Startseite > In Character, SL allgemein > Über den Dächern …

Über den Dächern …

22. Dezember 2016

Die Wetteranomalie hatte nicht nachgelassen. Trotz der klirrenden Kälte rund herum, regnete es. Genau hier. Über diesem Haus. Poetisch veranlagte Wölfe hätten von „Gaias Tränen“ gesprochen. Aber der einzige Wolf, der derzeit in der Nähe war, war das Gegenteil von romantisch. Er hatte sich ins Umbra verzogen, schützte sich mit mehreren Geistern und spähte nur manchmal sehr vorsichtig heraus, um nachzusehen, was der Dämon trieb.

Ja, der Dämon …

Nun, der Dämon hatte Zeit und gleichzeitig wiederum nicht. Er hatte das Tor in seinem Besitz und musste nur noch herausfinden, wie er es aktivieren konnte. Dann stünde ihm Arkadia offen und damit alle Möglichkeiten, die die legendäre Sphäre bot. Plus natürlich alles, was man dann zur Unterhaltung auf dieser Seite des Schleiers würde anstellen können.

Es war gut gelaufen. Sehr gut. Noch vor ein paar Wochen war er nichts als ein hilfloses Wispern auf der stillen Ebene gewesen und nun hatte er nicht nur den – zu seinem Vergnügen modifizierten – Körper des Satyrs, sondern auch die Kräfte des sehnsüchtigen Kainskindes. Und natürlich den Schlüssel zum Tor nach Arkadia. Oder das Tor selbst, wie immer man es auch benennen wollte. Der Effekt wäre der gleiche – ein Riss quer durch alle Schleier und Welten. Bis dorthin, wo das versteckte Reich lag.

Alles lief gut. Und trotzdem fühlte der alte Dämon die Dringlichkeit. Als würde etwas sehr Kleines, sehr Lästiges ganz hinten in seinem Geist nagen und kratzen. Ihn irritieren.

Er war nicht sicher, ob das nur ein kleiner Persönlichkeitsrest des Satyrs war. Oder doch eine Paranoia, die ihre Berechtigung hatte.

Natürlich würden der Magus, der grüner als nur grün hinter den Ohren war, und seine putzigen kleinen Freunde – was für eine Mésalliance sie doch waren! – ihm niemals gefährlich werden können. Natürlich nicht. Nein, das war unmöglich.

Aber trotzdem war es Zeit herauszufinden, wie der Schlüssel und das Tor funktionierten.

Was für ein Glück, dass das kleine Ding lebendig war. Lebendige Dinge fühlten Schmerzen. Reagierten auf Schmerzen.

Sehr gut.

Advertisements
Schlagwörter: , , ,
%d Bloggern gefällt das: