Geschmack der Saison

21. Juni 2016

Stonefalls

RP in MMOs ist derzeit nicht ganz so meins. Größtenteils deswegen, weil ich viel im RL um die Ohren habe und deshalb nicht die Energie aufbringe, mich in Plots zu involvieren, die länger als einen Abend laufen. Und da es so etwas bei MMOs praktisch nicht gibt – schon allein, weil sich jeder Spielbeginn immer so lange aufschiebt, bis auch der letzte Mitspieler eingetroffen ist und man deshalb zu nicht sehr viel kommt – wumple ich ein wenig im PvE herum und halte mich sonst aus allem so ziemlich heraus. Gelegentlich stecke ich einen Zeh ins Wasser, bin Flavour am Rande eines Plots, aber mehr wird es wohl in nächster Zeit nicht geben. Keine Ahnung, ob sich das wieder ändern wird. Vielleicht bin ich auch einfach nur endgültig zu müde dafür. Dann werde ich mich schön aufs Altenteil zurückziehen, mit dem Stock von der Veranda fuchteln und darüber räsonieren, dass früher sowieso alles besser und die Schnitzel größer waren.

Meine kreative Energie konzentriert sich mehr aufs P&P und meine sonstigen RL-Projekte.

Und auch da kann man gewaltig aufs Gesicht fallen. Wie zum Beispiel letzten Samstag, als ich Gastspieler beim DSA von ein paar Freunden und deren Bekannten war.

Als ich M. davon erzählte rief er begeistert „Das muss man doch ausnutzen! Komplett generisch sein! Alrik der Krieger!“ Aber generisch heißt bei DSA nunmal leider vor allem eins: die spielgewordene Altbackenheit. DSA hat extremes Potential. Aber nicht in seiner „Urform“, sondern an den Rändern. Auf den wenig begangenen Wegen. Dort kann man auch mal in die Vollen gehen. Dort kann man Spaß haben und es sich in den Extremen bequem machen.

Aber bleibt man im Dunstkreis des schwarzen Keilers, steckt man so tief in den Achtzigern, dass die Charaktere praktisch Haarspray benutzen müssten.

Und so strandete mein wohlüberlegt-düsterer Al’Anfaner bei den Hippies. Tja, war nicht so dolle.

In mir reifte die Erkenntnis, dass ich im Pen&Paper (und eigentlich jedem Rollenspiel, ob virtuell oder am Wohnzimmertisch) drei Dinge brauche: Blut, Gewalt und Sperma. Bei längeren Kampagnen kommt unbedingt noch Drama hinzu. Ich bin die Personifizierung der Eiscreme aus Wayne´s World.

Jedenfalls bot dieser Spielnachmittag keine der drei Komponenten. Also blieb ich noch zum Grillen und erklärte dann sehr freundlich und höflich, dass ich „eher so der Vampire- und Werewolftyp“ wäre und ging nach Hause. Ist ja nicht schlimm. Jeder mag andere Sachen. Für mich ist RP immer ein Ausgleich zu meinem eher vorhersehbaren Alltag und die Möglichkeit, ohne soziale Sanktionen Maulschellen verteilen zu dürfen.
Nächsten Monat eröffne ich dann wohl noch eine Baustelle und werde mit F. und M. (und zwei Leuten, die ich noch nicht kenne) zusammen eine zweite Vampirerunde aufziehen. Ich habe schon vage Vorstellungen eines drogenabhängigen Toreador (sollten wir in der Gegenwart spielen, was ja eigentlich nicht meins ist – aber ich habe jetzt schon drei Spielrunden in historische Settings getrotzt, da muss ich auch mal zurückstecken). Muss ich nochmal nachsehen, wie man das nachteilsmäßig ausspielt. Von Vampire modern habe ich eh keine Ahnung, ich kenne nur die Dark Ages Regeln. Das letzte Mal Mascerade gespielt habe ich, als das World Trade Center noch stand. Ach, mal sehen. Vielleicht habe ich ja Glück und der Rest hat plötzlich auch schon wieder Lust auf irgendetwas Historisches.

Ein anderer Hintergrund als die World of Darkness wäre zwar auch mal nett – Unhallowed Metropolis war großartig – aber es gebricht an willigen Spielleitern. Und um mich leitungsmäßig in ein neues System reinzufuchsen habe ich nicht die Zeit.

Oder natürlich Cthulhu. Das geht immer. Pralines and dick.

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  1. 22. Juni 2016 um 10:40 am

    DSA wäre für mich heute nichts mehr … ich komme weder mit der 4. Neuauflage des Spiels klar noch mit der grenzwertigen Veröffentlichungspraxis des Verlages, die immer mehr Schrott rausbringen, dem man ansieht, dass da nicht mehr viel Liebe drinsteckt. DSA war zu Zeiten von Caryads Pünktchenillus noch eine ganz große Nummer und ist nicht im Regelkorsett erstickt … mal ganz davon ab, dass mich eine ‚abseits der Klischees‘ Runde sehr interessiert hätte, eine Gruppe voller Antihelden, die eigentlich keinen Bock darauf haben, Aventurien zu retten oder sowas ..😉 Aber finde für sowas mal Mitspieler!
    Da bin ich dann wohl auch mehr der „Vampire- und Werwolf“-Typ. Hast Du mal den „Konstantinopel bei Nacht“ Quellenband für Dark Ages gelesen? Den habe ich neulich durch Zufall kaufen können und bin seitdem darauf total gehyped.

    • 22. Juni 2016 um 11:08 am

      Bei Dark Ages lese ich gar keine Quellenbände. Ich nehme das historische Setting und addiere dann meine Vampir-NSCs. So gefällt mir das viel besser und ich muss nicht jedes Mal tief seufzen, wenn ich mit der Islamauffassung amerikanischer Hobbyhistoriker konfrontiert werde.😀
      Okay, gar keine Quellenbände stimmt nicht. Die Weg-Bücher, das High- und das Low Clans-Book. Die habe ich auch.
      Und so eine aventurische Nörgeltruppe wäre großartig! In ständigem Konflikt mit dem Hobbit-Mindset der generischen Tralala-Bevölkerung. Ja, das hätte definitiv was, da hast Du recht.🙂

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