Startseite > In Character, SL allgemein > Gleichzeitige Dinge

Gleichzeitige Dinge

1. September 2016

Toreador2

Während …

Jamie mehr als nur eilig aber bemüht unauffällig den Club Lethe verließ, den Kopf voller wilder Gedanken, voller Angst und voller Dringlichkeit, dabei aber auch mit Hoffnung erfüllt, weil es endlich möglich war, aktiv zu werden und Isar zu finden. Er hatte mit der Hilfe des Vampirs gesehen … Hatte beiläufige Worte gehört, die ihm den Mund trocken werden ließen vor Furcht – aber die ihm auch Trotz und Energie gegeben hatten. Es war möglich. Er würde den Satyr befreien.

Während …

Sigurson im nach den Ablagerungen der Jahrzehnte riechenden Pensionszimmer einen Stuhl unter die Türklinke schob und einige Minuten mit einem der allgegenwärtigen Rattengeister verhandelte, damit dieser ihn bewachte. Sich daraufhin schwer auf das schmale Bett sinken ließ, die Hand fest auf die Wunde gepresst und in einen Schlaf voll unruhiger Träume fiel.

Während …

ein junger Hunter mit akademischem Eifer und einem unguten Gefühl in der Magengegend Daten durchforstete, um das, was er gesehen hatte, zuordnen zu können (denn Wissenschaft war immer gut zu ihm gewesen).

Während …

Isar jenseits jeden Gefühls und jeder Regung war und nur seine sich regelmäßig hebende und senkende Brust andeutete, dass er noch am Leben war. Um ihn herum gekachelte Finsternis und gelegentlich sich bewegende Schatten.

Während …

Zachary immer noch am Fenster stand und beobachtete, wie die Lichter der großen Stadt nur für ihn blühten. Er griff zum Telefon. Die erste Nummer hatten auf der Welt maximal zehn Kainiten. Als sie ihm überreicht wurde, war er voller Ehrfurcht, denn sie war eine der Ältesten noch … Lebenden aus seinem Clan. Und sie war mächtig und vernetzt genug, um immer zu bekommen, was sie wollte. Doch Zachary hatte gelernt, dass der eiserne Schmetterling nicht geizig war. Und darauf baute er jetzt. Wollte ein Vampir eine längere Reise antreten, erforderte das jedes Mal viel Logistik. Und er hatte definitiv nicht vor, sich von seinem Ghoul als Gepäckstück verschicken zu lassen, nur um der Sonne zu entkommen. Ihre persönliche Nummer. Sie war in New York, also war auch er hier. (Ihr stiller Schatten. Geißel, Kriegsherr und nicht im Geringsten an Kunst interessiert) Und wenn er hier war, wartete seine Gulfstream auf dem Flughafen LaGuardia. „Guten Abend, Madame Xiang. Ich hoffe, Ihr Aufenthalt in den Staaten hat sich zu Ihrer Zufriedenheit entwickelt.“ – „…“ – „Das freut mich zu hören. Ich rufe an, weil beide Bilder fertig sind. Ich konnte gestern das fehlende Stück Zerstörung hinzufügen, das unbedingt notwendig war.“ – „…“ – „Nein, natürlich nicht. Es war mir eine Ehre.“ – „…“ – „Der abgemachte Preis war mehr als großzügig, Madame Xiang. Aber falls es möglich wäre, würde ich gern auf eine alternative Zahlungsmethode zurückgreifen …“

Eine Stunde später gab er Dustin den Schlüssel des Aventador und betrat den Flughafen. Sah sich um, bis er die attraktive, nach einer modernen Version des mittleren Ostens aussehende Dame erspähte, die an ihrem eleganten Blazer unauffällig das Logo von Phoenix and Dragon trug. Sie sah ihn ebenfalls und ein unverbindliches Lächeln malte sich auf ihre Züge, als sie ihn mit einem Senken des Kopfes in Richtung des Gates lotste.

Wieder eine Stunde später war unter ihm nichts als die Finsternis des Atlantik. Der zweite Anruf.

Natürlich hatte er die Nummer. Es war notwendig, jederzeit die Möglichkeit für Melodramatik zu besitzen, wenn man Toreador war. Man zog sich divenhaft zurück, behielt aber die Bühne im Auge. Wie immer ließ der Ventrue am anderen Ende des Meeres sich Zeit. Erwog die Vor- und Nachteile, einen Anruf entgegen zu nehmen. Auch einer der Reibungspunkte. Fast hätte Zachary wütend wieder aufgelegt, als er dann doch die vertraute Stimme hörte. Wie immer bestimmt und völlig ruhig. „Ja?“ – „John … ich bin´s, Zachary. Ich bin auf dem Weg nach London. Sue hat mir angeboten, wieder bei ihr zu wohnen … falls ich länger bleiben wollte. Und ich dachte, wir könnten uns treffen. Reden und so.“

Stille am anderen Ende. In Zachary regte sich Zorn. Auf sich selbst. Es wäre so viel besser gewesen, aus New York anzurufen, bevor er Hals über Kopf aufbrach. Damit hatte er sich verwundbar gemacht. Eine denkbar schlechte Ausgangsbasis für Verhandlungen. Genau so gut hätte er das Gespräch mit „Du hattest Recht und ich Unrecht“ eröffnen können. Und das machte man nicht, wenn das Gegenüber Ventrue war. Zachary biss sich auf die Lippe und schloss die Augen. Wartete auf die unvermeidliche Demütigung.

Aber nicht immer waren Ventrue so berechenbar, wie sie andere gern glauben machten. Die Stille dauerte an, zog sich fast eine Minute. Das leichte Knistern der Satellitenleitung war das einzige Geräusch. Schließlich sprach John.

„Nein, Zach. Du bleibst nicht bei Sue. Ich hole dich ab. City Airport?“

Zacharys Zunge gehorchte ihm nicht, das „Ja“ war eher ein sehr gutturaler Laut.

„Wann wirst du ankommen?“ Johns Stimme war fest und wie immer eine kühle Insel. Zachary schaffte es „Kurz nach sieben“ zu antworten. Ein ungehaltenes Zungeschnalzen am anderen Ende. „Dann eben erst abends. Wir treffen uns im Club. Und … Zach … ich freue mich, dich wiederzusehen.“

Und damit waren vier Jahrzehnte vergangen. Sie hatten Spuren hinterlassen. Veränderungen gebracht. Aber was sind vierzig Jahre schon für die Unsterblichen?

Während all´ dies geschah …

war die Entität in der Ebene sehr zufrieden. Einige Tage war sie in wildem, hilflosen Zorn hin und her geweht, hatte mit ihrer wachsenden Kraft Steine umgestoßen, Pflanzen getötet und Staub aufgewirbelt. Nein, nein, nein! So kurz vor dem Ziel hatten sie es gewagt, es ihr wegnehmen zu wollen! Die Entität hatte ihre ganze Kraft zusammen nehmen müssen, um die Ereignisse zu beeinflussen. Hatte Gedanken und Ideen gepflanzt und Neuronen beeinflusst.

Und schließlich war es gelungen, die Puzzleteile zu verschieben. Das Bild konnte sich weiter zusammensetzen. Die Hindernisse waren fast ausgeräumt. Ja, sie war zufrieden. Bald.

  1. 1. September 2016 um 8:43 am

    Danke für die „Während“!. Die Zusammenfassung tut gut. Schon alleine wegen dem Überblick🙂 Und weil es faszinierend ist wie Du vorplanst und wie Du Deinen Plot ans Rollen bekommst. Weil wir uns ja nicht abgesprochen haben. Ich find’s toll wenn jeder seinen Plot im Kopf hat, aber nur dort. Das bietet dem Gegenpart mehr Überraschungen. Aber von Zeit zu Zeit ist so ein Überblick für die OOC Überlegungen sehr sinnvoll. Du fasst zusammen auf eine Art und Weise, die den Status Quo aller Schauplätze übersichtlich macht, aber keine Spannung stiehlt. Feine Sache.
    Auch wenn ich weniger Nebenschauplätze habe – vielleicht sollte ich mir ein Beispiel daran nehmen und einen Post schreiben indem ich langsam meine Fäden auch etwas ordne🙂 Vor allem, weil das Hostel ja nun steht.
    Es bleibt ein pures Vergnügen :))
    Sollten wir jemals dieses RP zu einem „ENDE“ bringen, (ich meine ein Ende im Sinne eines Roman-Endes, egal ob happy oder nicht, was für ein RP ja eher ungewöhnlich wäre…..), dann werfen wir alles zusammen, runden es schriftstellerisch ab, und suchen uns einen Verlag, hehe!
    Klingt selbstzufrieden?
    Klar. Aber da ich das nur einmal alle Schaltjahr bin, ist das legitim😉

    • 1. September 2016 um 8:47 am

      Jede Geschichte hat ein Ende. Man muss es nur finden.🙂 Und man muss den Mut haben, danach zu greifen.
      Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir das schaffen!
      und zum Glück gibt es einen unendlichen Vorrat an Geschichten.

      • 1. September 2016 um 3:50 pm

        🙂 Stimmt. Da wir nur wenige sind kann man das beschliessen. Normal in SL wäre das ein RP sich so lange fortsetzt bis niemandem mehr was einfällt. Aber das müssen wir ja nicht. Ich bau derweil mal den Ort an dem Isar gehalten wird, lol, its my turn mit Bauen.

  1. No trackbacks yet.
Kommentare sind geschlossen.
%d Bloggern gefällt das: