich auftritt.
      Das ist anstrengend.

      • 25. April 2016 um 1:28 pm

        Oookay …also so Dinger wie das mit der Kastration hatte ich noch nicht, aber ich glaube, da gibt’s dann auch nichts zu vermissen. Irgendwie fehlt da einfach das gesunde Maß – ich habe viel Spaß dabei, wenn es eine Gratwanderung ist. Wenn sich Chars mal ordentlich anpampen und man vielleicht einen Konflikt eine ganze Weile lang kultiviert. Das kann einem doch sehr viel bringen, vor allem, wenn man nicht dauernd gewinnt. Deswegen finde ich auch die derzeitige Konstellation mit Zakuul reizvoll – man weiss, die sind gefährlich, ein Konflikt könnte übel enden, dann muss man sich eben daran anpassen😉

        Aber ich glaube, recht viele Leute haben heute auch einfach keine Frustrationstoleranz mehr. Keine Resilienz.

        • 25. April 2016 um 1:39 pm

          Der Kastrat war auch zum Glück nicht in SWTOR. Das lief in einem doch etwas blutigeren Setting, aber auch Online-RP. Das harmloseste bei diesem speziellen Spieler war dann auch das Abtrennen von Ohren und dergleichen. Aber immer seine eigenen. Das war sehr konsequenter Masochismus. War mein bester Kunde für Custom-Verstümmelungen. Lepra, Cuttings, riesige Narben, Verbrennungen, natürlich auch Brandings … hab ich alles für ihn gebastelt.
          Aber auch in SWTOR gibt es sie, die „mein Charakter muss BLUTEN und dafür gehe ich ÜBER LEICHEN!!“-Fraktion. Und dieses Extrem ist auch verstörend.
          Es fehlt ein wenig am von Dir angesprochenen gesunden Mittelmaß.

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