Ghurab – Katzenfutter

4. Mai 2016

Das Schwierige war nicht, an sie heranzukommen. Nein, das war sogar erstaunlich einfach. Ein fast langweiliger Auftrag, den ich für den Orden ausführte. Nichts als ein wenig Rache. Kühler Zorn und strafendes Zuschlagen. Niemand tötet eine der Klingen, ohne zu bezahlen. Das Schwierige war, die Blecheimer zu bekommen, ohne dass sie in tausend Einzelteile zerfetzt wurden, damit man besser mit ihnen spielen kann.

(Nicht Tannan. Derzeit muss ich mich mit anderen verspielten Wesen herumschlagen.)

Aber von Anfang.

Vor einer Woche gab ich Tannan bei Skaara ab. Derzeit noch auf Onkel Ginyus Anwesen im Dschungel, wirkte der Miraluka aber so, als würde ihn im Moment alles fortziehen. Ich habe nicht nachgefragt. Ich vertraue ihm. Er wird meiner Tochter die nicht sichtbaren Wunder der Macht zeigen und sie dabei hüten wie … fast hätte ich „seinen Augapfel“ gedacht und das wäre nun wirklich absurd. Auf jeden Fall muss ich mir keine Gedanken machen.

In meinem Kopf steht die Vorbereitung auf das Opferritual des Togruta und ich sehne mich nach Ablenkung, um nicht jedes Mal in Zorn zu verfallen, wenn ich daran denke. Es ist eine ständig offene Wunde in mir. Ich sehe überlebensgroß, was vor mir liegt und es gefällt mir nicht.

Dass ich dann erfuhr, dass die Zakuulaner einen meiner Brüder aus dem Orden getötet hatten und ich dafür ausersehen war, Rache zu üben, passte mir. Es würde ablenken, mich fokussieren und auf meine Aufgabe hin erden.

Ich war vorher noch nie auf Felucia gewesen und von der überbordenden Natur sehr angetan. Der regentriefende Urwald, die moschussatten Gerüche und die tief im Boden widerhallenden Geräusche der Tiere berührten mich im Inneren. Vielleicht sollten ich einmal mit Meister Concabille und Tannan herkommen …

Nicht, dass diese kraftvoll-lebenspralle Umgebung für meinen Auftrag relevant gewesen wäre. Search and destroy, mehr gab es nicht zu tun.

Und, wie gesagt … es war fast zu einfach. Wie hatte diese überhebliche Frau in ihrer goldglänzenden Rüstung überhaupt einen der Bladeborn töten können? Vermutlich gegen den Wind angeschlichen und über eine Klippe geschubst.

Seit sie uns angegriffen haben, fühle ich nichts als Verachtung für diese Kultur, die ihre Bürger zu sabbernden Zombies macht und ihre Krieger zu hirnlosen Maschinen, die sich nur noch durch die ständig geblökten Propagandaphrasen von ihren droidischen Begleitern unterscheiden. Widerliches, wert- und ehrloses Pack.

Die Droiden … genau. Die Ritter sind selten allein unterwegs – noch etwas, das sie von uns Bladeborn unterscheidet – und auch diese hier hatte eine Eskorte von vier Metallfreunden dabei. Als ich sie sah, klang mir Borraas kratzige Stimme in den Ohren. Ihre Bitte, für ihre Schülerin (hatte sie nicht einen Schüler? Na, vermutlich hat sie ihn kastriert) noch fast funktionsfähige Skytrooper mitzubringen. Meiner Schwester einen Gefallen tun. Absurder Gedanke. Aber andererseits will sich Meister Concabille aus mir unerfindlichen Gründen bei meinem Vater beliebt machen. Und Vater neigt dazu, mich und alles, was zu mir gehört, mit etwas mehr Wohlwollen zu betrachten, wenn ich … nett zu Borraa bin. Also bekommt sie ihre verdammten Droiden.

Und hier kam ins Spiel, was mich eben doch nicht ganz zum Einzelgänger macht. Der Orden hat sich in den letzten fünf Jahren anpassen müssen. Unsere Zahl schrumpfte zu schnell und wir sind mittlerweile zu versteckt, um noch genug Rekruten zu finden. Doch unsere Pflichten nehmen auf Unterzahl keine Rücksicht. Also wurde diskutiert und beraten und man einigte sich darauf, die uralte Tradition von Kampftieren für uns wiederzubeleben. Helfer auf unseren Jagden. Mit den archaischen Regeln des Ordens vereinbar.

Weshalb ich nun seit anderthalb Jahren ein Nexuweibchen auf- und mittlerweile eher erziehe. Sie heißt Dis. Weil ich nicht vorhatte, mich an sie zu gewöhnen. Sie ist ein Problem, da sie sich nicht mit meiner Zeldrate versteht – schon als Dis mir noch nicht einmal bis zum Knie reichte, wollte sie die Echse angreifen, umgekehrt herrscht völlige Ignoranz – und ich so gezwungen bin, auf dem Rücken der Nexu in die Schlacht zu ziehen, anstatt auf der Zeldrate. Sie springt und klettert besser, ist aber unbequemer. Aber ansonsten ist Dis hilfreich, seit sie begriffen hat, dass es Freude bereitet, Skytrooper anzuspringen und zu zerlegen. Wenigstens einer von uns, der Spaß an den Blecheimern hat.

Aber genau diese Freude machte mir nun Schwierigkeiten. Wie gesagt – die Zakuulanerin zu töten war nicht wirklich herausfordernd. Sie finden es immer sichtbar amüsant, wenn man sie und ihre Lichtlanzen mit einer Vibroklinge angreift. Allerdings nie lange.

Die Arbeitsteilung, die sogar Dis recht schnell begriffen hat, ist immer die gleiche: Ich vermeide die Skytrooper und greife den dazugehörigen Ritter an. Dis darf mit den Droiden spielen, bis sie kaputt sind.

Dass der Nexu nun nicht verstand, warum ich diese Abmachung außer Kraft setzte, kann ich ihm nicht zum Vorwurf machen. Auch nicht, dass Dis dann dachte, ich wollte mitspielen, als ich die tote Ritterin achtlos gegen den Stamm eines der riesigen Pilzbäume schleuderte und daran ging, Skytrooper einzusammeln.

Nein, ich kann ihr nicht böse sein. Dennoch schmerzt die tiefe Krallenwunde an meinem Oberschenkel und das Zischen der zerbissenen Runen auf meiner Armschiene ist auch nicht gerade erbaulich.

Nach dem Kampf ist es bis auf das monotone Vogel- und Echsengeschrei still. Ein paar Blastereinschüsse lassen Rauchfäden von den Stämmen in den sporengeschwängerten Himmel steigen. Dis sieht ihnen hinterher, hat katzenüblich von einem Moment auf den anderen jedes Interesse an ihren Spielzeugen verloren.

Ich mache mich auf den Weg zurück zum Versteck der Destiny´s Blade. Als erstes Koltospray suchen, damit sich die Kratzer nicht entzünden. Dann schleppe ich die zerstörten Skytrooper an Bord. Und dann mache ich mich auf den Weg zu Borraa. Oder zu ihrem…r Schüler…in.

Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit, meine Schwester ein wenig zu ärgern, so lange ich der brave Bruder bin, der ihr so nett etwas vorbeibringt. So brav.

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OOC: Einen fröhlichen Star-Wars-Day euch allen! Das neue KOTFE-Kapitel ist netter als die letzten, Gault ist eloquent wie immer und der Name des nächsten Kapitels lässt mich sehr sehnsüchtig auf Juni warten. It´s so fluffy I´m gonna die!

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