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Ghurab – Vorbereitungen auf das Opfer

29. April 2016

Die Stadt schläft tiefer als früher. Weniger Lichtpunkte in der Luft und in den Fenstern; kaum noch Schiffe, die schwer wie Wale über den Türmen hängen. Fast fünf Jahre, seit ich das letzte Mal hier war. Was hätte mich auch herziehen sollen? Der Orden ist dort, wo er gebraucht wird. Und derzeit wird das Imperium im Wild Space verteidigt, nicht auf Dromund Kaas. Außerdem machen wir uns rar, denn niemand soll auf uns aufmerksam werden.

Aber diesmal ging es nicht anders. Ich musste herkommen.

Ich trete auf die Terrasse des Penthouse hinaus. Schließe die Tür zum Schlafzimmer leise hinter mir. Es ist so früh, dass es fast noch spät ist. Am Horizont zeigt ein grauer Streifen den anbrechenden Tag. Ich gehe zur Brüstung und steige hinauf. Setze mich auf die kühlen Steine und lasse die Beine ins Nichts hängen. Unter mir nur der Sog der Leere, wie jedes Mal, wenn ich hier bin. Irgendwo vor mir im Dunkel ist das Hochhaus, das meiner Familie gehört. Oder gehörte. Auch am Vermögen der Karaz ging dieser Krieg nicht spurlos vorüber. Was will sie nur mit dieser Familie, warum will sie diesen Namen, gegen den ich mein ganzes Leben gekämpft habe? Es gehört zu den Dingen, die ich im Moment nicht verstehe.

Sie schläft noch. Unser Wiedersehen war wie immer … anstrengend. Auf gute Weise. Und wie immer war es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es ist eine Harmonie, die mich zornig machen sollte, impliziert sie doch, dass ich allein nicht vollständig bin. Macht mich dadurch unfrei.

Genau wie ich mich auch dieses Mal wieder für sie an eine Kette gelegt habe. Diesmal die dieses seltsam bleichen Togruta, dessen Gedanken in Schleifen zu laufen scheinen. Ihres neuen Meisters …

In meinem Kopf wachsen Worte, die ich nicht hören will und die trotzdem dort feststecken und aus dem Dunkel hervorbeißen. Wird Meister Concabille alt und unsicher? Sie hat sich schon wieder an jemanden gebunden, obwohl sie doch weiß, dass es zu nichts führt. Wir wollten immer frei sein, das Ende des Sith Code erreichen. Und dennoch sucht sie sich wieder einen Meister. Wozu? Die schwarzen Gedanken flüstern: Sie hat Angst. Sie erträgt es nicht, auf sich gestellt zu sein.

Es gab nie einen festeren Fels für mich. Sie war das Fundament, von dem aus ich emporstieg. Sie gab mir die Flügel, mich aufzuschwingen. Jetzt bin ich frei, diene nur dem Orden, den ich gewählt habe und der das ist, was ich immer gesucht habe. Nichts hält mich zurück.

Und doch sind die Ketten noch da. Die, die ich nicht abstreifen will. Weil ich nicht sein möchte wie der Rest der Familie. Die Kette zu Tannan, die in ihrem bisher fast nie benutzten Kinderzimmer schläft und vermutlich von den tausend Sorten Eis träumt, die sie gestern in einem Laden am Raumhafen gesehen hat. Und die Kette zu meinem Meister. Denn Loyalität ist ein Pfeiler meiner Ehre.

Ist es auch eine freiwillige Kette, die sie an diesen Togruta bindet? Ich kann es nicht verstehen. Sie braucht ihn nicht. Er hält sie nur zurück, ihrer Bestimmung zu folgen. Sie schuldet ihm nicht das Geringste. Aber es ist nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen.

Ein anderer schwarzer Gedanke erzählt von ihrer Besessenheit von Aroval. Der alte Darth ist schon lange nur noch ein Fleck vor einer Sonne und trotzdem kann sie nicht loslassen. Wie Puzzlestücke passen die Gedanken ineinander. Ihre Angst, auf sich gestellt zu sein. Sie greift nach alten und neuen Herren wie Tannan nach meiner Hand, wenn wir in unbekanntem Terrain unterwegs sind.

Nein, nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen.

Ich werde ihr helfen, dieses Ritual zu vollziehen. Werde ihr eine Stütze sein und ihr damit einen Bärendienst erweisen, weil ich ihr wohl nicht zutraue, allein nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

Wenn dies alles vorbei ist, muss ich sie wieder zu einem richtigen Kampf fordern. Muss Blut fließen, damit wir sehen können, wessen Band in der Macht stärker ist. Und dann wird sich zeigen, ob ich in der Lage bin, ihr die Angst zu nehmen. Ich bin ihr Schüler, aber es scheint, als müsste ich ihr zeigen, dass sie keinen Meister braucht.

Meine Gedanken gehören ihr. Ob ich das will oder nicht.

Ich ziehe die Beine auf die Steinbrüstung in einen Lotussitz und lasse mich in die einstimmende Atmung fallen. Ein wenig Meditation, dann ein wenig Training. Dann werde ich die beiden wecken – wenn Tannan nicht schon lange in unserem Schlafzimmer ist – und wir werden uns wieder trennen.

Ich muss mich vorbereiten. Auf das Opfer, das der Togruta fordert. Und ich muss Tannan in Sicherheit bringen. Bei Skaara kann ihr nichts passieren und sie werden vermutlich gemeinsam durch alte Jediruinen wandern, um Artefakte zu suchen. Vielleicht ein wenig moderate Lebensgefahr. Dennoch würde ich meine Tochter niemand anderem anvertrauen wollen, so lange der Meister und ich um das schwarze Loch herumtanzen, das Aroval gerissen hat und das sie anzieht wie Licht eine Motte.

Und bis der Togruta mich rufen wird, werde ich noch für den Orden kämpfen. Zakuulanische Ritter töten und vielleicht, wenn ich gute Laune haben sollte, auch für Borraa ein paar nicht zu zerstörte Skytrooper mitbringen. Natürlich nur um zu sehen, wie sie an ihnen scheitert.

Die Macht wird mich befreien …

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