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Wenn sich Geschichte wiederholt …

23. September 2016

Für Echtgeld kaufbare Pakete mit ein paar sehr schönen kosmetischen Gegenständen, Mounts und Pets, dazu ein Haufen unbeliebter Consumables, das ganze sehr zufällig und mit „the house always wins“-Dropchancen der begehrteren Dinge. Kommt einem bekannt vor, oder? Nur, dass es sich diesmal nicht um das drölfzigste Kartellpaket in SWTOR handelt, sondern dass TESO jetzt auch noch mit dem Mist anfängt!

Bisher konnte man im TESO Crown Store genau sehen, was angeboten wurde und sich im vollen Bewusstsein, das zu bekommen, was man möchte, etwas zulegen. Es gab ein paar zeitlich begrenzte Angebote – aber im großen und ganzen war alles sehr übersichtlich. So, wie man es sich als Spieler (und Kunde) eben wünscht. Keine Katzen in Säcken, keine Frustration, keine Abhängigkeit von Fortunas Launen.

Vor ein paar Wochen wurde dann angekündigt, es gäbe nun mit dem nächsten Update auch Crown Crates. Die aber nur eine Chance wären, zufällig auch die früheren, zeitlich limitierten Gegenstände zu bekommen. Immer noch Glücksspiel, aber wer die limitierten Angebote schon vorher nicht hatte haben wollen, würde bequem verzichten können.

Dann kam heraus, dass auch einige wenige „exklusive“ Dinge in den Crates sein würden. Der Unmut der Spielerschaft brach sich in einem über hundert Seiten langen Thread im Forum Bahn, der von Zenimax geflissentlich ignoriert wurde.

Man könnte diesen Monsterthread (meiner Beobachtung nach gab es im offiziellen TESO-Forum noch nie einen nicht-sticky-Thread mit dieser heftigen Beteiligung) als Ausbruch von „ich will alles für lau“-Gesellen betrachten, die immer nur das Schlimmste sehen und bei denen das Glas nicht nur halb leer ist, sondern denen auch mindestens noch ein Besoffener ins Bier gepisst hat, als sie nicht hingesehen haben.

Könnte man. Wenn die Crown Crates nicht vor kurzem auf den Test Server gekommen wären. Und der Feedback-Thread dazu nicht das Vernichtendste wäre, das ich je in einem MMO-Forum gesehen habe. Eine wirkliche und absolute 100%ige Ablehnung. Kein gutes Haar bei niemandem.

Konkreter: Man bekommt aus den Crates zu 75% Consumables. Also Tränke, Gifte und dergleichen. Dazu muss man wissen, dass die selbst herstellbaren Versionen in TESO immer besser sind als die gekauften. Man erhält also zu drei Vierteln Dreck. Der nichts tut, als einem das Inventar zu verstopfen. Einige Dutzend Spieler haben sich die Mühe gemacht, die Drops aus ihren Testcrates in ein Excel-Sheet zu übertragen. Und es ist wirklich ein Massaker.

Selbst wenn man die überflüssigen Verbrauchsgegenstände herauslässt, ist die ganze Veranstaltung ein Desaster. Denn von wegen „einige exklusive Gegenstände“ … Nein, jedes einzige ge-dataminete Mount, jedes Pet ist nur noch in den Crates zu finden. Ich hatte mich furchtbar auf den roten Pit Wolf gefreut …. Crown Crate. Riesenhirsch? Crown Crate. Wolfswelpen-Pet? Crown Crate. Masked Bear Dog? Jup, Crown Crate.

Und jetzt kommt der ganz besondere Clou: Im Gegensatz zu SWTOR kann man bei TESO im Shop erworbene Gegenstände nicht mit anderen Spielern handeln. Bedeutet: Wer sich keine Crown Crates kauft, hat auch überhaupt keine Chance, die darin versteckten Gegenstände auf irgend einem anderen Weg zu bekommen. Kauf´ das Zeug, du Lurch, oder vergiss´ deinen Pit Wolf!

Ein Feigenblättchen hat Zenimax eingebaut: Bekommt man ein Duplikat eines schon in der Sammlung befindlichen Gegenstandes, erhält man statt dessen Gems. 400 davon kann man dann gegen eines der Mounts eintauschen, für die gewöhnlichsten Pets braucht man wohl 16. Und wie viel Gems bekommt man pro Duplikat? 5 bis 15. Und die 15 auch nur für die legendärsten aller legendären Mounts. Ein User hat ausgerechnet, dass man so bei durchschnittlichem Glück/Unglück etwas über hundert Dollar braucht, wenn man ein bestimmtes der mittelmäßig seltenen Mounts haben möchte.

Und natürlich sind die Crown Crates zeitlich nur begrenzt erhältlich, bevor es eine neue Sorte davon gibt.

Ich habe mich mit den Jahren ja an einiges gewöhnt, was die Geldgier von Publishern den Spielern so zumutet. Aber das schlägt selbst EA/Bioware um Längen. Hut ab, Zenimax – ihr habt euch aus dem Stand in den Olymp der Arschgeigen katapultiert.

Ich liebe den Überraschungsei-Effekt. Aber ohne die Möglichkeit, auf alternativen Wegen an gewünschte Gegenstände zu kommen (sei es nun in dem man es von anderen Spielern oder direkt im Shop kauft), ist dieses Crown Crate-System einfach nur eklige Moppelkotze.

Zeit, wirklich auf Star Citizen umzusatteln.

Und natürlich weiter in Second Life herum zu RPn. Ja, auch in Second Life spiele ich Gachas, weil ich auf das Zufällige stehe. Aber da gibt es Yardsales und ich kann genau das kriegen, was ich will. Spielspaß plus gewünschtes Ergebnis. So macht man das.

  1. 23. September 2016 um 8:58 am

    „Ja, auch in Second Life spiele ich Gachas, weil ich auf das Zufällige stehe. Aber da gibt es Yardsales und ich kann genau das kriegen, was ich will. Spielspaß plus gewünschtes Ergebnis. So macht man das.“
    Und was lernen wir daraus wieder einmal?
    SL ist nun einfach und ergreifend kein „Spiel“. Nie gewesen. Und wird es auch nie sein.
    Die meisten der online free to play Spiele sollten eigentlich ein neues Label bekommen: „Free to play. Spielvoraussetzungen: Hohe Frustrationstoleranz und Freude am Verarschtwerden“.

    • 23. September 2016 um 9:13 am

      Doch, SL ist ein Spiel! Immer gewesen.🙂
      „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“ J. Huizinga, Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel.
      Trifft für mich SL absolut. Die unbedingt bindenden Regeln sind hier die Begrenzungen des virtuellen Raums und der Austausch von Gütern/Linden.
      Ich ginge sogar so weit, SL als MMORPG zu bezeichnen, wofür mir aber vermutlich 50% der Spieler den Kopf abbeißen würden, weshalb ich das ganz für mich behalte.😀

      Prinzipiell kann man TESO ja auch völlig ohne den Crown Store auch nur anzugucken spielen. Die Sachen dort sind ja rein kosmetischer Natur. Aber ich steh´ nunmal darauf, einen möglichst gut aussehenden Pixelhaufen mit möglichst schickem Untersatz durch die virtuelle Landschaft zu schaukeln.

  2. 23. September 2016 um 9:35 am

    Veto. Ich habe nicht gesagt das SL nicht AUCH ein Spiel ist. Aber es ist nunmal nicht nur ein Spiel sondern weitaus mehr. Und das bezieht sich sowohl auf die Firmenpolitik von Linden Labs als auch auf die Nutzbarkeit der Platform SL an sich. Soll heissen: Man möge es nicht auf seine „Unterabteilung Spiel“ reduzieren sondern die Gesamtheit sehen. Und die Profite von LL unterscheiden sich wirtschaftstechnisch eben gigantisch von denen eines handelsüblichen mmorpg.
    Es ist bei allen mir bekannten Spielen einfach und ergreifend ein Normalzustand, dieses „Zahl oder sei ein Spieler zweiter Klasse“. Freiheit ist nicht. Nicht als free to play.

    In dem Zusammenhang, und weil Du Star Citizen erwähnst – ich fände es spannend zu erleben was passieren würde wenn LL mal ein Fundraising Projekt starten würde :))

    • 23. September 2016 um 9:44 am

      Nun ja, dass Linden mit SL nicht so viel Kohle macht wie Blizzard mit WoW oder EA mit SWTOR liegt auch daran, dass sie ihr Finanzierungsmodell an die Wand gefahren haben und es nun nicht mehr ändern können! Hätte es diese astronomischen Landpreise nie gegeben, wäre SL heute immer noch so groß wie 2009.
      Ganz ohne Geld bist Du in SL aber auch nicht der große Käs. Klar, es gibt eine Menge Freebies – aber der gute Stoff bleibt – wie in jedem MMO – hinter einer Paywall. Die Parallelen sind definitiv größer als die Unterschiede (das ganze l’art pour l’art stirbt einen langsamen Tod, das kannst Du stetig bei Maddy nachlesen, was mal wieder geschlossen hat).
      Anscheinend definiere ich „Spiel“ einfach freier und größer, weshalb ich SL auch in seiner Gesamtheit und einschränkungslos als solches betrachte. Selbst die großen, kommerziellen Content Creators sind nur eine Mikroversion „normaler“ Developer. Soll heißen: Entwicklung hat Linden outgesourced aber das Prinzip bleibt gleich: Das Anbieten virtueller Inhalte um das Spielerlebnis zu verschönern.

      Aber ich habe kein Problem dazu zu nicken, dass Du das anders betrachtest. Ich vermute, das ist auch eine Frage des Blickwinkels, der aus Sozialisation entsteht. Und da sitzt bei mir eben alles seit der Playstation (die erste hieß sogar so!) dahinter und hat mich geprägt.

  3. 23. September 2016 um 9:49 am

    Haha okay, dann ist es wohl ein generationsabhängiger Blickwinkel. Ich meinte aber mit „wirtschaftstechnisch gigantisch unterschiedlich“ nicht etwa die Summen der Gewinne. Ich bezog mich da eher auf die Art und Weise wodurch und wieso Gewinne gemacht werden.

    Second Life ist für mich in erster Linie eine soziale Platform und eine riesige Sandbox. Und erst an dritter Stelle rangiert das „Spiel“
    Hast Du eigentlich jemals in „Dragon’s Prophet“ reingeschnuppert?

    • 23. September 2016 um 10:16 am

      Sandbox-Games gab es ja auch vor SL. Ultima Online zum Beispiel. Oder Star Wars Galaxies. Natürlich ist SL der ungekrönte König der Sandbox-Spiele, da kommt nix drüber.
      „Soziale Plattform“ ist etwas, das heutzutage jedes Game bietet, da verschwimmen die Unterschiede zunehmend.

      Dragon´s Prophet gefällt mir grafisch nicht, das kommt mir zu angestaubt rüber. Obwohl das Thema interessant klingt.

  4. 23. September 2016 um 10:37 am

    Klar, es ist ja auch drei Jahre alt glaub ich. Ich bin da aber recht langmütig. Weil ich mit meinen alten Rechnern eh immer hinterher hinke😉
    Ob jedes Game eine soziale Plattform bietet ist Definitionsfrage. In handelsüblichen mmorpgs sind die meisten Menschen unterwegs um dem Spiel zu folgen, ihren Char zu leveln, in Gilden unterwegs zu sein. Das hat für mich nicht den „soziale Platform“ Aspekt. Der besteht bei mir eher in „zusammen in einem virtuellen Wohnzimmer hocken und über Gott und die Welt philosophieren, Freundschaften schließen“. Also alles was spieltechnisch gesehen eigentlich ooc ist.
    Das nimmt, da ich ja seit ich hier wohne wo ich nunmal RL wohne, einen großen Raum in meinem SL ein. Schlicht und ergreifend weil ich HIER im Gegensatz zu meinen vorherigen Wohnorten niemals einen Bekannten- und Freundeskreis schuf. Für mich ist SL diesbezüglich tatsächlich „Leben“ im Sinne von Kontakte zu Menschen haben. Denn hier vor Ort im RL gibt es nur einen einzigen Kontakt. Alle anderen RL Freunde sind räumlich sehr weit weg und nicht erreichbar.
    Das setzt natürlich einen völlig anderen Blick auf SL als wenn ein Mensch eine Arbeit und einen RL Freundeskreis hat, so wie es normalerweise auch sein sollte.

    Und was die Sandboxen angeht – ich hab kein einziges anderes Sandbox Spiel gesehen in dem man die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten hätte wie in SL. Da hapert es für mich meist schon an der Grafik. Klar kann man den Kölner Dom auch in Minecraft bauen. Aber ob mich das befriedigen würde?🙂

  5. 27. September 2016 um 9:36 am

    Das mit den bescheuerten Kisten haben die sich von den Asia Games abgekupfert. In jedem der Games gibt’s sowas (ich sehs gerade in Tera). Die Leute kaufen die aber auch wie bescheuert, weil die halt für kleines Geld weggehen, das die Leute aber am Ende mehr ausgeben als wenn sie sich das gesuchte Teil (Begleiter, Reittier, Waffe oder Kleidung) so kaufen, fällt denen gar nicht auf. Ich habs 2x probiert, nur Mist bekommen und gebe da echt lieber 200 Taler aus um annähernd das zu bekommen was ich möchte, als das ich 100 mal 19 Taler verschwende und nur Mist bekomme.
    Annähernd deshalb, weil die drei Arten von Kisten haben…. einmal die für richtig Kohle, dann bekommste genau das was du willst, dann Kisten für kleineres Geld den Artikel bekommst den du willst, nur weißt du nicht was für Stats die haben werden (Begleiter z.B. können dann entweder Recourcen sammeln, oder die Drops oder sie erweitern dein Inventar um 72 Plätze. Reittiere können nix haben, schnell sein, LP beim Reiten aufbauen oder MP beim Reiten aufbauen).
    Aber wenn ich sehe wie viele Leute sich diese „Überraschungskisten“ kaufen (und das nur aufm rein deutschen Server). Dann wundert es einen nicht, das andere Gamehersteller mit so was nachziehen.

    • 27. September 2016 um 9:43 am

      Klar, die Scheiße funktioniert. Aber muss man denn alles nachmachen?
      Ich hoffe, TESO nimmt sich nicht auch noch ein Beispiel an dieser Asia-Pädografik!

      Aber im Ernst. Diese Kisten sind okay, sobald man noch alternative Methoden hat, an „exklusive“ Inhalte zu kommen. Wie eben z.B. das GTN in SWTOR. Aber das geht in TESO nunmal nicht. Weshalb ich mir mein Red Pit Wolf Mount fesch in die Haare schmieren kann.
      Hoffentlich bewirkt das zu 100% negative Feedback ja etwas.
      Haha, Späßle g´macht.

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