Kreatur

31. August 2016

cerberus

Sigurson biss die Zähne zusammen, atmete flach und so regelmäßig er konnte. Dann griff er fest zu und zog den Zahn des Monsters aus der Wunde in seiner Seite, warf ihn in eine Ecke des Raumes wo er klappernd in einem Bodengitter verschwand.
Es dauerte eine Zeitlang, bis keine Sterncluster mehr vor seinen Augen explodierten, dann zog er sich an den Resten eines alten Heizkessels hoch und lehnte keuchend an der Wand. Der Gestank des toten Fomori dehnte sich immer weiter aus, füllte den ranzigen Raum nun zur Gänze, als sei das Vieh noch unter den Lebenden und würde sich neugierig umsehen.

Verdammt, dafür war er nun wirklich nicht nach New York gekommen. Aber was getan werden musste, musste eben getan werden. „Bekämpfe den Wyrm wo immer er sich zeigt“, das zentralste aller Gesetze. Er hatte nicht vorbei gehen können, als er das Monster bemerkt hatte.

Fragte sich, wo es her gekommen war. Natürlich gab es in einer Stadt dieser Größe tausend Möglichkeiten. Überall hatte sich moderige Verderbnis breitgemacht und wie immer gab es zu wenige, die sie bekämpften.

Sigurson zog die kleine Metalldose aus der Hosentasche, die er eigentlich für Notfälle hatte aufbewahren wollen. Aber eigentlich war ein klaffendes Loch direkt unter dem Rippenbogen schon recht weit oben auf der Notfallskala. Trotzdem … er hatte noch deutlich mehr vor, als irgend ein vielköpfiges Hunde-Rattenmonster zu töten. Deutlich mehr, das auch deutlich gefährlicher werden konnte. Aber er konnte jetzt nicht noch eine Woche warten, bis er von allein geheilt wäre.

Er schraubte den Deckel der kleinen Dose ab und atmete tief den angenehmen, würzigen Geruch ein. Dann griff er mit zwei Fingern hinein, nahm einen Klumpen Salbe auf und verteilte ihn über die Wundfläche.

Wieder ein Besuch der bunten Sternchen vor den Augen. Autsch. Gar nicht mal so angenehm. Aber er konnte fühlen, wie sich die Magie der Salbe mit seinen Selbstheilungskräften verband und sie verstärkte. In zwei Tagen sollte er wieder komplett auf den Beinen seinen.

Er griff nach seiner Glaive, die wieder ihre unauffällige Größe angenommen hatte und hinkte in Richtung des Ausgangs. Als er die Tür öffnete, geriet ihm ein fremder Geruch in die Nase, der bisher vom Wyrmgestank des toten Monsters überdeckt worden war.

Ach ja, der Beobachter. Der nicht in Panik verfallen war. Der sich absolut nicht so verhalten hatte, wie ein normaler Mensch es tun sollte, wenn sich vor ihm jemand in Crinosform begab. Sigurson kletterte die Feuerleiter hinab, atmete zischend durch die zusammengebissenen Zähne. Trotz der Salbe breitete sich der rote Fleck auf seinem Hemd weiter aus. Er brauchte dringend eine Nacht Schlaf.

Der fremde Geruch verlor sich, als er unten von der rostigen Leiter sprang. Sigurson drehte sich in den Wind, schnupperte. Nein, nichts mehr zu finden. Der Junge war im Gewirr der Lagerhäuser verschwunden. Normalerweise hätte er dieses Rätsel weiter verfolgt. Immerhin bestand die Möglichkeit, verlorenes Kinfolk zu finden. Oder etwas weniger Angenehmes.

Aber nicht mehr heute … nicht jetzt. Er musste zurück in die Pension, einfach nur schlafen …

Langsam hinkte er gen Süden, mit den Kräften seines Mondes, des nicht-Mondes, der Phase der Trickser und Spieler, entzog er sich neugierigen Blicken. Fiel nicht mehr auf, verschmolz mit der Szenerie.

Nur eine Spur aus einzelnen Blutstropfen blieb zurück, die sich nach ein paar hundert Metern verlor.

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  1. 31. August 2016 um 12:40 pm

    guck an! Kein Wunder das Sigurson es noch nicht auf die Insel geschafft hat, wenn dem in NY an jeder Ecke Böses begegnet, grins. Oder hat er etwa noch keine Empfangsbestätigung seiner Anfrage?😛

    • 31. August 2016 um 12:59 pm

      Naja, er wird nicht jede Wyrmkreatur in New York angehen, da wäre er wirklich lange beschäftigt.🙂 Aber was ihm direkt vor die Füße läuft und allein zu schaffen ist, wird schon mitgenommen.

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