Heimreise

6. August 2016

Es lag nicht in seiner Natur, sich Sorgen zu machen.

Jeder konnte – sofern er den Grips dazu besaß – für sich selbst sorgen und für alles, was über das übliche Maß an Schwierigkeiten hinausging gab es  … Ja. Gab es dann doch ihn. War es sein Job.

Nicht, dass er darum gebeten hatte. Aber er hatte getan, was getan werden musste, hatte seufzend dort Schutt weggeräumt, wo der Rest schreiend im Kreis gelaufen war und deshalb war er nun derjenige, zu dem alle rannten, wenn sie sich mit dem Hammer auf den Daumen gehauen hatten.

Wer gute Gräben grub, bekam eine größere Schaufel. Ein altes Sprichwort. Und klang auf Katalanisch irgendwie besser. Aber das war schon lange her. Wenn man dem Kalender des jungen Kerls auf der Insel glaubte, 160 Jahre. Ganz schön viel Zeit.

Mr. Smith räusperte sich. Natürlich hieß er nicht so, aber Oberon – auch er hieß nicht so – hatte beschlossen, dass es amüsant wäre, seinen Berater (Schrägstrich Faktotum) so vorzustellen.

„Ihr seid nun sicher, dass der alte Mann der richtige Ausbilder für den Magus ist?“

Oberon machte eine wegwerfende Geste, die Mr. Smith fast von seiner Schulter warf und ärgerlich hin und herhüpfen ließ.

„Ich habe wenig Ahnung von Magiern und ihrem Tun und Lassen. Aber es sieht nicht so aus, als würde der Kerl zulassen, dass seinem Schüler etwas passiert. Und solange mein Sohn mit den beiden herumhängt, wird er sicher sein.“

Mr. Smith klapperte mit dem Schnabel. „Herumhängen …“

„Ja, herumhängen. Ich habe aufgegeben, ihn dazu zu zwingen, etwas aus sich zu machen. Ich habe als Vater in letzter Zeit nicht eben Medaillen eingeheimst.“

Sein Berater sah angelegentlich zu den endlosen Sanddünen, die am Bug vorbeizogen. Sie würden noch einige Stunden segeln, bevor sie den Hof erreicht haben würden. Das tiefe Umbra war eine vielfältige Landschaft ohne Karte.

„Ihr geht gerade in Selbstmitleid auf, Sire.“

„Was war das?!“ Oberons sonst jovial-gelassene Stimme hatte eine scharfe Kante.

„Nichts. Nur eine Beobachtung. Aber wenn ich meine Meinung frei heraus äußern darf …?“

„Wann durftest du das einmal nicht?“

„Ich erinnere an den Zwischenfall mit … ach, egal. Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch die Sache mit Carla nicht so zu Herzen nehmen. Ihr habt einen Thronfolger-“

„Habe ich nicht. Das Kind ist … nun, man weiß nicht, was es ist.“

„Lasst dem Ganzen doch erst einmal Zeit. Bis es erwacht oder auch nicht, habt Ihr einen Thronfolger in spe. Und wenn nicht – nun, Ihr habt noch fünf andere Töchter, die Ihr verheiraten könnt. Das ist doch eine großartige Auswahl. Und der Junge … er mag nicht die größte Kämpfernatur sein – aber das muss er auch nicht. Er ist ein gutes Bindeglied zum Hort der Griffin. Also wirklich kein Grund, sich zu zerfleischen. Außer natürlich Ihr habt doch irgendwo Zweifel an den Motiven dieser Magier.“

Oberon schwieg eine Weile. Das Schiff knarrte leise, der Wind fing sich in der Takelage. Der puderige Sandgeruch der Wüste drang auf sie ein.

„Du hast gehört, was dieser Mr. Red gesagt hat. Er ist zuversichtlich, dass weder Jäger noch Wyrm sie finden können so lange er da ist. Und sobald unser junger Freund Jamie aufhört, bockig zu sein, wird er ihm beibringen, sich selbst zu schützen.“

Mr. Smith lachte leise, was nach einem fröhlichen Krächzen klang. Er schüttelte sich und plusterte die Federkrause. „Bockig. Das stimmt. Er ist die ganze Zeit um diesen alten Schamanen herumgeschlichen, als wollte er ihn durch pure Missbilligung wieder von der Insel drängen.“

„Das täuscht. Oder ist nur Fassade. Ich glaube, dass Jamie sehr verantwortungsvoll und erwachsen ist.“

„Also das Gegenteil von Wings-of-Ether …?“

Oberon seufzte tief. „Ich hoffe zumindest, dass er einen reifenden Einfluss ausüben kann. Noch einen nicht enden wollenden Vortrag seiner Mutter über Erziehung und Förderung durch Fordern ertrage ich nicht.“

Wieder ein Krächzen des Nicht-Raben.

Die Sanddünen begannen dem Delta Platz zu machen. Nicht mehr weit bis nach Hause.

OOC: Bonus-Pic des ungeratenen Sprößlings. Mit Schwimmflügeln auf dem Wassermelonen-Floatie, weil Sicherheit vorgeht, wenn man nicht schwimmen kann.

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