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Wenn man am wenigsten damit rechnet.

1. August 2016

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Er wartete, bis er sicher sein konnte, dass sein unfreiwilliger Gastgeber wirklich tief auf der Couch eingedöst war.

Zeit, sich alles anzusehen.Wings-of-Ether schlenderte zum Fenster, lehnte sich gegen das kühle Glas und sah hinaus. Auf den tobenden Moloch, der sich dutzende von Stockwerken tiefer erstreckte. Bis zum Horizont, wo er sich in Smog und eventuell Wasser verlor.

Carla hatte recht gehabt – das musste er zugeben, obwohl es ihm nicht schmeckte, seiner Halbschwester in dieser Beziehung Recht zu geben. Die Welt hinter dem Schleier war unglaublich seltsam. Im Gegensatz zu den meisten Fey war er im tiefen Umbra nicht nur zu Hause, sondern auch geboren. Kannte das, was jenseits des Todesgürtels lag nur aus Geschichten.

Bis jetzt. Und was er sah, war … faszinierend. Er hatte Carlas neuen Heimatort zwar wohl um eine halbe Weltenbreite verfehlt, aber dafür hatte er eine ausnehmend nette Bekanntschaft gemacht.

Er starrte noch etwas hinaus auf die aufragenden Gebäude – alle voll bis oben mit Menschen! – dann ging er hinüber ins Schlafzimmer. Seine Hufe klackerten auf dem Parkettboden und hinterließen vermutlich auch wertmindernde Spuren. Was ihm egal war.

Er streckte sich eitel vor dem Spiegel, schlug einmal mit den Schwingen und beschloss dann, dass es Zeit war, sich der Umgebung anzupassen. Nicht nur körperlich. Es war auch angeraten, etwas mehr als Schmuck zu tragen, so normal dergleichen auch am Hof der Satyre war.

Ein bisschen Konzentration, etwas Glamour. Dann war er in menschlicher Form. Erstens ungewohnt und zweitens langweilig. Er hatte Jamie nur gefoppt, als er nach der Sache mit den Füßen gefragt hatte. Natürlich wusste er, wie es sich damit lief.

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Mit kritischem Blick durchforstete er den Kleiderschrank. Lange Hosen wollte er nicht, dazu war er zu sehr auf seine Hufe konditioniert. Und ein einfaches Hemd. Bloß nichts, was ewig viele Knöpfe, Paspeln oder sonstige Verschlüsse hatte.

Einige Klamotten landeten auf dem Boden. Fey waren nicht gerade ordentliche Wesen. So lange man den Teppich noch grob erkennen konnte, war alles im grünen Bereich.

Irgendwann war er mit seinem Aufzug zufrieden.

Zeit, sich anzusehen, was man hier im Appartment Unterhaltsames unternehmen konnte, bis sein Gastgeber wieder wach und fähig wäre, ihn zu bespaßen. Man musste Jamie wirklich zu Gute halten, dass er es sehr glatt verkraftet hatte, dass ein Fey vor seiner Nase aus dem Umbra geplatzt war.

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Natürlich gab es massenhaft deutlich unangenehmere Bewohner der anderen Sphären als nun gerade einen verspielten Halb-Satyr. Aber trotzdem – der erste Kontakt mit der Welt auf der anderen Seite war nie einfach. Und dafür bekam Jamie von Wings-of-Ether (klarerweise hatte er sich mit seinem menschlichen Namen vorgestellt. Man fiel nicht immer gleich mit allem ins Haus) ein Fleißsternchen. Gut gemacht, perfekte Integration ins Ungewöhnliche.

Er schlich sich in den Küchenbereich. Betrachtete, was er dort vorfand. Irgendwo gab es Essbares, das hatte er mitbekommen. Es war nicht zu riechen. Wahllos öffnete er Schränke. Starrte auf die Kaffeemaschine. Schließlich blieb nur noch der fast deckenhohe Kühlschrank.

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Wings-of-Ether machte leise „Whoa!“ als er den Widerstand des Öffnungsmechanismus überwunden hatte und ihm Kälte entgegenfiel.

Ja, Carla hatte davon erzählt. Jeden Tag kamen Pferdekarren vorbei und lieferten Eis in Blöcken, das dann in solchen Schränken benutzt wurde, um das Essen frisch zu halten.

Irgendwie erschien es ihm sehr mühsam, jeden Tag Eis diese riesigen Häuser hochzuschleppen. Aber Carla musste es wissen, Shaun – ihr Wolf – hatte damit sein Geld verdient. Und da Wings-of-Ether Shaun kannte, glaubte er nicht, dass der genug Rafinesse besaß, um sich so etwas auszudenken.

Also gut – das machte klar, dass Jamie wohl zur Oberschicht gehörte, wenn er sich solch einen Lebensstil leisten konnte.

Wings-of-Ether nahm Dinge aus dem Kältekasten, die er für essbar hielt und reihte sie ehrfürchtig auf der Anrichte auf. Öffnete ein paar der bunten Container, roch an deren Inhalt. Nichts, das ihm bekannt vorkam. In einer halbdurchsichtigen Schublade fand er dann ein paar Früchte. Besser.

Als Jamie eine halbe Stunde später aufwachte, hatte sich nicht nur die Kälte des offenstehenden Kühlschrankes durch das ganze Appartment gezogen, sondern auf einem der Barhocker an der Anrichte saß auch ein in Jamie recht bekannte Kleidung gehüllter Satyr und schmierte sich Erdnussbutter und Tubenkäse auf eine Banane.

Nun, vermutlich gab es Schlimmeres, das man beim Erwachen vor Augen haben konnte.


OOC: Und wenn man denkt, es geht nicht mehr, es gibt kein RP in Second Life mehr … dann kommt einfach so eine alte Bekannte angesprungen und man kann etwas improvisieren. Natürlich hält 1:1-RP immer nur begrenzt lange vor. Aber es ist schön, wieder mal etwas völlig Freies angehen zu können. Natürlich ist es in gewisser Weise World of Darkness – aber bisher sind noch keine Vampire oder Garou aufgetaucht. Natürlich könnte Jamie ein Hunter oder Magus sein – aber das wäre dann ein noch unerwachter.

Einfach mal sehen, wo es hinführt. Keine Erwartungen. Schön.

 

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