Das Orakel

19. September 2016

Orakel

Ein Geist ist immer nur eine Manifestation. Einer Kraft, eines Bedürfnisses, einer Idee. Auch dieser silberblaue, echsenartige Feendrache war keine Ausnahme. Er existierte, um zu beobachten.

Zunächst war ihm das sehr leicht gefallen. Er hatte seinen Auftrag bekommen und war losgezogen. Hatte durch den Schleier gespäht und sich alles gemerkt. Eine einfache Sache, die ihm eine einfache Belohnung einbrachte. Er ließ den Boten in regelmäßigen Abständen in seinen Kopf sehen und bekam dafür schmackhafte Krümel reiner Energie.

Dann war es schwieriger geworden. Der, den er beobachtete, war zu oft zu nah an einem Caern. Und dort war nicht nur der Geist stärker, sondern auch der Schleier dünner. Am Anfang noch kein Problem, hatte das fortschreitende Erwachen des Magus aber schließlich dazu geführt, dass er den Geist hatte sehen können.

Und nun? Das war nicht im Auftrag enthalten. Die Krümel waren nicht groß genug, um so viel Risisko zu rechtfertigen. Also hatte der Geist sich zurückgezogen – als letztes war nur noch sein Lächeln in der Luft gehangen – und beschlossen, dass er sich neue Instruktionen holen würde.

Das war schon sehr viel Eigeninitiative und nicht selbstverständlich. Rechtfertigte deutlich mehr Krümel.

Er zwängte sich durch den zweiten Schleier und wollte gerade in Richtung des Sandmeeres aufbrechen, als sich Schwärze über ihn senkte und ihn schluckte.

Sich wieder hob.

Nichts mehr.

Während dessen … sprach an einem Ort, der so weit jenseits der Welt lag, wie wir sie jeden Tag wahrnehmen können, dass nicht einmal Physik dort mehr ihre Berechtigung hatte … ein Orakel aus den Flammen zum Magus.

Machte ihn wütend. Was nur natürlich war, denn es ist die Natur der Weissagung, dass man Frage und Antwort nicht zur selben Zeit kennen kann. Aber der Magus wollte nicht das „vielleicht“ und das „er selbst sein“. Er wollte Konkretes. Was das Orakel natürlich nicht bieten konnte.

Konkretes gibt es nur im Stillstand.

In der Schwärze, die Geister und Materie schluckt. Die wartet und zufrieden summt.

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  1. 19. September 2016 um 4:31 pm

    Du schaffst es immer wieder, mich zu überraschen.😉

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