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Die zweite Wache

16. November 2016

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Die Unwägbarkeiten dieses Reiches beinhalteten auch meteorologisches Durcheinander. Ein Ausgang der Höhle zeigte Schneetreiben vor dem irreal-kupferfarbenen Nachthimmel, während auf der anderen Seite seltsame Pflanzen blühten und ihren viel zu betörenden Duft hereinschickten.

Sigurson hatte die Wache übernommen und saß mit halb geschlossenen Augen aber hellwachen Sinnen an der Felswand. Lauschte und roch nach draußen. Er war schon vor dem Schlafen in Crinos gegangen. Einserseits, weil es natürlich deutlich wärmer war und er im Falle eines Angriffs nicht erst die Form würde wechseln müssen, andererseits aber auch, weil er diese Zuflucht nun nicht mehr nur mit dem Welpen teilte, sondern auch mit einem Magus.

Magier waren in zwei Kategorien einzuteilen: Die einen jagten und töteten Wölfe, wo sie nur konnten und die anderen gingen völlig respektlos mit der Energie um, die sich in Caerns sammelte. Beide Sorten waren also nichts, was Sigurson als besonders erbauliche Gesellschaft betrachtet hätte.

Jamie gehörte eindeutig nicht zur jagen-töten-Sorte. Und selbst wenn er es tun würde … er war viel zu grün hinter den Ohren, um Sigurson etwas anhaben zu können. Und zu sehr damit beschäftigt, den Welpen wie ein Stofftier im Arm zu halten und davon jenseits von entzückt zu sein.

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Er war das Ticket nach draußen. Denn in drei Tagen Wanderung hatte der Wolf noch immer keinen Weg entdeckt, der das tiefe Umbra verließ. Und noch keinen Geist, der ihm hätte helfen können. Aber wenn man eins über Magier sagen konnte, dann dass sie rücksichtslos durch sämtliche Schleier frästen und damit sehr effektiv von A nach B kamen. Und in diesem Fall würde eben der Zweck die Mittel heiligen.

Außerdem war der Babymagier ein großartiger Köder für den Plagengeist in seinem nagelneuen Satyranzug.

Was für eine absurde Geschichte! Eine Wyrmkreatur, die sich im Körper eines Fey breit gemacht hatte und damit in der realen Welt Amok lief, während die Seele ihres unfreiwilligen Gastgebers hier in Welpenform auf der Brust des Magus schlief.

Dass das Monster aufgehalten werden musste stand außer Frage. Und dass Not seltsame Bettgenossen produzierte war ein sehr zutreffender Allgemeinplatz. Sie mussten hier raus und dann so schnell wie möglich nicht nur Kontakt zu allen verfügbaren Verbündeten aufnehmen (sollte der Magus allerdings glauben, dass Sigurson mit einem Lich auch nur im selben Raum sein würde, ohne dass Achterbahn wäre, hatte er nicht alle Latten am Zaun), sondern überhaupt erst einmal herausfinden, wo das Wyrmvieh herumschlich und was es plante. Dass es etwas Größeres war, stand außer Frage. Diese ganze Scharade war viel zu lange vorbereitet, um als die Spielerei eines verrückten Geistes durchzugehen.

Sigurson seufzte und dehnte die verspannten Schultern. Es sah nicht so aus, als würde er in absehbarer Zeit Urlaub machen können.

  1. 16. November 2016 um 2:10 pm

    hehe der arme Wolf, nu muss er einen Magus tolerieren wenn er nicht im tiefen Umbra festhängen möchte. Bittere Zeiten, indeed🙂

    • 16. November 2016 um 2:24 pm

      Zum Glück ist er Ragabash – die moralisch flexibelste Mondphase.😀

      • 16. November 2016 um 2:40 pm

        lol ja, zu Jamie’s großem Glück. Sonst könnte man den Jungmagus inzwischen vermutlich schon scheibchenweise vom Boden abkratzen.
        Diesbezüglich isser ja endlos naiv, unser Magus. Der glaubt so lange an das Gute in jedem Wesen, bis er eins auf die Zwölf kriegt.

        • 16. November 2016 um 2:42 pm

          Und es wirkt ja! Jeder ist maximal verwirrt und glaubt, dass ein Magus, der so sorglos daherkommt, ein mordsmäßiges As im Ärmel haben muss.

          • 16. November 2016 um 2:56 pm

            Hehe ja. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, Tod und Teufel nicht zu fürchten: Totale Unbedarftheit oder eben ein gutes As im Ärmel. (abgesehen von suizidalen Tendenzen).

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