Splitter

11. Dezember 2016

Während …

Zachary sich im Bett umwälzte und mit einer sehr gelangweilten Bewegung die Lautstärke der Anlage nach oben drehte, auf dass Lemmy Kilmisters Stimme seinen ganzen Körper beben ließ. Seine Wunden sich langsam schließen fühlte und die kalten Blutstropfen des Entzugs, der ihn schüttelte, aus jeder Pore dringen spürte. Dunkelheit vor seinen Augen, seine Zunge ein trockener Schwamm in seinem Mund.

God was never on your side …

Nein, war er nicht. Sein Herz raste, ohne dass er ihm befohlen hätte zu schlagen. Verdammter Heroinaffe … er bekam nicht das richtige Blut. Nicht … richtig. Viel zu sauber. Rein. Klar. Seine Adern schrien nach dem Schmutz, nach der Schwärze. Nach dem Leid, das sich in perfekter Harmonie aus den Süchtigen dieser Welt in seine Kehle ergoss.

Warum nur das falsche Blut … warum? Ihn am Leben erhalten – am Unleben – und ihn dabei wünschen zu lassen, zu ersticken.

Während …

Sigurson sich in Wolfsform dreimal im Kreis drehte und nur halb wach die Geräusche des schlafenden Hauses wahrnahm. Minnies gleichmäßig tiefe Atemzüge im Bett vor dem er auf dem flauschigen Vorleger lag. Das Knacken eines Scheits im herunterbrennenden Kamin im Wohnzimmer. Das leise Japsen des träumenden Welpen einen Raum weiter.

All das war harmlos. Beruhigend. Warm und winterlich. Sigurson driftete wieder in einen Traum, in dem sein Fell so schwarz war wie das seines Rudelführers, in dem ein Ballsaal hell von Kerzen erleuchtet war … in dem alles anders und vergangen war.

Während …

John seine kühle Geduld wahrte, während der Mann, von dem er sich Auskunft erhoffte, affektiert seinen albernen Zylinder abstaubte, der das weiß geschminkte Gesicht krönte wie die absurdeste aller Prinzessinnentiaras. Darauf wartete, dass der Malkavianer ihm das Ziel des Dämons verriet, das die Omen ihm geschickt hatten. Nein, bei weitem nicht so verrückt, wie er seine Umgebung gern glauben machen wollte. Das Zirpen der Grillen, die auch im Winter das Delta nachts mit ihrer Musik erfüllten, stopfte Johns Kopf mit Watte aus, machte es ihm schwerer und schwerer, sich zu konzentrieren. Er erlaubte sich ein Zeichen der Schwäche, kniff sich mit Daumen und Zeigefinger in die Nasenwurzel. Sein Gegenüber lächelte, was der aufgemalte Schädel nur unterstützte. „Du hast keine Zeit mehr, Mr. Watson?“ – „Doch. Natürlich habe ich das, Navigator. Alle Zeit der Welt.“

Ein freundliches Nicken, ein Winken der narbenübersäten, dunkelhäutigen Hand. „Sehr schön. Großmutter sagte mir, dass das Ziel deines Ziels sowieso außerhalb unserer Reichweite liegt.“ Wieder ein breites Grinsen, Zähne wie marmorne Gräber. „Aber bald wird es bei uns sein?“ – „Was meinst du damit?“

Eine allumfassende Geste. „Ist es nicht wundervoll? Er sammelt Kräfte – und dann bringt er uns ein Tor nach Arkadien!“

Er hatte nicht nach Luft schnappen wollen, tat es aber unwillkürlich, presste die Luft zischend zwischen den Zähnen hervor. „Arkadien! Das kann er nicht schaffen! Damit wird alles zusammenbrechen. Der Krieg wird sich ausbreiten!“

Eifriges Nicken des Malkavianers. „So sieht es aus. Du solltest also wirklich dafür sorgen, dass die beiden den Riss heilen.“ – „Die beiden?“ – „Ja natürlich. Der Hierophant und der Stern.“

John kniff die Augen zusammen. Kämpfte gegen die Regung, mit Dominate nachzuhelfen, dem Navigator die Würmer aus der Nase zu ziehen. „Hilf mir, das zu verstehen.“ – „Aber sicher. Du wirst ihnen sagen, dass …“

Während all dies geschah …

Tanzte der Dämon im irrlichternden Schein eines brennenden Lagerhauses am Hafen der riesigen Stadt. Barg das Artefakt in seinen Armen und küsste es auf die zuckende Nase.

Trat in völliger Gleichgültigkeit über die blutenden Körper unter seinen Füßen, die sich langsam veränderten, als der Tod sie holte.

For there is no heaven in the sky …

Hell does not wait for our downfall …

Advertisements
  1. 11. Dezember 2016 um 5:17 pm

    hust.
    Um ein Kirchenlied mal etwas umzutexten: „Ich bete an die Macht Deiner Rhetorik.“
    Mal wieder genial.
    Und mehr Inhalt als meine langatmigen, bis zum Umfallen ausgeschmückten Ergüsse……“lern auf den Punkt kommen“ sagte Opa. Hätt mal auf ihn hören sollen.

    • 11. Dezember 2016 um 5:19 pm

      Ich mag Deine langen Zusammenfassungen! da passt so viel mehr rein. 😀

  2. 11. Dezember 2016 um 5:23 pm

    Ja aber du bringst den doppelten Inhalt auf die halbe Länge, grins. *neidisch guck*
    Und – hey, ich bin gespannt was Jamie von John erfahren wird. Der Stern und der Hierophant – hast mit Deinen Tarot Karten gespielt?

  1. No trackbacks yet.
Kommentare sind geschlossen.
%d Bloggern gefällt das: