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Dorthin und nicht wieder zurück

8. November 2016

The Journey
Man suchte es sich nicht aus. Im Gegenteil – es suchte einen aus. Hielt einen fest und riss mit sich, ohne sich darum zu kümmern, was das ungefragte Opfer eigentlich für Wünsche hatte. Es. Dieses Magus-Sein. Diese Gabe, die es wirklich nicht leicht machte, sie zu mögen.

Sie sprang und biss zu. So wie jetzt gerade. In Jamies Träumen. Dort, wo er dachte, ganz bei sich zu sein, ganz in ihm. Ein Überfall im intimsten Bereich.

Aber manchmal kam so ein Überfall, so eine feindliche Übernahme mit einem unerwarteten Bonus. Wenn man den Mut – und die Muße – hatte, sich darauf einzulassen.

Mut … ein Fall ins Nichts aus dem warmen Dunkel des traumlosen Schlafes, der Jamie von den Schrecken der letzten vierundzwanzig Stunden hatte wegbringen sollen. Ein Fall ins Licht, in einen Himmel, der sich smaragdgrün in alle Richtungen erstreckte. Die erste Panik legte sich, als Jamie erkannte, dass er schwerelos war. Dass er steuern konnte, was er tat und nicht wirklich fiel sondern eher … dahinglitt. Ein Blatt im Wind.

Er drehte sich ein wenig, sah sich um. Die Luft war sommerlich, das Aroma von Baggersee und Kindheit. Seltsam tröstlich und umfangend wie die Arme der Mutter, die einen nach dem Planschen in ein Handtuch wickelte und Caprisonne aus dem Picknickkorb holte. Was hatte das alles mit …? Mit irgendetwas, völlig egal, zu tun? Jamie schwebte auf der Brise. Unter ihm tauchte Land auf. Ein langer Streifen im endlosen See.

Mit ein wenig geistiger Anstrengung, einem Ausstrecken unsichtbarer Fühler, trieb er dorthin. Das Licht veränderte sich, ein Rostbraun mischte sich in die Atmosphäre. Für einen Moment verlor der Magus die Kontrolle, wurde abwärts gezogen und landete hart auf dem sandigen Boden, ohne ihn wirklich fühlen zu können. Er befand sich in einer Ruinenlandschaft. Ein seltsam markanter Punkt, als wäre es dem Traum wichtig, genau darauf hinzuweisen.

Jamie richtete sich auf, sah sich um. Die Weite des Binnenmeeres (oder was immer diese Menge Wasser war) und ein wenig Land, das sich weiter hinten im Dunst verlor. Jenseits einer kleinen Klippe hörte er das Rascheln von Laub und die Bewegungen kleiner Tiere im Unterholz. Gerade als er sich darauf konzentrieren wollte, machte es in einem der Ruinenbogen „fwump“ und aus einem weißen Riss im Nichts zwischen hier und dort stürzte ein riesiges Wolfswesen. Jamie zuckte instinktiv zurück, bevor er den Garou erkannte, den er vor nicht ganz zwölf Stunden im Land hinter dem Schleier in … ja, genau so einem weißen Riss hatte verschwinden sehen.

Doch der Riss schloss sich nicht sofort hinter dem Monster, das sich gerade von der braunen Erde aufrappelte. Statt dessen wirbelte die Luft noch weiter und spuckte einen winzigen, schwarzweißen Welpen auf die Brust des Werwolfes.

Ein weiteres „fwump“-Geräusch, das die Ohren tief in den Schädel trieb, dann gab es keinen Riss mehr.

Aber das Verschwinden der Erscheinung hätte Jamie kaum egaler sein können. Der Welpe! Eindeutig …

Die plötzlich über ihn spülende Welle der Hoffnung und Erleichterung riss Jamie fast von den Füßen. Der Welpe! Isars Seele war nicht fort! Mit einem fast tierischen Laut der Freude wollte er auf die Beiden zustürzen, doch als würde ihn die Hand eines Riesen am Genick packen, wurde er weggerissen. Hilflos streckte er die Arme aus, aber wie ein Blatt im Herbstwind wirbelte er in den Himmel.

The Journey

Nur um fast augenblicklich wieder herauszufallen. Die Farbe des Traumes hatte sich wieder in das sanfte, beruhigende Grün gewandelt und das Land unter ihm schien fast bukolisch friedlich, kleine Tempel und eine wild-romantische Felsenküste.

Aber kein Anblick der Welt hätte Jamie in diesem Moment gefallen können. Wütend schrie er ein trotziges „Nein!!“ in den gleichgültigen Himmel, bevor er wieder auf dem Boden aufprallte, ohne etwas zu merken. Verdammt! Wie sollte er nun …

The Journey

„Hey, Magus? Bist du das?“

Jamie sah sich um. Der Wolf! Diesmal in der menschlichen Form, die er zuerst auch am Caern gehabt hatte. Und in seiner Armbeuge der Welpe, der müde und verwirrt wirkte. Nein, er hatte nicht mit ihm geredet, sondern sah den kleinen Hund an. Der wild zu bellen begann.

Ja! Es musste Isar sein! Nur der Satyr würde so reagieren. Jamie rannte auf die beiden zu, setzte zu einer Erklärung an … aber sie beachteten ihn nicht! Er schien unsichtbar für sie. Verdammt, verdammt, verdammt!

Jamie wedelte mit den Händen vor dem Gesicht des großen Mannes, doch der blinzelte nicht einmal.

„Ich werde dich Mini-Me nennen“, sagte der Wolf statt dessen zum Welpen. Und fügte absurderweise noch zwei Zeilen aus Tennysons „Lotus eaters“ hinzu. Dann kraulte er den kleinen Hund in seinem Arm, schulterte das Schwert von der Größe Neuenglands und begann, die Küste entlangzustapfen.

Natürlich ohne Jamie auch nur eines Blickes zu würdigen.

Der Jungmagus wollte hinterherrennen, wollte sehen, wohin der Garou seinen Satyr schleppen würde … aber da fühlte er auch schon wieder den Ruck im Genick, wurde davongezerrt. Er brüllte vor Zorn und ohnmächtiger Verzweiflung. Aber nichts half, das Dunkel schloss sich um ihn. Das letzte was er sah war die Form der Küste. Er würde … sie … wiedererkennen. Jederzeit … finden …

Der durch Sand und Steine stapfende Wolf mit dem winzigen Welpen ….

  1. 8. November 2016 um 1:59 pm

    Yaaaaay!🙂
    haha da dachte ich Du sprichst von einer Notecard als Du vom Traum sprachst. Aber DAS hier ist ja noch viel geiler. Und wozu hat man schließlich eine „reblog“ Funktion?
    Mal wieder super ausformuliert, diese krasse Traumsituation wenn es sooooo wichtig wäre mit den anderen im Traum zu reden, aber man einfach unsichtbar ist…….auch sehr schön aufgefangen, wie Jamie mit seiner Gabe hadert. *durchwühlt die Schublade nach Gegenständen die sich potentiell als Orden eignen tuen täten…..:)

  2. 8. November 2016 um 2:06 pm

    Hat dies auf FormwandlerLust rebloggt und kommentierte:
    …und wenn man denkt es geht nicht mehr…….
    kommt Zasta mit einem Traum daher. Wenn das nicht geil ist!
    Zasta muss wohl ’ne Art Schicksal sein, denn dieser Traum wird meinem Jamie absolut Auftrieb verleihen! Aber lest selbst……

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