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Posts Tagged ‘Second Life’

Überbemuskelung

7. Januar 2017 8 Kommentare

Nur ad-Din
… gibt es für mich bekanntlich nicht. Weder im RL noch beim Zeichnen.

Wo ich hingegen vorsichtig bin ist SL. Second Life ist der Hort aller Übertreibung, die Wiege des „zu viel“. Da passiert es schnell mal, dass irgendwelche Damen mit ihrem Brauereigaul-Endstück durch keine Tür mehr passen oder einige Herren die richtige Ausfahrt für realistische Proportionen verpassen und bei „Erbsenkopp mit Armen zu kurz zum an den Eiern kratzen“ landen.

Mit Meshbodies wurde das nicht besser. Zum Teil sogar schlimmer. Und man kann nicht einmal den Herstellern Vorwürfe machen. Es gibt für männliche Avatare nicht all zu viele Bodies. Aber trotzdem ist für jeden etwas dabei. Vom abgelutschten Gummibärchen von TMP, das jeden zufrieden stellen sollte, dem Körperdefinition ein Gräuel ist, über die solide Normalovariante von Slink, den knuffigen Adam-Body (mein Lieblings-Meshbody) bis hin zu … Aesthetic von Niramyth.
Very, very old Assamite

Das war interessanterweise der erste Meshbody, den ich mir je gekauft habe. Damals noch aus dem Grund, dass ich meine Narben/Wunden/Brandings/etc. darauf fitten wollte. Nur um festzustellen, dass dieser Body kein Omega System unterstützt – zumindest nicht für Skins und Tattoos. Haha, Noob.

Also legte ich das Ding als teure Lerneinheit ins Inventar und wechselte zu Adam, wo ich bis heute blieb.

Und dann kam mal wieder das RP dazwischen. Ein NSC wurde gebraucht. Ein dreitausend Jahre alter Warrior Banu Haqim. Und da kam mir mein im Inventar gammelnder Aesthetic-Body wieder in den Sinn. Zwischenzeitlich hatte ich das Ding nochmal für meinen Werwolf entstaubt, für den ich ihn aber dann doch nicht verwenden konnte, da man nur die eingebauten Skins nutzen kann (Fremdapplier? Niemals!) und die mit heller Haut nicht funktionieren, da das Shading cyanlastig ist und man deshalb bei blassen Charakteren immer denkt, dass sie sich einem gleich vor die Füße übergeben. (Vom mitgelieferten Meshkopf rede ich übrigens am Besten gar nicht. Nur Leute, die einen wirklich schlimmen Sinn für Humor haben, benutzen das Ding!)

Aber der Banu Haqim wäre natürlich dunkel. Sehr dunkel.

Und verdammt muskulös.

Also probierte ich es aus – und war positiv überrascht. Zwar ist der Kapuzenmuskel immer noch derart übertrieben, dass selbst die enthusiastischsten Pumper irritiert den Kopf schütteln würden, aber im Großen und Ganzen ist der Herr Assamit sehr knusprig geraten.
Nur ad-DinUnd vor allem – hier funktioniert der Skinshading-Ton! Zwar brauchte ich einen Bleacher für die Tellaq-Skin vom Kopf, aber das war noch zu verkraften.

Die Klamotte gabs gefittet als Gacha-Komplettset vom Marketplace (90 Linden. Schnäppchen gemacht) und die Extrem-Snakebites fand ich in meinem Inventar herumliegend und sehr passend.

Also ich bin zufrieden. Schade, dass der Niramyth-Body nur so eine kleine Verwendungsspanne hat – aber da Rest-SL ja selten zu kaukasisch-hellen Hauttönen neigt, sondern mehrheitlich auch als Nord-Charakter als sonnenbankgegerbtes Ledersofa herumläuft, bin ich mit meinem Problem „ein Get of Fenris aus Schweden hat nunmal keine mediterrane Hautfarbe!“ eine pienzige Randgruppe.

Und dank meiner diversen dunkelhäutigen Charaktere, habe ich ja tatsächlich noch Verwendungsmöglichkeiten.

Trotzdem rate ich vom Kauf dieses Meshbodies ab. Man braucht schon einige anatomische Kenntnisse, um das Ding halbwegs realistisch einzustellen. Also – Grafiker, Ärzte und Pathologen können zugreifen. Aber nur, wenn es ihnen nichts ausmacht, dass es dafür keine Narben, Brandings, Wunden und 3rd-Party-Tattoos gibt. Obwohl ich mal probieren könnte, wie sich das Ding mit Kleidungslayern verhält.

Kein Fehlkauf mehr. Nur sehr spezialisiert. Rede ich es mir mal schön, damals fast 2800 Linden in den Orkus geblasen zu haben. Tja. Hinterher ist man immer schlauer und guckt mittlerweile erstmal auf der Meshbody-Addicts-Seite, bevor man die Brieftasche aufmacht.

Zielerfassung die Zweite

25. Oktober 2016 3 Kommentare

Sigurson_Nacht_a

… 48 … 49 … 50 … 1 … 2 …

Es war meditativ. Er zählte nicht wirklich. Konzentrierte sich nur auf den immer gleichen Bewegungsablauf, während die Vertrautheit der Umgebung, die Geräusche, die Gerüche, seinem Geist die Freiheit gaben, zu wandern. Seilspringen statt Yoga. Oder Zen. Oder was auch immer. Sigurson hatte keine Ahnung von fernöstlich-sprirituellem … Zeug. Das sowieso nicht wirklich in diesen Gym im Südosten Londons passte, dessen Hauptmerkmale exorbitante Hässlichkeit, der ewige Geruch nach Schweiß und zu viel Testosteron und die ständige Anwesenheit irgendeines Wolfes waren. Derzeit sogar vier davon. Eine erleuchtete Insel in einem heruntergekommenen Industriegebiet, überragt von ein paar Betonpfeilern des sozialen Wohnungsbaus aus einer Zeit, als man geglaubt hatte, Menschen wären für vertikale Anonymität geschaffen.

Sigurson tanzte weiter mit dem Seil. Irgendwo hinter ihm klatschte Haut auf Haut, grunzende Laute und dergleichen mehr. Simon und der Ire trainierten. Nichts Besonderes, nur ein wenig Thaiboxen. Irgendwann in den nächsten zwanzig Minuten würde Simon vermutlich zu ihm kommen. Sigursons Instinkt und Mondphase sagten ihm zwar sehr laut, dass jeder Kampf mit dem gleich großen aber locker dreißig Kilo schwereren (und zwar Muskelmasse) Fianna Ahroun keine gute Idee wäre, dass er seine Stärken, das Zuschlagen aus dem Hinterhalt, die Guerillataktik, anwenden sollte … aber das hier war nur Spiel. Simon war kein Feind sondern gehörte zu seinem Rudel. Alles war gut. Trotzdem … Gegen Instinkt kam ein Wolf nur schwer an.

Und sein Instinkt war auch von der blauhaarigen Begleitung des Iren irritiert, die mit einem Extra-Sahne-Zuckerstreusel-Pumpkin-Spice-Latte-kaffeähnlichen-Heißgetränk auf der Bank saß und versuchte, nicht gelangweilt zu wirken.

Wie in diesem Disneyfilm mit dem Schoßhündchen, das unter die Straßenhunde fällt. Sigurson drehte sich etwas weg, starrte ohne wirklich zu sehen lieber die Wand mit den vergilbten Kalenderschönheiten an.

… 23 … 24 …25 …

Er spürte die Präsenz, bevor er ihn sah oder roch. Nicht, dass er etwas dafür gekonnt hätte, aber der Neuankömmling löste in jedem immer ein unangenehmes Gefühl aus. Die unwillkürliche Frage, ob man ihm wirklich den Rücken zudrehen sollte.

Ungerecht. Sehr ungerecht. Aber Shadow Lords hatten das nun einmal an sich, auch wenn dieser spezielle Vertreter des dunklen Wolfsstammes noch nie etwas mit seinen Verwandten gemein gehabt hatte.

Ohne sich zu ihm zu wenden oder sein Gehüpfe zu unterbrechen meinte Sigurson beiläufig: „´n Abend, Two Moons.“ Er hörte das Rascheln, als Jason seinen Mantel auszog. „Guten Abend, Jumps the River.“

Damit war dem Wolfsprotokoll Genüge getan. Jason schlenderte um Sigurson herum in sein Sichtfeld. Nickte beiläufig Simon und Val zu, ohne zu erwarten, dass die beiden ihn wahrnehmen würden und schenkte Blauköpfchen und seinem Kaffeedarsteller eines seiner vage bedrohlichen Lächeln. Er zupfte sich die teuren Lederhandschuhe von den Fingern und legte den Kopf schräg.

Sigurson war kein besonders begabter Hellseher, konnte sich aber trotzdem ausrechnen, um was es ging. „Es ist wieder New York, oder?“

Jason lachte. Angenehm aber vielleicht nicht ganz ehrlich. „Wäre es dort so schlimm?“ – „Geht so. Gib mir eine Moon Bridge über Island statt eines Fluges und alles wäre deutlich besser.“ – „Ich denke, das werde ich sogar tun.“

Sigurson hielt im Seilspringen inne. Blinzelte überrascht. Ein Gefallen, der mehrere Moon Bridges bis nach Amerika wert war … das war nichts, das Jason leichtfertig einforderte. Diesmal war es etwas Großes.

„Du bist dir völlig sicher?“ – „Das letzte Mal war eine gezielte Irreführung und ich bin wie der dümmste Welpe darauf reingefallen. Jetzt habe ich das wirkliche Ziel. Kein Herumgeiere. Direkter Zugriff.“

Sigurson wischte sich mit der flachen Hand übers Gesicht. Atmete tief ein. „Also gut. Was hängt wirklich daran?“

Jason legte den Kopf in den Nacken. Die Neonröhren spiegelten sich in seinen dunklen Augen. „Jemand … etwas … ich weiß es nicht. Es riecht nach Magiern aber es liegt wie in einem Nebel. Jedenfalls dieser jemand arbeitet an etwas Größerem. Und hat viel Zeit, denn er sorgt an mehreren Stellen nicht nur auf dieser Seite des Schleiers für Ärger. Deshalb muss ich unsere Kräfte aufteilen. Du wirst den eigentlich angepeilten Caern vor den Magiern schützen. Bright Eyes schicke ich ins tiefe Umbra, ein Fianna kommt mit dem Feengesocks gut aus. Ich selbst werde mir eine Organisation ansehen, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte.“ Sigurson_Nacht_b

Sigurson nagte gedankenversunken an der Unterlippe. Wog alles ab. Nickte. „Und ich vermute, es bleibt für nichts mehr Zeit. Keine Vorbereitung, keine Verbündeten …“ – „Exakt. Für nichts. Du gehst jetzt duschen, ziehst dich um und gehst los. Ich unterbreche Blood like Fires Bällchenbad da drüben und schicke seinen Sparringspartner direkt ins tiefe Umbra. Und dann werde ich auch verschwinden.“

Sigurson pfiff leise durch die Zähne. „Ooookay, hektische Betriebsamkeit und dergleichen.“ – „Bei dir noch am wenigsten. Du hast ein paar Stunden, um die Madame in New York aufzusuchen und dir die Waffen geben zu lassen. Tu alles, was nötig ist. Du hast völlig freie Hand.“

Keine weiteren Fragen. Völlig freie Hand bedeutete genau das. Alles von Mord auf offener Straße bis zum Partisanenkrieg im Dschungel und sogar diplomatische Verhandlungen. Und dass Jason ihn schickte konnte nur heißen, dass der Shadow Lord selbst nicht sicher war, welche der drei Möglichkeiten Ergebnisse bringen konnte.

Sigurson neigte den Kopf. „Ich mache mich auf den Weg, Athro.“

Als er zu seinem Spind ging, wandte sich Jason gerade den beiden Fianna zu.


Sigurson_Nacht_c

Drei Nächte später. Ein streunender … Hund … nein … Egal. Eine heruntergekommene Gegend südlich von New York, eines dieser ewig hoffnungslosen Pseudoslumgebiete. Sigurson wartete auf seinen Kontakt. Die Star Gazer hatten ihn natürlich nicht vergessen.

Es konnte los gehen.

Fun with dominate

10. September 2016 5 Kommentare

John and Zachary 1

Sehr großartige Pose, die ich als Freebie ergattern konnte. Ich musste zwar eine Weile an den Poseballs herumdoktorn, bis ich sie von M/f auf M/m hatte – aber das hat sich meiner Meinung nach gelohnt.

John and Zachary 2

Passt perfekt zu den Vampiren. Im P&P ist John zwar blond – aber man muss ja nicht alles genau nach SL übertragen. Außerdem ist Johns Spieler da sehr tolerant.

John and Zachary 3

Ansonsten war ich heute RL-aktiv. Habe einen Termin fürs nächste Tattoo gemacht (meine Tätowiererin kommt nur jedes halbe Jahr aus Portugal, da muss man schnell sein! Und wartestabil. Der Termin ist erst Ende November … Gnarf) und mir einen Haufen (6 Stück!) Macarons gekauft, weil französische Backwaren das Knie der Biene sind.

Gestern habe ich die erste Hälfte (?) des HK-55-Zusatzkapitels in SWTOR gespielt. Es ist besser als die letzten KOTFE-Kapitel. Aber wie Kathro bemerkte ist das ja auch nicht all zu schwer. Trotzdem hatte ich keine Lust, es auf einmal durchzuspielen. Es hat ein paar lustige Features, folgt aber ansonsten bisher dem üblichen Schema. Nur ohne Skytrooper. Morgen oder so spiele ich es fertig. Ob ich mein Abo dann noch einmal verlängere, weiß ich aber nicht.

Ein Handel mit dem Teufel

28. August 2016 Kommentare aus

Zach-jamieDas war eines der schönsten Dinge an Amerika! Man musste nur den richtigen Akzent mitbringen, ein wenig Benehmen auffahren, sich zu den richtigen Zeiten dann wieder auf dreist-selbstverständliche Art eben nicht benehmen und schon war man ein Lord.

Und kein Pfarrerssohn aus den langweiligen Cotswolds, zu jung für den großen Krieg, zu jung für das, was passierte und zu alt für diesen Scheiß.

Zachary stand auf. Keine große Vorsicht von Nöten. Seine drei Spielgefährten waren weit jenseits der Ansprechbarkeit. Er ging zur Kamera und schaltete sie aus. Zog die Speicherkarte heraus und schnappte sich das Laptop. Er schlenderte hinüber zu den großen Fenstern, seine Füße verursachten auf den kalten, glatten Holzbohlen kaum ein Geräusch und die Kühle machte ihm nichts aus. Ihre Lordschaft hatte gut gespeist, ebenso guten Sex gehabt und Einverständniserklärungen für Videos waren Pillepalle, um den er sich noch nie gekümmert hatte. Vor allem dann nicht, wenn sein optisches Alter beim Rest der Beteiligten sowieso dafür sorgte, dass sie freiwillig ruhig blieben. Dies war ein gutes neues Jahrhundert!

Und hin und wieder kam sogar jemand vorbei, der aus der Masse herausstach. Sorgte mit ein wenig Aufregung dafür, dass Zachary sein Ennui vergessen konnte. Aufhörte, sehr bewusst zu verdrängen, warum er nicht mehr in London war und statt dessen einfach das Hier und Jetzt vergaß.

Wie dieser Tänzer (ein Tänzer! Von allen Menschen, hatte es ein Tänzer sein müssen. Das konnte nur ein Zeichen sein. John hätte ihm jetzt gesagt, wer an Zeichen glauben würde, sollte dringend seinen Kopf untersuchen lassen … aber das war doch ein bisschen zu viel für einen Zufall. Nicht, dass Zachary nun behaupten würde, Arikel wäre auferstanden und würde durch diesen Magus zu ihm sprechen … aber ein wenig amüsierte Ehrfurcht hatte noch nie geschadet).

Es hatte ein wenig Überwindung gekostet, die Naivität des Jungen nicht auszunutzen und ihn zu trinken. Nur ein bisschen … Aber das wäre Zachary nicht gut bekommen. Zu rein, zu gut ernährt, keine Chemie in ihm. Wohlschmeckend aber nicht das, was wirklich nahrhaft gewesen wäre.

Zu seiner eigenen Überraschung war Zachary sicher, dass er Jamie helfen würde. Einfach so. Ohne Hintergedanken und vermutlich sogar ohne all zu viel für sich selbst an Profit herauszuschlagen. Vermutlich seine viel zu präsente romantische Ader. Er schnaubte ein Lachen.

Aus einem unerklärlichen Impuls heraus öffnete er Skype. Klickte auf Sues Avatar … Anrufen. Es dauerte etwas, dann ging sie ran. War offensichtlich am Handy, denn er hörte das rhythmische Klacken ihrer Absätze und ein Klirren, als sie ihren Kopf zur Seite warf und ihre Ohrringe sich verfingen. „Na sowas, der verlorene Sohn meldet sich. Ich dachte, du trotzt noch mit John und redest deshalb auch mit keinem von uns, Kleiner.“ – „Ja. Hallo Sue. Ich freue mich auch, deine Stimme zu hören.“ – „Ach Zach, sei nicht die beleidigte Diva. Natürlich freue ich mich. Aber ich bin auf dem Weg zu Evelyn-“ Sue brach ab. Ja, das war dann doch etwas zu viel. Zachary bereute es schon wieder, angerufen zu haben. Zu viel alte Dinge. Zu viele Jahrzehnte und zu viele Emotionen.

Sue nahm die abgebrochene Unterhaltung selbst wieder auf. „Es tut mir leid. Aber ich kann nicht um alle Themen herumschleichen, wenn du dich alle Jubeljahre wieder meldest. Klär´ das mit den Beiden und lass´ mich da raus.“ – „Du weißt, dass man das nicht klären kann. Ventrue haben immer recht. Weil. Und darauf habe ich keine Lust. Es ist ja auch nicht so, als hätte einer von euch anderen irgendwie eingegriffen.“

Sue lachte ein wenig gekünstelt. „Zach … ich werde keine Partei ergreifen. Das ist eure Sache. Und außerdem weiß ich ziemlich genau, dass John so staubtrocken und nüchtern ist, dass alles Drama immer nur von dir ausgeht, mein Süßer. Also – nicht mein Bier. Aber ich mag mich nicht streiten. Ich freue mich, von dir zu hören. Wie läuft es in den Kolonien?“ – „Alles in Ordnung. Ich bekomme doch mit, dass du meinen Channel abonniert hast, also siehst du doch, was los ist.“ – „Ich weiß, wem du Drogen verabreichst und mit wem du dann vor der Kamera amüsante Schweinereien veranstaltest. Aber das sagt mir nichts über dich.“ – „Hm. Ja. Nun, nichts Besonderes.“ – „Du rufst nicht wegen nichts Besonderem hier an.“ – „Na gut. Ich hatte eine kurze Begegnung mit wahrer Liebe. Und du weißt ja, dass mich das immer ärgert. Also wollte ich mit jemandem reden, dem so etwas völlig fremd ist.“

Eine kurze Pause am anderen Ende. Der frühmorgendliche Verkehr in London war noch spärlich aber zu hören. „Ah ja. Du bist immer noch ein Biest, Zach. Und du hast auch immer noch die Marotte, dass dir andere weh tun sollen, damit es nicht so schmerzt. Aber heute steige ich nicht darauf ein. Werd´ erwachsen, mein Herz. Du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst. Meinetwegen wohne auch wieder in der Mansarde. Aber das Gekasper mit John und Evelyn bekommst du bitte ganz allein in den Griff. Apropos Evelyn. Ich stehe gerade vor seinem Haus. Also muss ich jetzt auflegen. Bis bald, Zach.“

Stille. Sie hatte tatsächlich einfach das Gespräch beendet.

Hatte ihn mit diesem ganzen Irrsinn allein gelassen, den Mr. Smith vor seinen Füße gekippt hatte, weil er dem pompösen Sir O. noch einen Gefallen schuldete. Mit einem jungen Magus, den man nicht komplett fressen durfte. Mit, ja … wahrer Liebe und ihren Folgen. Die er morgen ganz direkt ins Gehirn gepustet bekommen würde. Ganz großes Kino.

Andererseits war ihm schon länger langweilig. Und das hier versprach Potential für Amüsement zu haben. Schon allein, dass der Junge so furchtbar wenig wusste! Wie putzig er ihm Blut angeboten hatte! Wie ein harmloser Welpe, der gerade tapsig aber entschlossen auf eine Industriefritteuse zuhopste.

Und weil Zachary war, was er nunmal war, würde er solch anmutige Schönheit nicht sterben lassen. Würde er seinen Teil beitragen, um das Richtige zu tun. Widerwärtig.

Er zog seine Kleidung aus dem Haufen in der Mitte des Raumes und griff sich seine Autoschlüssel. Seine Liebe zu italienischer Ingenieurskunst hatte in den letzten neunzig Jahren nicht nachgelassen. Er vermisste den 35 B. Der zwar natürlich nicht aus Italien gekommen war – aber damals hatte man das noch nicht so eng gesehen. Jetzt hatte er sich den Aventador zugelegt. Weil ihm der Tesla immer noch zu brav war. Gutmenschenautos …

Und wahre Liebe. Alles war so wundervoll, dass man nur sein Bestes tun konnte, sich das Hirn an einer Highwaybrücke zu verteilen. Was natürlich keine gute Idee war, wenn die Lieferzeit des Lambo so verdammt lange war.

Zachary seufzte resigniert.

Lambo

Exklusivität und dergleichen

17. August 2016 5 Kommentare

Sigurson on a bike

Man musste eine Weile suchen, um die Website überhaupt aus dem Wust der Angebote herauszufischen. Anscheinend gab sich die Besitzerin nicht wirklich Mühe, ihr unbekannte Gäste anzulocken, sondern verließ sich auf Mundpropaganda. Nicht unüblich in dieser Exklusivitätsklasse. Man wollte nicht den Straßenpöbel, sondern empfohlene Besucher. Wohlerzogen und zum Profil passend.

Schwierig da rein zu kommen. Sigurson klickte sich durch die Links, betrachtete Bilder der Insel; von lachenden Menschen und spielenden Kindern.

In früheren Zeiten hätten sie den direkten Weg genommen. Wären mit einem Kriegsrudel einfach aus dem Umbra gesprungen, hätten angegriffen, getötet, den Job erledigt.

Heute ging das nicht mehr. Zu wenige. Viel zu wenige. Man stemmte sich gegen den Sturm, so gut man konnte. Und war in der Wahl der Mittel nicht mehr besonders zimperlich. Sie mussten an zu vielen Orten zu gleich sein. Mit viel zu wenigen Kriegern.

Bevor er bei White Shadow Ltd. angefangen hatte, war er mit einem Haufen Children of Gaia auf einem Schiff der Sea Shepherd gefahren. Dort war alles irgendwie noch wie in früheren Zeiten. Einfach, ursprünglich. Das Entern isländischer oder japanischer Walfangschiffe war eine sehr direkte Sache und der Besatzung glaubte nach ihrer Rückkehr im schlimmsten Falle sowieso niemand, dass Bestien aus den buntesten Alpträumen ihre Ausrüstung zerlegt hätten.

Und heute? Heute ging man subtil vor. Weil man allein im Dschungel war. Auf sich gestellt im Labyrinth der Häuser.

In London war es schon weit nach Mitternacht. Egal. Aber offenbar hatte Jason anderes zu tun, als zu schlafen. Seine ruhige, kühle Stimme klang nicht so, als hätte Sigursons Anruf ihn aus dem Bett gerissen.

„Es gibt Probleme?“ – „Dir auch einen guten Abend, Jason. Nein, keine Probleme. Ich brauche ein paar Credentials.“ – „Was willst du tun? Ein Konto eröffnen?“ – Sigurson schnaubte leise. „Klar. Ich habe ein paar Kolumbianer kennengelernt, wir sind ins Rauschgiftgeschäft eingestiegen … Im Ernst. Ich brauche eine Empfehlung, um als Gast auf die Insel zu kommen. Hast du Kontakte?“

Stille vom anderen Ende der Leitung. Ein leises Rascheln, als Jason das Telefon zwischen Ohr und Schulter klemmte, um tippen zu können.

Sigurson wartete. Betrachtete die nikotingelben Vorhänge des Zimmers, die sich steif in der Kühlschrankbrise der Klimaanlage bewegten.

Schließlich atmete Jason tief ein. „Hab etwas. Eine Therapeutin aus Maryland. War zweimal auf der Insel, also kein echter Stammgast aber in der Kartei. Nicht bekannt genug, um dich mit Fragen in Verlegenheit bringen zu können. Und vor allem derzeit für ein Jahr in Bangladesh, also hübsch unerreichbar. Ich gebe dir alle relevanten Daten.“

Sigurson tippte auf den Refresh-Button und ein weiteres File materialisierte sich. Kurz konnte er das elektrische Zwinkern eines Netzgeistes sehen. Jasons kleine Freunde waren ihm unangenehm, ohne dass er hätte benennen können, warum genau. Vermutlich wieder eine dieser Traditionssachen.

„Habe es. Danke.“ – „Sonst noch irgend etwas Wichtiges? Du kommst klar?“ – „Es ist alles verdammt langwierig für so einen straight-forward-Job. Aber ja, ich komme klar.“ – „Es kann nicht alles hit and run sein, Mohammed.“ – „Ich weiß. Ich wollt´ nur motzen.“ – Ein fast-Lachen von der anderen Seite des Atlantiks. „Wir gehen alle zusammen essen, sobald du wieder in London bist. Kann man prima von der Steuer absetzen.“ – „Ich kenne dein Essengehen. Im Red Rooster saufen, bis es völlig egal ist, was man essen will.“ – „Mir entgeht dein Problem damit.“ – Nun war es an Sigurson, zu lachen. „Ja, ist gut. Alles in Ordnung. Ich lass´ dich dann mal schlafen und schreib unserer Miss L. eine freundliche Mail. Gute Nacht, Jason. Und keine Waltons-Witze.“ – Kurze, amüsierte Stille, dann „Gute Nacht, Mohammed“

Sigurson legte das Telefon vor sich auf den Tisch, lehnte sich vorsichtig auf dem wackeligen Stuhl zurück und rieb sich die Augen, bis Schnee vor ihm tanzte. Dann dehnte er die Schultern, ließ seine Wirbel knacken, griff nach dem Tablet. Zeit, freundlich und kreativ zu werden.

Jason hatte ihm eine zur Therapeutin passende kleine Backstory gegeben. Aber davon würde er nur das Notwendigste verwenden. Zu viele Details weckten nur Misstrauen. Also gut …

Guten Tag Mrs. L.

Mein Name ist Sven Guldberg (… woher hatte Jason solche Decknamen? Aus dem Buch „Skandinavische Stereotypen und wie ich sie passend einsetze. Smörrebröd!“ …) und ich wende mich auf Grund der Empfehlung von Dr. Preissinger aus Annapolis an Sie, die in den letzten Jahren schon zwei Mal Gast auf Ihrer Insel war und sich voller Enthusiasmus über Ihr Resort geäußert hat. Ich habe in den nächsten Wochen einige Vortragstermine an der Ostküste und würde eine mehrtägige Pause auf Ihrer Insel zur Erholung sehr zu schätzen wissen. Ich würde gern vier Nächte ab dem nächsten Dienstag buchen, sollten Sie noch Kapazitäten haben.

Ich freue mich auf die Ruhe und Abgeschiedenheit,

S. Guldberg

Senden. Und dann warten. Wahrscheinlich noch mehrere Tage. Sigurson strich sich mit der flachen Hand übers Gesicht, spürte trotz der Kälte der Klimatisierung Feuchtigkeit auf der Stirn. Vielleicht schlug sich ja Kondenswasser auf ihm nieder, wie an einem Felsen.

Warten war nichts, was ihm Freude bereitete.

Aber er war gut darin.


OOC: Natürlich habe ich Aranzas Nachnamen vergessen. War zu erwarten. Aber immerhin habe ich noch im Kopf, dass er mit „L“ anfängt!

Noch einmal die Ebene. Ein Überblick.

13. August 2016 Kommentare aus

Krater_a

Sie ist tatsächlich groß. Sehr groß. Steht man in ihrer Mitte, sieht man weit hinaus zu den Kraterrändern und muss nach oben schauen, um überhaupt die hinter dem Rand liegenden Dünen und Felsrippen erfassen zu können.

Mir gefällt diese Landschaft. Nicht, dass ich sie ewig stehen lassen möchte. Ich mag Abwechslung. Und im Laufe des Plots wird sich die Ebene hoffentlich auch verändern. Aber derzeit ist es meine Ästhetik du jour.

Ich arbeite noch daran. Allerdings nicht mehr gezielt. Sollte ich noch etwas finden, das mir passend erscheint, wird es addiert. Ansonsten bin ich zufrieden. Die Ebene wirkt angemessen riesig und verlassen und wenn man zwischen den sehr großen Steinen steht, wird einem die eigene Winzigkeit bewusst.

Ich sollte noch Vergleichsbilder mit einem normalgroßen Avatar machen, um das zu verdeutlichen.

Krater_b

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Die Ebene. Nicht New York.

12. August 2016 4 Kommentare

Während in New York Sigurson mit seiner Munitionstasche zurück zu der schäbigen Pension schlenderte, in der er untergekommen war, und noch erwog, einen weiteren Abendspaziergang zum Hudson zu machen – nur um eventuell ein wenig belanglosen Ärger zu suchen.

Während in den Hamptons Jamie damit beschäftigt war, Wings of Ether menschliche Umgangsformen nahezubringen – und nicht sicher war, ob der Satyr ihn nicht die ganze Zeit nur auf den Arm nahm.

Während der Großstadtschamane, der sich im Moment Red nannte, an einem Fetisch arbeitete, was hier in der Nähe des Caerns auf der Insel erstaunlich leicht von der Hand ging.

Gab es noch andere Dinge … Orte …

Ein sanfter Wind flüsterte von Nordwesten her über die Ebene. Hob ein paar Papierfetzen auf, spielte damit und legte sie wieder ab, als hätte er vergessen, was er damit tun wollte.

Der Zustand bemühte sich, ein Bewusstsein zu werden. Denn er spürte zwar nicht den Wind und konnte auch nicht sagen, ob über der mit Kratern bestäubten Ebene eine Sonne schien, weil er vergessen hatte, was eine Sonne war … aber er fühlte deutlich, dass seine Arbeit Früchte getragen hatte. Die winzige Veränderung, zu der er fähig gewesen war, diese wenigen Moleküle, die er zu seinen Gunsten manipuliert hatte, waren an den richtigen Platz gefallen. Hatten das in Bewegung gesetzt, was nun auf den Punkt zu lief, den der Zustand nutzen wollte.

Jahrhunderte? Äonen? Minuten? Nein, nicht Minuten. Der Zustand nahm zusammen, was er als ich zu betrachten begann. Er war ich. Er war Bewusstsein.

Ab jetzt spürte er das Vergehen der Zeit. Entwickelte ein Gefühl dafür, dass er wartete.

Und er mochte es nicht, zu warten.

Seine Figuren waren dabei, ihre Plätze einzunehmen. Bis dahin konnte er nichts mehr tun und das machte ihn … ärgerlich. Ja, er fühlte. Gut! Er wurde stärker.

Er wirbelte über die Ebene, tauchte in die Schatten der großen Steine. Griff nach Sandkörnern, denn er wollte wieder lernen, zu berühren.

Nach einer Stunde … Minute? Nein, nicht Minute. Hatte er das Blatt eines trockenen Farns einen Millimeter zur Seite geschoben. Zufriedenheit breitete sich in ihm aus.

Aber es war nicht genug. Er musste noch viel stärker werden. Durfte sich nicht nur darauf verlassen, das Immaterielle manipulieren zu können.

Er musste trainieren.

Zum Glück war die Ebene dazu sehr gut geeignet.


OOC: Den Plot zu entwickeln, Dinge dafür zu schreiben. Das ist die Art von Kreativität, die mir bei RPs am meisten gibt. Und das alles auch noch in einem Tempo, das es mir erlaubt, nachzudenken. Nicht zu schnell. Nicht zu hektisch. Spannung kommt nicht aus dem Hals-über-Kopf.

Und ja, die Wüste ist Geschichte. Wurde zu Gunsten des dunklen Kraters abgerissen. Aber ist er nicht eine großartige Darstellerin schlimmen Unheils? Seht die düst´re Dame in rotem Samt, die große Primadonna. Sie hat wohl viel gelitten.